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Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Wie­der setzt es Schel­te für die UBS ab. Wie­der be­män­geln die Be­hör­den die in­ter­nen Kon­trol­len. Wie­der sieht sich der Chef der gröss­ten Schwei­zer Bank zu ei­ner öf­fent­li­chen De­muts­ges­te ver­an­lasst: Als in­ak­zep­ta­bel be­zeich­net CEO Ser­gio Er­mot­ti das Ver­hal­ten der Mit­ar­bei­ter bei der Fest­set­zung des Re­fe­renz­zin­ses Li­bor. Und selbst­ver­ständ­lich be­dau­ert er auch «zu­tiefst», was ge­sche­hen ist. Dass sich die in­zwi­schen ge­schass­ten Zins­fäl­scher – und ih­re Vor­ge­setz­ten – ak­zep­ta­bel ver­hal­ten hät­ten, be­haup­tet nun ja auch wirk­lich nie­mand. Ka­der­mit­glie­der der UBS ha­ben wäh­rend der Fi­nanz­kri­se so­gar Be­fehl er­teilt, die täg­li­chen Zins­ein­ga­ben zu zin­ken, um die Bank bes­ser aus­se­hen zu las­sen. Mit­wis­ser gab es vie­le – bis weit oben im Ma­nage­ment. Die Kri­tik trifft aber nicht die ak­tu­el­le Füh­rung und nicht Er­mot­ti per­sön­lich, son­dern sei­ne Vor­gän­ger. Selbst der ge­stren­ge Os­wald Gr­ü­bel, der bis zum Ado­bo­li-Skan­dal die UBS lenk­te, ver­säum­te es, den Au­gi­as­stall in der In­vest­ment­bank aus­zu­mis­ten. Bis heu­te scheint zur Kul­tur der Ban­ker­gil­de zu ge­hö­ren, dass man un­ge­straft schum­meln darf. Erst wenn die Ver­lus­te es­ka­lie­ren oder wenn die Auf­sicht wie im Li­bor-Skan­dal Wind von den Über­tre­tun­gen be­kommt, ist Schluss.

Die UBS will nun ers­tens ih­re In­vest­ment­bank auf das nö­ti­ge Mi­ni­mum zu­rück­s­tut­zen. Als will­kom­me­ner Ne­ben­ef­fekt re­du­ziert das au­to­ma­tisch die Com­p­li­an­ce-Ri­si­ken. Dar­über hin­aus muss die Bank­lei­tung zwei­tens die be­reits laut ver­kün­de­te Null­to­le­ranz für un­an­ge­mes­se­nes Ver­hal­ten in die Pra­xis um­set­zen. Das ist leich­ter ge­sagt als ge­tan. Den Ver­hal­tens­ko­dex für die Mit­ar­bei­ter mit ethi­schen Stan­dards zu be­stü­cken, ge­nügt nicht. Die schö­nen Wor­te kann sich Er­mot­ti spa­ren, wenn er nicht – drit­tens – auch die fi­nan­zi­el­len An­rei­ze an­ders setzt: Es muss sich für UBS-Ban­ker loh­nen, ei­ne gu­te, sau­be­re Di­enst­leis­tung für die Kun­den zu er­brin­gen, statt in die ei­ge­ne Ta­sche zu wirt­schaf­ten.

Re­dak­tor zum The­ma Li­bor-Skan­dal der UBS

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