Lu­xus­bran­che hofft auf Weih­nachts­ge­schenk

USA Ame­ri­kas Edel­wa­ren­häu­ser war­ten noch auf den gros­sen An­sturm – Schluss­pha­se wird für das Fest­tags­ge­schäft im­mer wich­ti­ger – Nord­strom ist am Puls der Zeit

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - CHRIS­TOPH GISIGER,

Die ame­ri­ka­ni­schen Ein­zel­händ­ler sind im End­spurt des Weih­nachts­ver­kaufs. Das gilt be­son­ders für die Lu­xus­bran­che in der Shop­ping­me­tro­po­le New York, wo sich Edel­häu­ser wie Bar­neys, Bloo­m­ing­da­le’s, Nord­strom oder Saks mit den opu­len­tes­ten Fest­de­ko­ra­tio­nen ge­gen­sei­tig über­bie­ten. Nach­dem der gros­se Um­satz­schub bis­her je­doch aus­ge­blie­ben ist, hof­fen sie nun um­so mehr, dass die Kas­sen in den letz­ten St­un­den vor dem Fest noch so rich­tig klin­geln.

«Un­ser Ge­schäft ist wie das Show­busi­ness. Wir öff­nen Tag für Tag un­se­re To­re und ge­hen auf die Büh­ne», sagt Tay­lor Pie­dra. Als Con­cier­ge im Lu­xusmo­de­haus Bar­neys hilft er der Kli­en­tel, nicht nur ex­klu­si­ve Hau­te Cou­ture zu fin­den, son­dern auch Ti­ckets für die Oper, die Li­mou­si­ne zum Flug­ha­fen und an­de­re Be­gehr­lich­kei­ten. «So­lan­ge es mo­ra­lisch ver­tret­bar und le­gal ist, ma­chen wir es», grinst er. Der Weih­nachts­auf­tritt von Bar­neys zählt zu den Glanz­punk­ten der Shop­ping­sai­son. Das hat sich un­ter der Kon­trol­le des Hedge Fund Per­ry Ca­pi­tal nicht ge­än­dert, der den Ein­kaufs­tem­pel der Su­per­la­ti­ve im Früh­jahr über­nom­men hat. «Die Leu­te ste­hen Schlan­ge, um die Schau­fens­ter zu be­wun­dern», sagt Pie­dra mit Stolz.

In der Chef­eta­ge von Bar­neys kommt al­ler­dings noch kei­ne über­schwäng­li­che Fest­tags­lau­ne auf. «Der Ver­kauf läuft gut, aber nicht spit­zen­mäs­sig», meint Ke­vin Dy­son, der die Haupt­fi­lia­le von Bar­neys an der Ma­di­son Ave­nue in Man­hat­tan lei­tet. Die No­bel­ge­gend, wo das Trot­toir stets wie frisch ge­saugt aus­sieht und die Da­men auch an die­sem wol­ken­ver­han­ge­nen Win­ter­nach­mit­tag gros­se Son­nen­glä­ser tra­gen, ist das Gra­vi­ta­ti­ons­zen­trum der New Yor­ker Lu­xus­bran­che. 165 000 bis 250 000 $ be­trägt hier nur schon das Durch­schnitts­ein­kom­men, be­rich­tet Mat­t­hew Bau­er vom Quar­tier­för­de­rungs­ver­band. Je­der Top­de­si­gner will des­halb Prä­senz mar­kie­ren. Ralph Lau­ren et­wa hat mit­ten in der Wirt­schafts­kri­se ei­ne Fi­lia­le im Stil ei­nes fran­zö­si­schen Cha­teaus ge­baut, und Micha­el Kors hat die­ses Jahr be­reits das drit­te Ge­schäft im Um­kreis we­ni­ger Stras­sen­blocks er­öff­net. Selbst Nes­pres­so ist mit ei­ner Kaf­fee­bou­tique vor Ort.

Wie ein Ge­mäl­de von Brue­gel

Ex­klu­si­vi­tät heisst das Mot­to eben­so am Stamm­sitz von Bloo­m­ing­da­le’s we­ni­ge hun­dert Me­ter wei­ter an der Lex­ing­ton

Wachs­tum im Lu­xus-Ein­zel­han­del Ave­nue. Das Tra­di­ti­ons­kauf­haus mit dem cha­rak­te­ris­ti­schen Schach­brett­bo­den ge­hört zur Ma­cy’s-Grup­pe und ist ein Fix­punkt der US-Lu­xus­bran­che. Wie im­mer lie­gen Schu­he, Hand­ta­schen und Schmuck auch die­se Sai­son be­son­ders im Trend, hält Un­ter­neh­mens­lei­ter Micha­el Gould fest. «Wir bie­ten un­se­ren Kun­den ei­ne Am­bi­an­ce wie in Pie­ter Brue­gels Hoch­zeits­sze­ne», fügt er hin­zu. Er spielt da­mit

Um­satz mit Schmuck auf das Werk des flä­mi­schen Re­nais­sance­Ma­lers an, das ein leb­haf­tes Fest mit aus­gie­bi­gem Ban­kett und zahl­rei­chen Be­diens­te­ten dar­stellt. Was das dies­jäh­ri­ge Weih­nachts­ge­schäft an­geht, ist auch Gould vor­sich­tig op­ti­mis­tisch: «Im­mer mehr Kun­den war­ten mit ih­ren Ein­käu­fen bis kurz vor den Fei­er­ta­gen zu. Auch ge­winnt das Ge­schäft un­mit­tel­bar da­nach zu­se­hends an Be­deu­tung.»

