The show must go on

FAHRBERICHT Der Opel As­tra OPC ver­sucht, Ver­nunft und Un­ver­nunft un­ter ei­nen Hut zu brin­gen – Kur­ven­künst­ler dank High­tech-fahr­werk – Ab 44 900 Fr.

Finanz und Wirtschaft - - AUTOMOBIL - DAVE SCHNEI­DER

Wie lern­ten wir schon in der Fahr­schu­le: das Gas bei 2000 Tou­ren ein­pen­deln und lang­sam die Kupp­lung kom­men las­sen. Qualmt dann al­ler­dings beis­sen­der, nach Gum­mi stin­ken­der Rauch aus den Rad­käs­ten, wur­de ent­we­der der Dreh­zahl­mes­ser falsch in­ter­pre­tiert – oder es wirkt deut­lich zu viel Kraft auf die Rä­der.

Im neu­en Opel As­tra OPC kann dies durch­aus pas­sie­ren – 280 PS sind schliess­lich or­dent­lich Dampf an der Ket­te und theo­re­tisch zu viel für die Vor­der­rä­der. Dank in­tel­li­gen­ter Elek­tro­nik und aus­ge­klü­gel­ter Tech­nik lässt sich der Drei­tü­rer je­doch ganz zi­vi­li­siert fah­ren, wie er in un­se­rem Test un­ter Be­weis stell­te.

Es schreit nach Voll­gas

Scha­len­sit­ze, ein klei­nes, grif­fi­ges Lenk­rad, ge­loch­te Pe­da­le – die­ses Au­to schreit ge­ra­de­zu nach Voll­gas. Ein Druck auf die OPCTas­te, und der As­tra ver­liert auch das letz­te Quan­tum Kul­ti­viert­heit: Die Rund­in­stru­men­te leuch­ten dann in un­heil­ver­kün­den- dem Rot, die zwei tra­pez­för­mi­gen En­d­roh­re röh­ren noch un­ver­hoh­le­ner und herr­lich un­an­stän­dig, die Dämp­fer ver­lie­ren den ver­blie­be­nen Rest an An­stand, ge­ben je­de noch so klei­ne Une­ben­heit im Stras­sen­be­lag un­ge­dämpft an Ge­säss und Rü­cken wei­ter. Die Len­kung setzt in die­sem Mo­dus je­den Im­puls un­mit­tel­bar und Opel As­tra OPC Test­wa­gen­lie­fe­rant: ex­akt in Rich­tungs­än­de­run­gen um, das Feed­back über Rei­fen, Vo­lant und «Po­po­me­ter» ist un­ver­fälscht und auf­schluss­reich – ja, die­ses Au­to ist prä­des­ti­niert für die kom­pro­miss­lo­se Kur­ven­hatz.

Aber – und dies ist der ent­schei­den­de Punkt: Ich be­fin­de mich im Stras­sen­ver­kehr, mit an­de­ren Ver­kehrs­teil­neh­mern, ein­zu­hal­ten­den Tem­po­li­mits, oh­ne Sturz­räu­me; und das in ei­ner Zeit, in der schon vier Zy­lin­der min­des­tens ei­ner zu viel sind – zu­min­dest in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung. Und hier spal­tet der As­tra OPC mei­ne Mei­nung: Ei­ner­seits ist es gross­ar­tig, dass Opel wei­ter­hin den Mut auf­bringt, solch po­tent mo­to­ri­sier­te Fahr­zeu­ge auf den Markt zu brin­gen – be­son­ders, weil die Mar­ke noch im­mer schwer zu beis­sen hat. An­de­rer­seits sind über­mo­to­ri­sier­te, auf Sport­lich­keit ge­trimm­te Kom­pakt­wa­gen im Stras­sen­ver­kehr un­nütz und un­nö­tig – zu­min­dest nüch­tern be­trach­tet.

