Die Jagd auf UBS hat erst be­gon­nen

SCHWEIZ 2013 könn­te das Jahr der Ge­richts­fäl­le wer­den – Un­mit­tel­bar kaum Auf­wärts­po­ten­zi­al der Ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - MO­NI­CA HEGG­LIN

Die UBS wird 2012 mit ei­nem Jah­res­ver­lust von 2,9 bis 3,4 Mrd. Fr. ab­schlies­sen. Nach der re­kord­ho­hen Bus­se we­gen Li­bor-Ma­ni­pu­la­tio­nen dro­hen Zi­vil­kla­gen oh­ne En­de und ein ver­schärf­tes Glaub­wür­dig­keits­pro­blem. Wenn UBS an der Ma­ni­pu­la­ti­on ge­won­nen hat, hat ein an­de­rer ver­lo­ren. Das ist zwar all­zu ver­ein­facht, aber den­noch die neue Aus­gangs­la­ge. Denn die Bank ak­zep­tier­te die­se Wo­che die Zah­lung ei­ner Geld­bus­se und Ge­winn­her­aus­ga­be von 1,4 Mrd. Fr. an US-, bri­ti­sche und Schwei­zer Be­hör­den (1,2 Mrd. $ für die Ame­ri­ka­ner, 260 Mio. $ für die Bri­ten, 59 Mio. Fr, für den Bund). Da­mit be­en­det UBS die Li­borUn­ter­su­chun­gen der wich­tigs­ten Re­gu­la­to­ren. Mit Hong­kong soll ei­ne Ei­ni­gung be­vor­ste­hen. Im Fall von UBS Ja­pan muss­te die Gross­bank gar we­gen Be­trugs durch Miss­brauch elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on auf schul­dig plä­die­ren.

Die Jagd auf UBS hat da­mit erst rich­tig be­gon­nen. Es sind Mas­sen von Kla­gen zu be­fürch­ten (vgl. Box). Zu den wich­tigs­ten po­ten­zi­ell Ge­schä­dig­ten ge­hö­ren die bei­den staat­li­chen US-Hy­po­the­ken­fi­nan­zie­rer Fan­nie Mae and Fred­die Mac. Ih­re ver­an­schlag­ten Ein­nah­men­ver­lus­te sol­len sich auf über 3 Mrd. $ be­lau­fen. Dass die bei­den In­sti­tu­te selbst gro­be Miss­wirt­schaft be­trie­ben, macht ei­ne Kla­ge nur wahr­schein­li­cher. Da ist es un­er­heb­lich, ob die gan­ze Wahr­heit über die Ma­ni­pu­la­ti­on des Li­bor und den ef­fek­ti­ven Nut­zen für die UBS je­mals eru­iert wer­den kann.

6-Mrd.-Fr.-Lü­cke

Die Bank rech­net mit ei­nem Ver­lust im vier­ten Quar­tal zwi­schen 2 und 2,5 Mrd. Fr. Grün­de da­für sind ers­tens Rück­stel­lun­gen für Rechts­fäl­le und re­gu­la­to­ri­sche An­ge­le­gen­hei­ten von 2,1 Mrd. Fr. Sie be­tref­fen die er­wähn­ten Li­bor-Ver­glei­che, Kla­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Ver­kauf von ver­brief­ten Wohn­hy­po­the­ken in den USA und an­de­re The­men. Zwei­tens schla­gen die En­de Ok­to­ber an­ge­kün­dig­ten Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten der In­vest­ment Bank mit 500 Mio. Fr. zu Bu­che. Drit­tens wird ein Ver­lust von 400 Mio. Fr. aus der Neu­be­wer­tung ei­ge­ner Ver­bind­lich­kei­ten er­war­tet. Je­den­falls ist 2012 zah­len­mäs­sig ein Jahr zum Ver­ges­sen.

In den ers­ten neun Mo­na­ten re­sul­tier­te be­reits ein Ver­lust von über 900 Mio. Fr. Schuld da­ran wa­ren Good­wil­l­ab­schrei­bun­gen, die auf­grund der Schlies­sung ge­wis­ser Ak­ti­vi­tä­ten der In­vest­ment Bank nö­tig ge­wor­den wa­ren. Da­zu ka­men Be­las­tun­gen aus der Neu­be­wer­tung von Fi­nanz­schul­den. Zu­sam­men mit den Be­las­tun­gen im vier­ten Quar­tal er­gibt sich ein Mi­nus von 2,9 bis 3,4 Mrd. Fr. für das Ge­samt­jahr 2012. Der Tag, an dem die UBS in der Schweiz wie­der Ge­winn­steu­ern zahlt, ist da­mit noch wei­ter in die Fer­ne ge­rückt. Die UBS wird ih­re Bus­se wohl teil­wei­se von der Steu­er ab­set­zen kön­nen.

