Merck schei­tert mit Tre­dap­ti­ve

USA

Finanz und Wirtschaft - - GESUNDHEIT/KONSUM - DF GA

Seit län­ge­rem um­treibt die Phar­ma­bran­che die Hoff­nung, durch die Er­hö­hung des so­ge­nannt gu­ten Cho­le­ste­rins in der Prä­ven­ti­on von Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen bes­se­re Ef­fek­te zu er­zie­len als mit den her­kömm­li­chen, zur Sen­kung des Cho­le­ste­rin­spie­gels ein­ge­setz­ten Sta­ti­nen. Mit dem Ver­zicht auf ein US-Zu­las­sungs­ge­such für das Pro­dukt Tre­dap­ti­ve durch den US-Kon­zern Merck ha­ben die­se Be­mü­hun­gen aber ei­nen grös­se­ren Rück­schlag er­lit­ten.

Hin­ter­grund des Schei­terns ist der Um­stand, dass das in Kom­bi­na­ti­on mit Vit­amin B3 (Ni­a­c­in) ver­ab­reich­te Me­di­ka­ment Herz­in­fark­te, Schlag­an­fäl­le so­wie Ein­grif­fe zur Be­sei­ti­gung von Ar­te­ri­en­ver­stop­fun­gen und den Tod durch Herz-Kreis­lauf-Er- kran­kun­gen nicht bes­ser ver­hin­der­te als Sta­ti­ne. Der Wirk­stoff mit der wis­sen­schaft­li­chen Be­zeich­nung Lar­o­pi­prant, der nach­weis­lich Ge­sichts­rö­tun­gen, ei­nen be­kann­ten Ne­ben­ef­fekt von Ni­a­c­in, ver­hin­dert, war an über 25 000 Pa­ti­en­ten er­probt wor­den. Ana­lys­ten des US-Wert­schrif­ten­hau­ses San­ford C. Bern­stein hat­ten ihm ei­nen jähr­li­chen Um­satz von 1,1 Mrd. $ bis 2020 zu­ge­traut.

Durch den Miss­er­folg sind wei­te­re The­ra­pi­en in Fra­ge ge­stellt, die auf Ni­a­c­in zur Er­hö­hung des gu­ten Cho­le­ste­rins set­zen. Ab­bott La­bo­ra­to­ries er­wirt­schaf­tet mit ei­nem Me­di­ka­ment na­mens Nia­s­pan rund 900 Mio. $ pro Jahr. Die im Dow Jo­nes ent­hal­te­nen Merck-Ak­ti­en fie­len am Don­ners­tag 3,4% auf 42.16 $, wäh­rend Ab­bott knapp im Plus schlos­sen. Merck kommt zu­gu­te, un­ab­hän­gig von Tre­dap­ti­ve über ei­ne der bran­chen­weit bes­ten Pi­pe­lines zu ver­fü­gen. In­so­fern sind Kurs­rück­schlä­ge als Ein­stiegs­ge­le­gen­heit zu se­hen. Der Sport­fach­händ­ler In­ter­sport hat das Blatt in der zwei­ten Jah­res­hälf­te wie er­war­tet nicht mehr wen­den kön­nen. Der Ver­lust wei­te­te sich auf 3,3 Mio. Fr. aus. Im Vor­jahr hat­te die zu 91% von Ni­cho­las Ber­ry kon­trol­lier­te Ge­sell­schaft noch 1,6 Mio. Fr. Ge­winn aus­ge­wie­sen. Durch den Weg­fall von Son­der­kos­ten er­war­tet In­ter­sport im lau­fen­den Ge­schäfts­jahr (per 30. Sep­tem­ber) wie­der schwar­ze Zah­len.

Für den Um­satz­rück­gang um 16,3% auf noch 211,5 Mio. Fr. führt In­ter­sport meh­re­re Grün­de an. Ein spä­ter Win­ter­ein­bruch, das Aus­blei­ben von Tou­ris­ten und der Ein­kaufs­tou­ris­mus we­gen des star­ken Fran­kens be­ein­träch­tig­ten das Ge­schäft. Ein­zig im De­tail­han­del ge­lang ei­ne Stei­ge­rung, was sich in­zwi­schen we­gen der Ge­schäfts­auf­ga­be von Bud­get Sport aber be­reits ge­än­dert hat. Es re­sul­tier­ten 3,2 Mio. Fr. Be­triebs­ver­lust (nach 2,4 Mio. Fr. Ge­winn 2010/11). Dar­in ent­hal­ten sind Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten (0,9 Mio. Fr.) und Wert­be­rich­ti­gun­gen (1,1 Mio. Fr.). Die Ak­tio­nä­re müs­sen zum ers­ten Mal seit 2007 auf ei­ne Di­vi­den­de ver­zich­ten.

In­ter­sports Er­trags­la­ge hat sich in den letz­ten fünf Jah­ren zu­se­hends ver­schlech­tert. Än­de­run­gen des Ge­schäfts­mo­dells wie der Aus­flug in das Bil­lig­preis­seg­ment blie­ben stets er­folg­los. Die Zahl der Fran­chise­neh­mer wur­de auch aus Qua­li­täts­grün­den re­du­ziert. Zu­sam­men mit dem wei­ter schwie­ri­gen Markt­um­feld spricht das ge­gen ei­ne Ge­schäfts­be­le­bung. In­ter­sport geht denn auch von ei­ner Um­satzs­ta­gna­ti­on aus. Die Ti­tel (3 Mio. Fr. Free Float) ha­ben kei­ne An­la­ge­qua­li­tät. Al­le Fi­nanz­da­ten zu In­ter­sport im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/IHSN

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