Fi­nanz­markt un­ter Druck

SCHWEIZ Die Schweiz will glo­ba­le Stan­dards über­neh­men – In­for­ma­ti­ons­aus­tausch wird The­ma

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - PE­TER MORF UND THO­MAS WYSS

Wie schon lan­ge an­ge­kün­digt hat der Bun­des­rat an sei­ner letz­ten Sit­zung im lau­fen­den Jahr den «Be­richt zur Fi­nanz­markt­po­li­tik des Bun­des» ver­ab­schie­det und pu­bli­ziert. Dar­in ent­hal­ten sind Mass­nah­men, mit de­nen die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Fi­nanz­plat­zes Schweiz ge­stärkt und Miss­bräu­che ge­ziel­ter be­kämpft wer­den sol­len. «Sämt­li­che im Be­richt skiz­zier­ten Mass­nah­men zie­len dar­auf ab, die Qua­li­tät, Sta­bi­li­tät und In­te­gri­tät des Fi­nanz­plat­zes zu er­hal­ten und zu ver­bes­sern», schreibt das Fi­nanz­de­par­te­ment da­zu.

Die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung der Schwei­zer Fi­nanz­markt­po­li­tik be­ru­he dar­auf, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu stär­ken, die Be­kämp­fung der Fi­nanz­kri­mi­na­li­tät und der An­la­ge un­ver­steu­er­ter Ver­mö­gens­wer­te in der Schweiz zu in­ten­si­vie­ren, mit wei­te­ren Län­dern in­ter­na­tio­na­le Qu­el­len­steu­er­ab­kom­men ab­zu­schlies­sen und die stan­dard­kon­for­me Amts- und Rechts­hil­fe recht­lich zu ver­an­kern.

Miss­bräu­che be­kämp­fen

Be­tref­fend die Miss­brauchs­be­kämp­fung im Geld­wä­sche­rei- und im Steu­er­be­reich wird ei­ne zü­gi­ge Um­set­zung der re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Fi­nan­ci­al Ac­tion Task Force (FATF) an­ge­strebt. Schwe­re Steu­er­de­lik­te sol­len neu auch un­ter dem Ti­tel Geld­wä­sche­rei straf­bar sein. Fi­nanz­in­ter­me­diä­re sol­len bei Ver­dacht auf sol­che De­lik­te die Mel­de­stel­le für Geld­wä­sche­rei ein­schal­ten.

Als wir­kungs­vol­les und zu­kunfts­taug­li­ches Dis­po­si­tiv ge­gen Miss­bräu­che im Steu­er­be­reich wer­den in der Ge­samt­schau auch die Qu­el­len­steu­er­ab­kom­men, die Amts- und Rechts­hil­fe nach in­ter­na­tio­na­lem Stan­dard und die zu­sätz­li­chen Sorg­falts­pflich­ten ge­se­hen.

Zu­dem wird fest­ge­hal­ten, dass ei­ne glo­bal aus­ge­rich­te­te Fi­nanz­in­dus­trie glo­ba­le Stan­dards be­nö­tigt. Die Schweiz müs­se bei der Aus­ar­bei­tung die­ser Stan­dards ak­tiv mit­ma­chen und sie mit­ge­stal­ten. «Im All­ge­mei­nen sol­len glo­ba­le Stan­dards über­nom­men wer­den, so­fern wich­ti­ge po­li­ti­sche oder wirt­schaft­li­che Grün­de nicht da­ge­gen spre­chen», heisst es im Be­richt.

An ei­ner ei­nen Tag nach der Ver­öf­fent­li­chung des Be­richts ab­ge­hal­te­nen Pres­se­kon­fe­renz prä­zi­sier­te Fi­nanz­mi­nis­te­rin Eve­li­ne Wid­mer-Schlumpf die Aus­sa­ge zu den glo­ba­len Stan­dards. Ge­meint sind da­mit in ers­ter Li­nie Stan­dards der OECD, so­fern «sie nicht in Wi­der­spruch zur Bun­des­ver­fas­sung ste­hen». Er­gän­zend hielt sie fest, dass der «au­to­ma­ti­sche In­for­ma­ti­ons­aus­tausch kein in­ter­na­tio­na­ler Stan­dard» sei.

