Abe will Ja­pans Eis­zeit ein En­de set­zen

Die ex­pan­si­ven geld- und fis­kal­po­li­ti­schen Plä­ne sol­len die Kon­junk­tur an­hei­zen und den Yen schwä­chen – Ex­port­wer­te, Bau- und Bank­ak­ti­en pro­fi­tie­ren am meis­ten

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - MAR­TIN FRITZ,

Mit ei­nem Erd­rutsch­sieg bei den Un­ter­haus­wah­len kehrt die Li­be­ral­de­mo­kra­ti­sche Par­tei LDP mit dem Vor­sit­zen­den Shin­zo Abe in Ja­pan an die Macht zu­rück. Der Ak­ti­en­in­dex Nik­kei avan­cier­te vor und nach den Wah­len, der Aus­sen­wert des Yens fiel wei­ter.

Die jüngs­te Ral­ly ba­siert auf der Er­war­tung ei­nes Kurs­wech­sels zu «Abe­no­mics»; so wer­den die wirt­schafts­po­li­ti­schen Plä­ne von Wahl­sie­ger Shin­zo Abe ge­nannt. Abe will mit mehr Staats­aus­ga­ben und ei­ner ex­pan­si­ve­ren Geld­po­li­tik die De­fla­ti­on be­en­den und den Yen schwä­chen. Die Bank of Ja­pan soll ihr In­fla­ti­ons­ziel auf 2% ver­dop­peln und ihr As­set­kauf­pro­gramm kräf­tig auch auf aus­län­di­sche An­lei­hen aus­wei­ten. Ein fal­len­der Yen re­sul­tiert in hö­he­ren Ge­win­nen der Ex­port­fir­men, so­dass der Ak­ti­en­markt an­zieht.

Wachs­tum um je­den Preis

Ein zwei­ter An­lass für Op­ti­mis­mus an der Bör­se ist die Hoff­nung auf ei­ne Kon­junk­tur­wen­de. Ja­pan steckt in der Re­zes­si­on, doch die Tal­soh­le ist ver­mut­lich schon bald er­reicht. Zum ei­nen kommt die Wirt­schaft in Chi­na all­mäh­lich wie­der in Schwung. Dort lässt auch das an­ti­ja­pa­ni­sche Sen­ti­ment ge­gen Wa­ren Ma­de in Nip­pon nach. Zum an­de­ren wird Abe spä­tes­tens im Fe­bru­ar ei­nen gros­sen Nach­trags­haus­halt auf den Weg brin­gen, der sich an der Nach­fra­ge­lü­cke von 15 Bio. Yen (165 Mrd. Fr.) ori­en­tie­ren soll. Zwar dürf­te das Ex­tra-Bud­get ei­ni­ge vor­ge­zo­ge­ne Aus­ga­ben ent­hal­ten, da der neue Staats­haus­halt, der ab April läuft, we­gen der Wahl ver­spä­tet ver­ab­schie­det wird. Aber Abe will auch im neu­en Haus­halt die Aus­ga­ben hoch­schrau­ben. Das meis­te Geld dürf­te in Bau­pro­jek­te flies­sen, um die ge­al­ter­te In­fra­struk­tur zu er­neu­ern und ge­gen Erd­be­ben zu ver­stär­ken.

Bis zum nächs­ten Herbst muss die Kon­junk­tur deut­lich an­zie­hen, da­mit die Wirt­schaft den Preis­schock im fol­gen­den Jahr, wenn die Er­hö­hung der Mehr­wert- steu­er ge­plant ist, ver­kraf­ten kann. Die Ver­dop­pe­lung der Mehr­wert­steu­er auf 10% ab April 2014 kommt wie­der­um nur dann, wenn die Re­gie­rung im Herbst 2013 fest­stellt, dass die Kon­junk­tur ro­bust ge­nug ist. Bis­her hat auch Abe die un­po­pu­lä­re Steu­er­er­hö­hung vom Zu­stand der Wirt­schaft ab­hän­gig ge­macht. Doch ver­schiebt er sie oder lässt sie wo­mög­lich aus­fal­len, könn­te dies ein Erd­be­ben bei Staats­an­lei­hen aus­lö­sen. Da­her muss das Wachs­tum kräf­tig an­zie­hen.

