Nach­spiel im Fall Bi­ber

SCHWEIZ

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - UPI

Ein Käu­fer von heu­te wert­lo­sen Na­men­ak­ti­en des Pa­pier­her­stel­lers Bi­ber Hol­ding er­ziel­te im Streit mit der Cre­dit Suis­se vor Bun­des­ge­richt ei­nen Er­folg: Nicht der Bank­kun­de, son­dern die Cre­dit Suis­se muss be­wei­sen, dass die da­mals von ihr ver­kauf­ten Bi­ber-Ak­ti­en nicht aus Ei­gen­be­stän­den der Bank stam­men.

Im Ju­ni 1996 kauf­te ein lang­jäh­ri­ger Kun­de bei der da­ma­li­gen Schwei­ze­ri­schen Kre­dit­an­stalt (heu­te Cre­dit Suis­se) 4500 Na­men­ak­ti­en der Bi­ber Hol­ding für über 42 000 Fr. Im Ja­nu­ar 1997 muss­te die Ge­sell­schaft Kon­kurs an­mel­den; da­mit wa­ren die Bi­ber-Ak­ti­en wert­los. Der Bank­kun­de klag­te in der Fol­ge ge­gen die Cre­dit Suis­se auf Rück­zah­lung der 42 000 Fr. Er warf der Bank vor, seit Fe­bru­ar 1996 von den fi­nan­zi­el­len Pro­ble­men der Bi­ber Hol­ding ge­wusst und sein Ver­trau­en miss­braucht zu ha­ben, zu­mal die ihm ge­lie­fer­ten Ak­ti­en aus den Ei­gen­be­stän­den der Bank stamm­ten. So­wohl das Be­zirks­ge­richt Hin­wil als auch das Zürcher Ober­ge­richt wie­sen die Kla­ge ab.

Das Ober­ge­richt mein­te zwar, dass bei ei­nem Ver­kauf von Ak­ti­en der Bi­ber Hol­ding aus Ei­gen­be­stän­den der Bank von ei­ner Treu­wid­rig­keit der Cre­dit Suis­se und da­mit von ei­nem Ver­stoss ge­gen das Auf­trags­recht aus­zu­ge­hen sei. Das Ober­ge­richt be­fand aber, dass der Bank­kun­de den Be­weis nicht er­bracht hat­te, dass die ihm ge­lie­fer­ten Ak­ti­en aus den Ei­gen­be­stän­den der Bank stamm­ten.

Die­se Ar­gu­men­ta­ti­on liess das Bun­des­ge­richt nicht gel­ten. Auf der Wert­schrif­ten­ab­rech­nung hat­te sich näm­lich die Cre­dit Suis­se als «Selbst­kon­tra­hen­tin» be­zeich­net. Dies be­wei­se zwar laut Bun­des­ge­richt nicht, dass die Ak­ti­en aus Ei­gen­be­stän­den stamm­ten, schaf­fe aber die Ver­mu­tung, die Bank ha­be die Ak­ti­en nicht über die Bör­se er­wor­ben.

Da nur die Cre­dit Suis­se die­se Ver­mu­tung um­stür­zen und be­wei­sen kann, dass die Ak­ti­en nicht aus ei­ge­nen Be­stän­den stamm­ten, son­dern über die Bör­se ge­kauft wur­den, geht der Fall «zur Neu­be­ur­tei­lung un­ter Be­rück­sich­ti­gung der kor­rek­ten Be­weis­last­ver­tei­lung» ans Zürcher Ober­ge­richt zu­rück. Die Cre­dit Suis­se muss die Ge­richts­kos­ten von 2000 Fr. be­zah­len und dem Kun­den für das Ver­fah­ren in Lau­sanne 3000 Fr. über­wei­sen. Ur­teil 4a 295/2012 vom 21. No­vem­ber 2012.

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