Ei­ne ex­klu­si­ve, aber un­nö­ti­ge Mo­dell­va­ri­an­te

FAHRBERICHT Der Le­xus GS 350 AWD wird in We­st­eu­ro­pa nur in der Schweiz an­ge­bo­ten – Sechs­zy­lin­der-ben­zi­ner und All­rad­an­trieb – Ein­stiegs­ver­si­on ab 80 800 Fr.

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Die Schweiz ist ein ei­gen­tüm­li­ches Autoland. Der An­teil stark mo­to­ri­sier­ter Fahr­zeu­ge ist aus­ser­ge­wöhn­lich hoch, im Ver­gleich zum be­nach­bar­ten Aus­land wird be­son­ders gern die Top­va­ri­an­te ge­kauft und über­dies noch deut­lich mehr Geld in Zu­satz­aus­stat­tung ge­steckt. Der An­teil an Die­sel­mo­to­ren fällt mit rund ei­nem Drit­tel enorm tief aus – da­für weist die Schweiz in Eu­ro­pa ei­nen Spit­zen­wert bei All­rad­fahr­zeu­gen aus: Je­der drit­te Neu­wa­gen ist hier­zu­lan­de ein «Vier­mal­vier».

So kommt es, dass im glo­bal be­trach­tet un­be­deu­tend klei­nen Schwei­zer Markt im­mer wie­der ex­klu­si­ve Mo­dell­ver­sio­nen an­ge­bo­ten wer­den. Wie der Le­xus GS 350 AWD: To­yo­tas No­bel-Toch­ter bie­tet die­se Va­ri­an­te mit V6-Ben­zi­ner und All­radan- trieb in den USA, in Ja­pan und in Russ­land an – und in We­st­eu­ro­pa ex­klu­siv auf dem hie­si­gen Markt. Wie un­ser Fahrbericht zeigt, darf sich die Schwei­zer Kund­schaft dar­über glück­lich schät­zen – auch wenn es die­se Al­ter­na­ti­ve gar nicht braucht.

Deut­lich auf­ge­holt

Der Le­xus GS hat ei­nen gros­sen Wan­del durch­lebt. Bis zur drit­ten Mo­dell­ge­ne­ra­ti­on (2005 bis 2012) war der GS klar auf den ame­ri­ka­ni­schen und den ja­pa­ni­schen Markt aus­ge­rich­tet; da­durch liess die Li­mou­si­ne der ge­ho­be­nen Mit­tel­klas­se für un­ser Emp­fin­den stets et­was Stil und Ele­ganz ver­mis­sen. Auch die Be­nut­zer­freund­lich­keit und die Fahr­dy­na­mik lit­ten dar­un­ter.

Tem­pi pas­sa­ti. Die neue, vier­te Mo­dell­ge­ne­ra­ti­on wur­de ganz dem welt­weit vor­herr­schen­den Ge­schmack im Pre­mi­um­be­reich aus­ge­rich­tet, und der ist, ab­lei­tend von den Stück­zah­len, eu­ro­pä­isch; oder, ge­nau­er, deutsch. Das De­sign ist mar­kant, mo­dern und auf­fal­lend sport­lich. Der In­nen­raum er­strahlt nun in zeit­ge­mäs­ser Ele­ganz: Die ver­al­te­te Schalt­ku­lis­se für das Au­to­ma­tik­ge­trie­be ist ver­schwun­den, die un­zäh­li­gen Schal­ter und Tas­ten sind ei­nem (nicht ganz un­pro­ble­ma­ti­schen) Be­dien­sys­tem mit ei­ner Art Com­pu­ter­maus ge­wi­chen. Nur das Steu­e­r­ele­ment für die Kli­ma­an­la­ge kann noch nicht ganz mit der Stil­si­cher­heit deut­scher Pre­mi­um­fahr­zeu­ge mit­hal­ten. Die Ver­ar­bei­tung hin­ge­gen ist ein- wand­frei, ge­nau­so wie die Qua­li­tät der Ma­te­ria­li­en – doch schliess­lich steht ein Le­xus auch im Preis der deut­schen Kon­kur­renz in nichts nach.

