Gu­te Chan­cen für Swatch-ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - AL­FONS COR­TÉS,

Im Leit­ar­ti­kel der FuW vom 15. De­zem­ber zi­tier­te Mark Dittli das John May­nard Keynes zu­ge­schrie­be­ne Dik­tum «When the facts chan­ge, I chan­ge my mind. What do you do, Sir?». Ein an­de­rer Spruch aus der Ge­schich­te, der ei­ner be­deu­ten­den Per­sön­lich­keit aus der Wirt­schafts- und Fi­nanz­welt zu­ge­wie­sen wird, zeigt in die glei­che Rich­tung. Nat­ha­ni­el Roth­schild soll ge­sagt ha­ben: Wer nicht be­reit ist, sei­ne Mei­nung zu än­dern, ist für die Bör­se nicht be­reit.

Aus der Be­ha­vioral-Fi­nan­ce-For­schung ken­nen wir die Nach­tei­le, die aus der In­fle­xi­bi­li­tät ent­ste­hen, die Keynes und Roth­schild an­deu­ten. Es sei­en ei­ni­ge Bei­spie­le ge­nannt: Der Ein­stands­kurs wird zu ei­ner Re­fe­renz­grös­se ge­macht, ob­wohl er nie­man­den sonst in­ter­es­siert; Mel­dun­gen, die der ei­ge­nen Er­war­tungs­hal­tung wi­der­spre­chen, wer­den weg­dis­ku­tiert oder so­gar igno­riert; es wird sys­te­ma­tisch nach In­for­ma­tio­nen ge­sucht, die die ei­ge­ne vor­ge­fass­te Mei­nung be­stä­ti­gen.

Der Preis der In­fle­xi­bi­li­tät

In die­se Ver­hal­tens­mus­ter, die Er­folg mehr be­hin­dern als nüt­zen, ge­hört die Wei­ge­rung, Ak­ti­en zu­rück­zu­kau­fen, die zu ei­nem tie­fe­ren Kurs ver­kauft wur­den, oder dass der Kauf von Ti­teln, die ak­tu­ell zu Höchst­kur­sen ge­han­delt wer­den, grund­sätz­lich ver­wei­gert wird. Man hat ja frü­her den Kauf ver­passt, man will sich doch jetzt nicht ei­ne Blös­se ge­ben!

Swatch Group no­tier­ten am 17. De­zem­ber auf ih­rem bis­he­ri­gen his­to­ri­schen Höchst. Es lag al­ler­dings nur 5% über dem im Ju­li 2011 re­gis­trier­ten vor­an­ge­gan­ge­nen Re­kord­kurs. Wie der Chart zeigt, hat die Ak­tie wäh­rend mehr als ei­nem Jahr kurs­mäs­sig we­nig her­ge­ge­ben. In der­sel­ben Zeit gab es bes­se­re An­la­ge­mög­lich­kei­ten, et­wa ei­nen ETF oder ei­nen Fu­tures auf den SMI. Dar­auf be­trug die Ren­di­te 18%.

Nicht die Markt­räu­mungs­prei­se sol­len uns in­ter­es­sie­ren, nicht Höchst- und Tiefst­kur­se und schon gar nicht die ei­ge­nen Ein­stands­kur­se, son­dern die Ve­rän- de­rungs­ra­te der re­la­ti­ven Prei­se. Hier kommt der Test: Wie ver­hält sich neu­er­dings der Kurs der Swatch-In­ha­ber­ak­tie nach ei­ner Ab­schwä­chung der re­la­ti­ven Kurs­ent­wick­lung zum SMI von Ju­li 2011 bis Ok­to­ber 2012 und ei­ner Un­ter­bie­tung des Sto­xx-Sek­tor­index von 15% in der­sel­ben Zeit?

Wie­der Sek­tor­lea­der

Im eu­ro­päi­schen Sek­tor mit 25 Kon­sti­tu­en­ten ist das re­la­ti­ve Mo­men­tum von Swatch Group das höchs­te. Seit dem 12. De­zem­ber über­trifft es das der bis an­hin den ers­ten Platz ein­neh­men­den Kon­kur­ren­tin Ri­che­mont. Der MSCIWelt­in­dex zählt in der In­dus­trie­grup­pe nur neun­zehn Ti­tel. Sie ist et­was an­ders zu­sam­men­ge­setzt als der Ge­gen­part aus der eu­ro­päi­schen Sto­xx-Fa­mi­lie. Auch in die­sem Ver­gleich schnei­det die SwatchGroup-Ak­tie auf Platz eins ab.

Selbst­ver­ständ­lich ga­ran­tiert die­se Kon­stel­la­ti­on nichts. Die Ge­schich­te lehrt je­doch, dass ei­ne nach ei­ner lan­gen Kon­so­li­die­rung wie­der auf­ge­nom­me­ne Kurs­füh­rer­schaft aus­ge­spro­chen gu­te Chan­cen hat, län­ge­re Zeit bei­be­hal­ten zu wer­den. Das ist die Grund­la­ge für mich, die­se Ak­tie als kau­fens­wert ein­zu­stu­fen.

Swatch Group I Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.