Ent­schei­den­de Wah­len

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - EH

Ma­lay­sia ist ei­ne jun­ge Na­ti­on, die wie vie­le an­de­re nach dem Zwei­ten Welt­krieg in die Un­ab­hän­gig­keit ent­las­se­ne eu­ro­päi­sche Ko­lo­ni­en nach wie vor in­ten­siv nach ih­rer kul­tu­rel­len Iden­ti­tät sucht. Das Land bleibt ent­lang tie­fen eth­ni­schen und re­li­giö­sen Gr­a­ben ge­spal­ten, die im­mer wie­der auch ei­nen dun­k­len Schat­ten auf das Wirt­schafts­le­ben wer­fen. Das kommt im Vor­feld der spä­tes­tens kom­men­den April an­ste­hen­den Par­la­ments­wah­len be­son­ders stark zum Aus­druck.

Es ste­hen sich da­bei zwei aus ei­nem wei­ten Spek­trum zu­sam­men­ge­setz­te Par­tei­en­blö­cke ge­gen­über. Seit der Un­ab­hän­gig­keit im Jah­re 1959 do­mi­niert al­ler­dings die na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ve Ver­ei­nig­te Na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­ti­on der Ma­lai­en (Um­no) die po­li­ti­sche Land­schaft. Sie ver­steht sich als Ver­tre­te­rin der eth­ni­schen Ma­lai­en so­wie der Ur­ein­woh­ner, die rund 60% der ma­lay­si­schen Be­völ­ke­rung aus­ma­chen. Der Rest der Staats­bür­ger sind vor­wie­gend erst im Ver­lauf der ver­gan­ge­nen 150 Jah­re ein­ge­wan­der­te Chi­ne­sen und In­der.

Die Um­no treibt seit 1969 als Fol­ge schwe­rer Ras­sen­un­ru­hen ei­ne Wirt­schafts­po­li­tik, bei der eth­ni­sche Ma­lai­en ge­gen­über chi­ne­si­schen und in­di­schen Bür­gern im öf­fent­li­chen Sek­tor be­vor­zugt wer­den. Die Ras­sen­un­ru­hen wa­ren nicht nur – doch vor al­lem auch – ein Re­sul­tat der wirt­schaft­li­chen Do­mi­nanz der Chi­ne­sen im Wirt­schafts­le­ben. Doch was ur­sprüng­lich als Pro­gramm zur Schaf­fung ei­ner grös­se­ren Chan­cen­gleich­heit ge­dacht war, hat sich längst zu ei­nem In­stru­ment der Dis­kri­mi­nie­rung ge­gen­über den Min­der­hei­ten ent­wi­ckelt.

Die­se Dis­kri­mi­nie­rung bremst das Wirt­schafts­wachs­tum nicht zu­letzt auch des­halb, weil tüch­ti­ge Chi­ne­sen und In­der ver­mehrt ins Aus­land ab­wan­dern. Al­ler­dings hat die Um­no bei den letz­ten Wäh­lern an Rück­halt ver­lo­ren. Die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on hat 2008 vor al­lem auch we­gen der Ab­spal­tung kon­ser­va­ti­ver is­la­mi­scher Kräf­te erst­mals ih­re Zwei­drit­tel­mehr­heit im Par­la­ment ver­lo­ren.

Soll­ten die an­ste­hen­den Wah­len kei­ne ein­deu­ti­ge Mehr­heit brin­gen, droht ei­ne in­nen­po­li­ti­sche Blo­cka­de, die dem In­ves­ti­ti­ons­kli­ma äus­serst ab­träg­lich wä­re. Al­ler­dings be­steht auch die Mög­lich­keit, dass die Wah­len ei­nen Neu­be­ginn brin­gen, durch den Ma­lay­sia sich zu ei­nem po­li­tisch mo­der­nen Staats­we­sen ent­wi­ckeln könn­te.

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