Zwei­fel an Ban­ken­uni­on

Ge­mäss Bun­des­bank be­wegt sich EZB ju­ris­tisch auf dün­nem Eis

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TOMMASO MANZIN

Ret­tungs­rou­ti­ne ist das Wort des Jah­res 2012 – nicht ganz zu­fäl­lig: Hilfs­pa­ke­te und Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­men wer­den in der Eu­ro­zo­ne am Fliess­band pro­du­ziert. Die En­de ver­gan­ge­ner Wo­che be­schlos­se­ne Ban­ken­uni­on sieht vor, dass die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) ab 2014 die Auf­sicht der gröss­ten 130 bis 150 Ban­ken der 17 Eu­ro­län­der über­nimmt. Da­zu­kom­men sol­len ein Mecha­nis­mus für die Ab­wick­lung der In­sti­tu­te und ei­ne ge­mein­sa­me Ein­la­gen­ver­si­che­rung. Der Wi­der­stand da­ge­gen ist vor al­lem in Deutsch­land gross.

Die Ju­ris­ten der Bun­des­bank ge­hen aber auch mit der zen­tra­li­sier­ten Auf­sicht hart ins Ge­richt: Es feh­le schlicht die recht­li­che Grund­la­ge. Für die Kri­ti­ker ist ge­mäss ei­nem «Spie­gel»-Ar­ti­kel nicht klar, ob der EZB-Rat nicht doch auch in der Auf­sicht das letz­te Wort ha­be.

Die EZB ver­weist auf An­fra­ge auf die Pres­se­kon­fe­renz ih­res Prä­si­den­ten Ma­rio Draghi vom 6. De­zem­ber. Er be­ton­te da­mals, der ju­ris­ti­sche Bei­rat der EZB «und auch die an­de­ren Tau­sen­de be­frag­ten An­wäl­te» er­ach­te­ten Ar­ti­kel 127.6 der EUVer­trä­ge als ei­ne an­ge­mes­se­ne Grund­la­ge für ei­ne ein­heit­li­che Auf­sicht. Das­sel­be be­ton­te Draghi am Mon­tag in der An­hö­rung im EU-Par­la­ment.

Na­tür­lich las­sen sich ju­ris­ti­sche Be­grif­fe so oder an­ders in­ter­pre­tie­ren. Die Fra­ge im Raum ist aber, ob sich die In­ter­pre­ta­ti­ons­ho­heit dau­ernd mit Zäh­nen und Klau­en auf der Ebe­ne der Re­gie­run­gen hal­ten lässt. Der un­ge­nü­gen­de Ein­be­zug des Par­la­ments wur­de vom deut­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Fall der Ver­trä­ge des eu­ro­päi­schen Ret­tungs­ve­hi­kels ESM be­reits ein­mal ge­rügt. Man kann sich des Ein­drucks kaum er­weh­ren: Die Par­la­men­te wer­den in der Eu­ro­kri­se ger­ne vor voll­ende­te Tat­sa­chen ge­stellt – oder vor die Al­ter­na­ti­ve, die Eu­ro­zo­ne ju­ris­tisch kor­rekt, aber hand­lungs­un­fä­hig in den Ab­grund stür­zen zu las­sen.

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