Die Opel-Ent­wick­ler müs­sen den glei­chen Zwie­spalt emp­fun­den ha­ben, denn et­was un­ter­halb der spas­si­gen OPC-Tas­te und der für den et­was bra­ve­ren Sport-Mo­dus ist ei­ne wei­te­re mit der Auf­schrift «Eco», die das se­ri­en­mäs­si­ge Stopp-Start- Sys­tem re­gelt. Schi­zo­phren? Nicht un­be­dingt. Doch dass die­se sich auch im OPCMo­dus ak­ti­vie­ren lässt, zeigt deut­lich, dass die­ses Au­to eben doch für den Stras­sen­ver­kehr und nicht für die Renn­stre­cke ent­wi­ckelt wur­de – dort ist ein Stopp-Start­Sys­tem, das den auf­wär­men­den oder aus­küh­len­den Mo­tor ab­würgt, un­er­wünscht.

Gran­di­os – oder un­sin­nig?

Ich fah­re aus der Stadt auf ei­ne kur­vi­ge Land­stras­se. Wenn der As­tra OPC schon nicht ide­al für den Stadt­ver­kehr und nicht für den Rund­kurs ge­macht ist, so fin­de ich viel­leicht hier sein Ter­ri­to­ri­um. Der Ver­kehr lich­tet sich, ich ha­be Platz für ei­nen Be­schleu­ni­gungs­test. Den klas­si­schen Spurt von 0 auf 100 km/h ab­sol­viert der Kom­pakt­wa­gen ge­mäss Her­stel­ler in be­acht­li­chen 6 s, doch er­staun­li­cher­wei­se zerrt es kaum an der Len­kung, wäh­rend 280-Tur­bo-PS die Vor­der­rä­der vor­an­peit­schen. Dank Trak­ti­ons­kon­trol­le und ei­nem aus­ge­klü­gel­ten Fahr­werk mit me­cha­ni­schem La­mel­len-Sperr­dif­fe­ren­zi­al an der Vor­der­ach­se ver­langt der Top-As­tra nicht mehr vom Fah­rer ab als das Ein­stiegs-Die­sel­mo- dell. Mit aus­ge­schal­te­tem ESP hin­ge­gen schar­ren die Gum­mis gna­den­los über den As­phalt und dro­hen sich, wie ein­gangs er­wähnt, lang­sam in Rauch auf­zu­lö­sen.

Es ist gran­di­os, wie ex­akt und leicht­füs­sig der As­tra OPC durch schnell ge­fah­re­ne Kur­ven jagt – und wie ein­fach er sich am Grenz­be­reich be­we­gen lässt. Der di­rekt ein­sprit­zen­de, tur­bo­ge­la­de­ne 2-l-Vier­zy­lin­der-Ben­zi­ner ist ei­ne Wucht, das ad­ap­ti­ve Fahr­werk und die Brem­bo-Brems­an­la­ge sind es eben­falls. Kur­ve um Kur­ve wird das Grin­sen im Ge­sicht grös­ser, die Fahr­freu­de lässt die Ge­dan­ken über den mit 10,5 l/100 km zu ho­hen Ver­brauch ver­ges­sen. Der As­tra OPC ist ei­ne rei­ne Fahr­spass­ma­schi­ne – so viel ist klar.

Was al­so soll ich von die­sem laut röh­ren­den, po­li­tisch un­kor­rek­ten, für die Stras­se zu star­ken und für die Renn­stre­cke zu zi­vi­li­sier­ten Fahr­zeug hal­ten? Nach zwei Wo­chen dar­in ist mir klar, dass es sol­che Au­tos eben doch braucht – ganz ein­fach des­halb, weil oh­ne sol­che Fahr­zeu­ge die Lei­den­schaft am Au­to­mo­bil im heu­ti­gen Um­feld aus­zu­ster­ben droht. Für al­le, die ein sol­ches Fahr­zeug wol­len, ist der Opel As­tra OPC ei­ne fei­ne Wahl.

Rie­si­ge Rä­der, tie­fes Fahr­werk, gros­ser Spoi­ler: Der Opel As­tra OPC macht kei­nen Hehl aus sei­ner Po­tenz. Le­der­be­zo­ge­ne Scha­len­sit­ze und über­sicht­li­che Rund­in­stru­men­te sor­gen im In­nen­raum für ein sehr sport­li­ches Am­bi­en­te.

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