«Auf be­rei­nig­ter Ba­sis er­war­ten wir ei­nen Vor­steu­er­ge­winn in der Grös­sen­ord­nung von 2,5 bis 3 Mrd. Fr. für 2012», schreibt die UBS. Die Dif­fe­renz – rund 6 Mrd. Fr. – ist der Un­ter­schied zwi­schen dem, was die UBS sein möch­te, und dem, was sie ist. Axel We­ber sprach das Pro­blem an. «Un­se­re Glaub­wür­dig­keit ge­gen­über Kun­den, In­ves­to­ren und Mit­ar­bei­ten­den ist von zen­tra­ler Be­deu­tung», sag­te der Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent ge­mäss Me­di­en­mit­tei­lung. Dass die Bank er­neut or­ga­ni­sa­to­ri­sche und Kon­troll­män­gel zu­ge­ben muss, un­ter­gräbt das Ver­trau­en, auch wenn das am­tie­ren­de Ma­nage­ment kei­ne Schuld trägt. Der Vor­fall un­ter­streicht die Not­wen­dig­keit, die Ri­si­ken im In­vest­ment Ban­king kon­se­quent ab­zu­bau­en.

Bei den Kun­den hat die Ge­schich­te kei­ne Kri­se aus­ge­löst. «Im We­alt­hMa­nage­ment-Ge­schäft von UBS wird im vier­ten Quar­tal ein po­si­ti­ves Net­to­neu­geld­wachs­tum er­war­tet», schreibt die Bank, was auf ei­nen be­schei­de­nen Zuf­luss hin­deu­tet. Die Ka­pi­tal­sei­te, ei­ne wei­te­re wich­ti­ge Grös­se, konn­te dank des for­cier­ten Ab­baus der ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven sta­bil ge­hal­ten wer­den. Die Kern­ka­pi­tal­quo­te blieb un­ge­fähr auf dem Stand von En­de des drit­ten Quar­tals von 9,3%.

Auf die­ser Ba­sis könn­te es aber kühn sein, mit ei­ner Di­vi­den­den­er­hö­hung der UBS zu rech­nen, wie das die meis­ten Ana­lys­ten tun. Die FuW er­war­tet für 2012 ei­ne gleich­blei­ben­de Di­vi­den­de von 10 Rap-

Ak­ti­en­sta­tis­tik pen. Die Ana­lys­ten ha­ben er­staun­li­cher­wei­se kaum auf die Li­bor-Bus­se re­agiert. Das liegt da­ran, dass die kon­kre­ten Pro­gno­sen für 2013 und da­nach von der An­ge­le­gen­heit nicht be­trof­fen sind.

Sieb­zehn Streit­fäl­le

Für das kom­men­de Jahr darf mit ei­nem Ge­winn von 2,5 Mrd. Fr. ge­rech­net wer­den (rund 70 Rp. je Ak­tie). Al­ler­dings nur, und das ist auch zu er­war­ten, wenn die ne­ga­ti­ven Ein­mal­ef­fek­te deut­lich ab­neh­men.

Die Ak­ti­en UBS hat­ten 2012 ei­nen sehr gu­ten Lauf. Län­ger­fris­tig liegt ei­ne sub­stan­zi­el­le Hö­her­be­wer­tung auf das 1,3oder 1,5-Fa­che des Buch­werts drin, wenn der Um­bau fi­nan­zi­ell Früch­te trägt. Kurz­fris­tig sind die Ti­tel aber satt be­wer­tet. Der Image­ge­winn dank des Stra­te­gie­wech­sels zum Ver­mö­gens­ver­wal­ter ist im Kurs ent­hal­ten. 2013 dürf­ten die kon­kre­te Um­set­zung des Pro­jekts und die Rechts­fäl­le für ei­nen we­ni­ger güns­ti­gen Nach­rich­ten­fluss sor­gen. Der Quar­tals­be­richt der UBS lis­tet sieb­zehn recht­li­che und re­gu­la­to­ri­sche Streit­fäl­le auf, dar­un­ter Kla­gen we­gen Li­bor und den Re­tro­zes­sio­nen.

Die Re­kord­bus­se in­fol­ge or­ga­ni­sa­to­ri­scher und Kon­troll­män­gel im Li­bor-Han­del ist ein gros­ser Rück­schlag für die UBS.

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