Des­sen un­ge­ach­tet mach­te sie klar, dass die Um­set­zung der ame­ri­ka­ni­schen Fatca in die­se Rich­tung füh­re. Fi­nanz­mi­nis­te­rin Wid­mer-Schlumpf hielt fest, dass das mit den USA An­fang De­zem­ber pa­ra­phier­te Ab­kom­men (vgl. FuW Nr. 96 vom 5. De­zem­ber) «nie­man­dem Freu­de macht», die Schweiz aber nicht dar­um her­um­ge­kom­men sei. Sie be­dau­er­te auch – zu Recht –, dass «die EU nicht als Gan­zes mit den USA über Fatca ver­han­delt» ha­be, son­dern je­des Land ein­zeln.

Die Fi­nanz­mi­nis­te­rin stell­te in al­ler Of­fen­heit fest, dass das Ab­kom­men mit den USA «ma­te­ri­ell den In­for­ma­ti­ons­aus­tausch» brin­ge, und zwar ein­sei­tig, nicht et­wa auf Re­zi­pro­zi­tät be­ru­hend. Das hat zu For­de­run­gen der EU ge­führt, die von der Schweiz gleich be­han­delt wer­den will. Ge­mäss Bun­des­rä­tin Wid­mer-Schlumpf muss die Schweiz mit der EU-Kom­mis­si­on nun den Dia­log dar­über auf­neh­men, wel­che In­for­ma­tio­nen wie aus­zu­tau­schen wä­ren. Im­mer­hin hielt sie fest, dass es in­ak­zep­ta­bel sei, dass die Schweiz je­weils al­le Bank­da­ten lie­fern wür­de.

Neue Di­men­si­on

Mit die­sen Äus­se­run­gen gibt die Fi­nanz­mi­nis­te­rin den De­bat­ten ei­ne neue Di­men­si­on. Bis­her wur­de von of­fi­zi­el­ler Sei­te stets ka­te­go­risch aus­ge­schlos­sen, dass der au­to­ma­ti­sche In­for­ma­ti­ons­aus­tausch für die Schweiz ei­ne ernst­zu­neh­men­de Op­ti­on sein könn­te. Der Druck des Fak­ti­schen, al­so die Um­set­zung von Fatca, scheint da­zu zu füh­ren, dass der In­for­ma­ti­ons­aus­tausch – ob­wohl er ei­ner Ab­gel­tungs­steu­er un­ter­le­gen ist – auch für die Schweiz zu ei­nem The­ma wird.

Da­mit stellt Wid­mer-Schlumpf auch das Mo­dell der Ab­gel­tungs­steu­er in Fra­ge, ob­wohl der Bun­des­rat in sei­nem Be­richt da­ran fest­hal­ten will. Die Fi­nanz­mi­nis­te­rin wies dar­auf hin, dass die Re­gu­la­ri­sie­rung un­ver­steu­er­ter Gel­der aus der Ver­gan­gen­heit nur über ei­ne Qu­el­len­steu­er mach­bar sei. Zur Be­hand­lung von Gel­dern, die in Zu­kunft auf Schwei­zer Ban­ken flies­sen, ste­he in­ter­na­tio­nal je­doch der In­for­ma­ti­ons­aus­tausch im Vor­der­grund. Es müs­se nun ab­ge­klärt wer­den, wel­che In­for­ma­tio­nen ge­eig­net sei­en, Steu­er­hin­ter­zie­hung und -be­trug zu ver­hin­dern. Zu­dem si­gna­li­sier­te die Fi­nanz­mi­nis­te­rin, die Schweiz sei «of­fen für ein Rah­men­ab­kom­men über die Qu­el­len­be­steue­rung mit der EU».

Et­li­che Me­di­en­ver­tre­ter wa­ren über­rascht, dass Fi­nanz­mi­nis­te­rin Wid­mer-Schlumpf den In­for­ma­ti­ons­aus­tausch nicht mehr aus­schliesst.

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