Die USA brem­sen vor der fis­ka­li­schen Klip­pe

Prä­si­dent Oba­ma macht Ab­stri­che – Re­pu­bli­ka­ner ak­zep­tie­ren erst­mals hö­he­re Steu­ern – Be­deu­ten­de Fort­schrit­te der Ver­hand­lun­gen

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PE­TER DE THIER,

Im Rin­gen um ein neu­es Haus­halts­ge­setz zur Ver­hin­de­rung der so­ge­nann­ten fis­ka­li­schen Klip­pe (Fis­cal Cliff ) könn­ten das Weis­se Haus und die re­pu­bli­ka­ni­sche Op­po­si­ti­on vor ei­nem Durch­bruch ste­hen. Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma ist nun da­zu be­reit, we­ni­ger Steu­er­er­hö­hun­gen zu ak­zep­tie­ren. Zu­vor hat­te Op­po­si­ti­ons­chef John Bo­eh­ner erst­mals sei­ne Be­reit­schaft er­klärt, zu­sätz­li­chen Ab­ga­ben für Bes­ser­ver­die­nen­de zu­zu­stim­men.

Seit Mo­na­ten hat­te Oba­ma dar­auf be­stan­den, Haus­hal­te mit ei­nem Jah­res­ein­kom­men über 250 000 $ stär­ker zur Kas­se zu bit­ten und wei­te­re Ein­nah­me­quel­len zu er­schlies­sen, die wäh­rend der kom­men­den zehn Jah­re zu­sätz­li­che 1,6 Bio. $ in die Staats­kas­se spü­len wür­den. Sei­ne jüngs­te Of­fer­te an die Re­pu­bli­ka­ner lässt nun Hoff­nung auf­kom­men. Dem­nach wür­den die un­ter Oba­mas Vor­gän­ger Ge­or­ge W. Bush ver­ab­schie­de­ten Steu­er­er­leich­te­run­gen nur für die­je­ni­gen Pri­vat­haus­hal­te en­den, die über 400 000 $ ver­die­nen. Zu­sam­men mit ei­nem hö­he­ren Erb­schafts­steu­er­satz für Wohl­ha- ben­de und der Ab­schaf­fung di­ver­ser Ver­güns­ti­gun­gen wür­de dies in der Sum­me statt 1,6 nur 1,2 Bio. $ an neu­en Ein­nah­men brin­gen. Zu­vor hat­te Bo­eh­ner – der bis­her jeg­li­che Steu­er­er­hö­hun­gen ka­te­go­risch ab­ge­lehnt hat – er­klärt, dass er hö­he­re Sät­ze zu­min­dest für Mil­lio­nä­re in Kauf neh­men wür­de.

Ver­tre­ter bei­der Sei­ten zeig­ten sich op­ti­mis­tisch, dass es noch bis zum Wo­che­n­en­de ge­lin­gen könn­te, ei­nen Mit­tel­weg zu fin­den, wo­bei ne­ben der zen­tra­len Dis­kus­si­on über die Ein­kom­mens­steu­er auch in an­de­ren Punk­ten Dif­fe­ren­zen zu über­win­den sind. Oba­ma will Kür­zun­gen im Rüs­tungs­etat, und die Op­po­si­ti­on will be- son­ders im So­zi­al­be­reich spa­ren. Un­ge­klärt ist, ob bei­de Sei­ten ei­ne Re­form der ge­setz­li­chen Aus­ga­ben­pro­gram­me, vor al­lem der Ren­ten­ver­si­che­rung und der Kran­ken­ver­sor­gung Me­di­ca­re und Me­di­caid, in An­griff neh­men wol­len.

Für Hoff­nung sorgt die An­nä­he­rung, die sich in wei­te­ren, bis­her un­über­wind­lich er­schei­nen­den Kon­flikt­punk­ten ab­zeich­net. So for­dert der Prä­si­dent, dass die staat­li­che Schul­den­gren­ze, die be­reits im Fe­bru­ar ein wei­te­res Mal er­reicht sein wird, für zwei Jah­re er­höht wird. Bo­eh­ner, der ei­nen Zeit­plan bis­her ab­ge­lehnt hat­te, ist nun im­mer­hin be­reit zu ei­nem Jahr. Auch sind sich bei­de Sei­ten ei­nig, die Re­form der Ein­kom­mens- und Kör­per­schafts­steu­ern zu be­schleu­ni­gen. An­dern­falls grei­fen An­fang 2013 au­to­ma­tisch Steu­er­er­hö­hun­gen und Aus­ga­ben­kür­zun­gen, die wäh­rend der kom­men­den zehn Jah­re der Wirt­schaft ei­nen Sti­mu­lus im Wert von 2,1 Bio. $ ent­zie­hen wür­den und 2013 ei­ne Re­zes­si­on zur Fol­ge ha­ben könn­ten.

Die Bör­se re­agier­te er­freut. Der S&P 500 stieg am Vor­mit­tag in New York 0,6% auf den höchs­ten Stand seit zwei Mo­na­ten. Der Sto­xx Eu­ro­pe 600 avan­cier­te 0,5%.

Kurz no­tiert Grie­chen­land nicht mehr im De­fault: Die Ra­ting­agen­tur Stan­dard & Poor’s (S&P) hat Grie­chen­land vom Ra­ting «Selec­tive De­fault» (SD, teil­wei­ser Aus­fall) auf B- hoch­ge­stuft. Dies nach­dem Grie­chen­land die­je­ni­gen An­lei­hen durch EU-Gel­der zu­rück­kau­fen konn­te, die nicht mehr durch Cou­pon-Zah­lun­gen be­dient wur­den und zum SD-Ra­ting ge­führt ha­ben. S&P sieht die Un­ter­stüt­zung durch die an­de­ren Eu­ro-Staa­ten als po­si­tiv – auch wenn die Un­si­cher­hei­ten gross blie­ben und ei­ne Rück­kehr Grie­chen­lands zum An­lei­hen­markt nicht vor 2015 zu er­war­ten sei. Ge­mäss S&P bleibt die Ver­schul­dung Grie­chen­lands auch nach dem Rück­kauf bei 160% des Brut­to­in­land­pro­dukts. Fonds­ma­na­ger-Sur­vey: Ge­mäss der mo­nat­li­chen Um­fra­ge der Bank of Ame­ri­ca Mer­rill Lynch un­ter Fonds­ma­na­gern greift wie­der Op­ti­mis­mus um sich. Net­to 40% der Fonds­ma­na­ger ge­hen von ei­nem An­zie­hen der glo­ba­len Kon­junk­tur aus. Ob­wohl sich die Angst vor ei­nem Sturz über die Fis­kal­k­lip­pe ein we­nig ab­ge­schwächt hat, ist die «Fis­cal Cliff» im­mer noch die gröss­te Sor­ge der In­ves­to­ren. Be­son­ders aus­ge­prägt war die Stim­mungs­ver­bes­se­rung ge­gen­über Chi­na. Als Fol­ge prä­fe­rie­ren die Fonds­ma­na­ger die Ak­ti­en­märk­te der Schwel­len­län­der.

Der Re­pu­bli­ka­ner John Bo­eh­ner ak­zep­tiert zu­sätz­li­che Ab­ga­ben für Bes­ser­ver­die­nen­de.

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