Der Le­xus GS wird im rest­li­chen We­st­eu­ro­pa ent­we­der als güns­ti­ge Ein­stiegs­ver­si­on GS 250 mit 2,5-l-V6-Ben­zin­mo­tor oder als spar­sa­mes (und tren­di­ges) Hy­brid­mo­dell GS 450 h an­ge­bo­ten. Der von uns ge­fah­re­ne GS 350 AWD in der teu­ers­ten Aus­stat­tungs­va­ri­an­te Ex­cel­lence tanzt dem­nach aus der Rei­he: Sein 3,5-l-V6Ben­zi­ner ist mit ei­nem ge­mes­se­nen Ver­brauch von über 13 l/100 km al­les an­de­re als spar­sam – nicht um­sonst wur­de das Mo­dell hier­zu­lan­de in die schlech­tes­te Ener­gie­ef­fi­zi­enz­ka­te­go­rie G ein­ge­stuft. Und der Kauf­preis ab 101 300 Fr. ist be-

Le­xus GS 350 AWD

Test­wa­gen­lie­fe­rant: stimmt nicht güns­tig. Im­mer­hin – zu die­sem stol­zen Kauf­preis bie­tet das Fahr­zeug ei­ne Men­ge: Die se­ri­en­mäs­si­ge Aus­stat­tung bie­tet al­les, was das Herz be­gehrt.

Span­nend, aber …

Der V6 (233 kW/317 PS; 378 Nm bei 4800 U/ min) über­zeugt – wenn man vom ho­hen Ver­brauch ab­sieht. Der Sechs­zy­lin­der klingt wun­der­bar ker­nig und stets sehr prä­sent, so­wohl lo­cker crui­send im tief­tou­rigen Be­reich als auch un­ter Voll­last kurz vor dem Dreh­zahl­be­gren­zer. In 6,3 s be­schleu­nigt der All­rad­ler von 0 auf 100 km/h – das ist ein kon­kur­renz­fä­hi­ger Wert. Die Höchst­ge­schwin­dig­keit of­fen­bart in­des, dass der GS 350 AWD nicht für We­st­eu­ro­pa kon­stru­iert wur­de: Bei 190 km/h wird dem Vor­trieb elek­tro­nisch Ein­halt ge­bo­ten; der GS 250 schafft trotz deut­lich we­ni­ger Po­wer 225 km/h, der GS 450 h darf gar bis 250 km/h spur­ten.

Dank per­ma­nen­tem All­rad­an­trieb bie­tet der GS 350 ein si­che­res, kom­fort­be­ton­tes Fahr­ver­hal­ten, doch auch die Dy­na­mik kommt nicht zu kurz. Ziel­ge­nau lenkt der Ja­pa­ner ein, oh­ne sich von un­ge­woll­ten Wank­be­we­gun­gen aus der Ru­he brin­gen zu las­sen – die­se Fahr­dy­na­mik war man frü­her von Le­xus nicht ge­wohnt.

Der Le­xus GS 350 AWD ist durch­aus ein span­nen­des Fahr­zeug, das kaum Wün­sche of­fen lässt. Den­noch spricht nur we­nig für die­se Mo­dell­va­ri­an­te: Das deut­lich spar­sa­me­re, stär­ke­re, schnel­le­re und eben­falls all­rad­ge­trie­be­ne Hy­brid­mo­dell GS 450 h kos­tet bei glei­cher Aus­stat­tung le­dig­lich 1600 Fr. mehr – da soll­ten selbst Hy­bri­dSkep­ti­ker gut über­le­gen, ob sich ein Kauf des GS 350 AWD lohnt.

Der Le­xus GS 350 AWD ist mi­nim güns­ti­ger als die Hy­bridver­si­on; ab­ge­se­hen da­von wird er vom GS 450 h in je­der Be­zie­hung über­trumpft.

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