Die Chan­cen da­für ste­hen gar nicht so schlecht, denn vie­le Bür­ger wer­den we­gen der dro­hen­den Steu­er­er­hö­hung ih­ren Kon­sum teil­wei­se vor­zie­hen und da­durch die Kon­junk­tur an­kur­beln. Das gilt be­son­ders für Ei­gen­heim­bau und Woh­nungs­kauf. Die Ge­schäfts­ban­ken über­bie­ten sich schon mit Zehnjah­res-Im­mo­bi­li­en­kre­di­ten mit nur noch 1,3% Zins. Schliess­lich dürf­ten auch die Ener­gie­kos­ten sin­ken. Nach In­kraft­tre­ten neu­er Si­cher­heits­vor­schrif­ten wer­den ab Som­mer die ers­ten von 48 der­zeit ab­ge­schal­te­ten Atom­mei­lern hoch­ge­fah­ren. Da­durch sin­ken Ja­pans Im­port­rech­nun­gen für fos­si­le Brenn­stof­fe so­wie die Strom­kos­ten für In­dus­trie und Haus­hal­te.

No­mu­ra sieht da­mit ge­nü­gend Vor­aus­set­zun­gen er­füllt, dass ja­pa­ni­sche Ak­ti­en aus ih­rem Dorn­rös­chen­schlaf auf­wa­chen. Als Out­per­for­mer nennt No­mu­ra Ze­ment, Pharma, Haus­bau, Im­mo­bi­li­en, Strom­ver­sor­ger und Au­tos. Nach ei­ner Kon­so­li­die­rung der jüngs­ten Kurs­ge­win­ne soll­te der Nik­kei En­de März bei min­des­tens 10250 – 3% über dem heu­ti­gen Ni­veau – ste­hen.

Bank­ak­ti­en im Auf­wind

Die Ex­per­ten von Fi­de­li­ty emp­feh­len die Ak­ti­en der Gross­ban­ken. Hö­he­re Zin­sen wür­den zwar nicht rea­li­sier­te Ge­win­ne bei ih­ren Bond-Be­stän­den schrump­fen las­sen, zu­gleich aber die Net­to­zins­ein­nah­men er­hö­hen. Die­se Ge­winn­stei­ge­rung soll­te die Wert­ver­lus­te bei al­ten An­lei­hen mehr als aus­glei­chen. Bei den Ein­zel­wer­ten fa­vo­ri­sie­ren die Ana­lys­ten von Cre­dit Suis­se die Elek­tro­nik­ti­tel Mu­ra­ta und Ri­coh, die Ver­si­che­rung MS&AD, den Last­wa­gen­her­stel­ler Hi­no so­wie die Schwer­ge­wich­te Fast Re­tailing und Soft­bank.

Al­ler­dings sind ja­pa­ni­sche Ak­ti­en für Schwei­zer An­le­ger nur dann at­trak­tiv, wenn das Wäh­rungs­ri­si­ko ab­ge­si­chert wird. Aus­ser­dem ist die­ser Auf­schwung um je­den Preis nicht frei von Ri­si­ken: Die Staats­ver­schul­dung wächst un­ge­bro­chen. Zu­dem wür­de ei­ne schnel­le Rück­kehr der In­fla­ti­on Ban­ken und Spa­rer hart tref­fen und die Haus­halts­fi­nan­zie­rung ge­fähr­lich ver­teu­ern. Soll­te der An­lei­hen­berg ins Rut­schen kom­men, droht Ja­pan die Mut­ter al­ler Schul­den­kri­sen.

Der ja­pa­ni­sche Yen schwä­chelt

Shin­zo Abe will ei­nen schwa­chen Yen und ris­kiert da­mit die Mut­ter al­ler Schul­den­kri­sen.

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