Nord­strom

Wie die Schluss­bi­lanz der dies­jäh­ri­gen Weih­nachts­sai­son aus­fällt, ent­schei­det sich des­halb erst. Schon 2011 er­wirt­schaf­te­te der ame­ri­ka­ni­sche Ein­zel­han­del al­lein in den letz­ten zehn Ta­gen vor Weih­nach­ten fast 150 Mrd. $ Um­satz, was knapp ei­nem Vier­tel der Ge­samt­ein­nah­men wäh­rend der Fest­tags­sai­son ent­sprach. «Die­se Kon­zen­tra­ti­on auf die Schluss­pha­se ist noch aus­ge­präg­ter in der Lu­xus­bran­che», er­klärt Micha­el McNa­ma­ra vom Markt­for­schungs­arm des Kre­dit­kar­ten­kon­zerns Mas­ter­Card. Ge­mäss sei­nen Da­ten ha­ben die Ein­nah­men im Topseg­ment seit An­fang Jahr knapp 6% zu­ge­nom­men, wo­mit sich Wachs­tum im Ver­gleich zum Vor­jahr leicht ab­ge­schwächt hat (vgl. Gra­fik 1). Ent­spre­chend hofft die Bran­che nun auf ei­nen kräf­ti­gen Schluss­an­sturm, zu­mal heu­er we­gen der Ka­len­der­stel­lung zwi­schen Thanks­gi­ving und Weih­nach­ten ein zu­sätz­li­ches Wo­che­n­en­de für Ein­kau­fe bleibt.

Bud­get­streit trübt Aus­blick

Auch im kom­men­den Jahr wird die USLu­xus­bran­che ge­for­dert blei­ben. Der po­li­ti­sche Show­down in Washington um die Staats­fi­nan­zen sorgt für wach­sen­de Ve­r­un­si­che­rung. «Die Steu­ern für die obers­ten Ein­kom­mens­klas­sen wer­den so oder so stei­gen, gleich­gül­tig, was nun im Ein­zel­nen be­schlos­sen wird», ist sich Bran­chen­ex­per­te Ro­bin Le­wis si­cher. Das wer­de be­son­ders das Kon­sum­ver­hal­ten der­je­ni­gen Kun­den brem­sen, die in jün­ge­rer Zeit zu Geld ge­kom­men sei­en, denkt er. «Auch wenn sich die Wirt­schaft wei­ter­hin gra­du­ell er­holt, heisst das da­her nicht, dass es im Lu­xus­seg­ment bald wie­der so boomt wie vor der Re­zes­si­on», meint er. Die mo­nat­li­chen Ver­kaufs­zah­len im Han­del mit Schmuck zum Bei­spiel be­we­gen sich noch im­mer un­ter dem Re­kord­ni­veau vom Win­ter 2007/08 (vgl. Gra­fik 2).

In­ves­to­ren soll­ten des­halb mit Ak­ti­en­en­ga­ge­ments wäh­le­risch vor­ge­hen. Das Edel­wa­ren­kauf­haus Nord­strom et­wa hat mit Trend­mar­ken wie Fox Bro­thers den Puls der Zeit gut er­fasst und sich er­folg­reich an die wach­sen­de Be­deu­tung des In­ter­net­ver­kaufs an­ge­passt. Der Ju­we­lier­kon­zern Tif­fa­ny hin­ge­gen sorg­te die­ses Jahr be­reits mehr­fach für un­er­freu­li­che Über­ra­schun­gen, was die Ti­tel seit An­fang Jahr mehr als 10% ver­lie­ren liess. Auf­fäl­lig ist wei­ter, dass Lu­xus­ein­zel­händ­ler wie Saks und Bloo­m­ing­da­le’s kaum noch neue Fi­lia­len mit Voll­sor­ti­ment in den USA er­öff­nen. Sie set­zen da­für auf Out­lets mit ver­güns­tig­tem An­ge­bot. Im­mer öf­ter span­nen zu­dem Edel­häu­ser wie De­rek Lam oder Nei­man Mar­cus mit Mas­sen­an­bie­tern wie Kohl’s und Tar­get zu­sam­men. Das ist eben­falls ein Be­leg da­für, dass die Lu­xus­bran­che das Wachs­tum ver­mehrt im brei­ten Pu­bli­kum sucht. Die­se Stra­te­gie ist je­doch nicht oh­ne Ri­si­ko, sind dort die Mar­gen doch we­sent­lich en­ger, und die Ex­klu­si­vi­tät droht ver­wäs­sert zu wer­den.

Ein­kau­fen bis zur Er­schöp­fung: Im New Yor­ker Lu­xus­tem­pel Bloo­m­ing­da­le’s ge­hö­ren die brau­nen Ein­kaufs­ta­schen zum Mar­ken­auf­tritt.

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