No­vo Nor­disk wächst kraft­voll

DÄ­NE­MARK Die Num­mer eins im Dia­be­tes­markt steu­ert Rich­tung Big Pharma – Ak­ti­en sind trotz ho­hem Be­wer­tungs­auf­schlag ein Kauf

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - DO­MI­NIK FELDGES

ANo­vo Nor­disk lle Eier in ei­nen Korb zu le­gen, ist ei­ne ris­kan­te Stra­te­gie. Im Fall des dä­ni­schen Phar­ma­un­ter­neh­mens No­vo Nor­disk hat es sich aus­be­zahlt, aus­schliess­lich auf den wachs­tums­star­ken Dia­be­tes­markt zu set­zen. Das Un­ter­neh­men wird für 2012 vor­aus­sicht­lich ei­nen Um­satz von an­nä­hernd 78 Mrd. dKr. (12,6 Mrd. Fr.) aus­wei­sen, was im Ver­gleich mit dem Re­sul­tat al­lein vor sechs Jah­ren ei­ner Ver­dop­pe­lung ent­sprä­che.

Die Dä­nen dürf­ten ihr for­sches Tem­po in den kom­men­den Jah­ren bei­be­hal­ten: Das auf den Phar­ma­sek­tor spe­zia­li­sier­te US-Markt­for­schungs­un­ter­neh­men Eva­lua­tePhar­ma sagt No­vo Nor­disk bis 2018 ei­nen Um­satz von 20,3 Mrd. $ vor­aus.

Im Mo­ment noch mit­tel­gross

Letz­tes Jahr ran­gier­te No­vo Nor­disk un­ter den Un­ter­neh­men mit den welt­weit höchs­ten Ein­nah­men aus dem Ver­kauf re­zept­pflich­ti­ger Arz­nei­en auf Platz sieb­zehn. Er­fül­len sich die Pro­gno­sen von Eva­lua­tePhar­ma, die auch die Ana­lys­ten der Ra­ting­agen­tur Stan­dard & Poor’s (S&P) in ei­ner Stu­die zum Dia­be­tes­markt be­rück­sich­ti­gen, wür­de die heu­te mit­tel­gros­se Phar­ma­gesell­schaft 2018 zu Big Pharma zäh­len und auf Rang elf bei­spiels­wei­se nur noch knapp hin­ter den Rie­sen Bris­tol-My­ers Squibb und AstraZe­ne­ca lie­gen.

Das ho­he Po­ten­zi­al, das No­vo Nor­disk zu­ge­schrie­ben wird, hat sei­nen Preis. Auf Ba­sis des für 2013 durch Ana­lys­ten durch­schnitt­lich er­war­te­ten Ge­winns wer­den die Ak­ti­en mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 20 be­wer­tet. Das ist deut­lich mehr, als An­le­ger für die Ti­tel von Phar­ma­mul­tis wie No­var­tis und Sa­no­fi (KGV 2013 von je 11) zu zah­len be­reit sind. Der Be­wer­tungs­auf­schlag braucht In­ves­to­ren mit ei­nem mehr­jäh­ri­gen An­la­ge­ho­ri­zont aber nicht ab­zu­schre­cken: Die Chan­cen ste­hen gut, dass sich der der­zeit um um­ge­rech­net 80 Mrd. Fr. lie­gen­de Bör­sen­wert par­al­lel zum Um­satz ste­tig er­höht, zu­mal No­vo Nor­disk auch auf der Er­trags­ebe­ne ho­he Dy­na­mik ver­spricht. Das schul­den­freie Un­ter­neh­men hat sich vor­ge­nom­men, den Ge­winn vor Zin­sen und Steu­ern (Ebit) auf lan­ge Sicht um 15% pro Jahr zu stei­gern.

Rü­cken­wind ver­schafft No­vo Nor­disk die star­ke Zu­nah­me von Dia­be­te­ser­kran­kun­gen. Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es nach Schät­zung der In­ter­na­tio­na­len Dia­be­tes­För­de­ra­ti­on 366 Mio. dia­gnos­ti­zier­te Zu­cker­kran­ke. Bis 2013 dürf­ten 280 Mio. da­zu­kom­men, wo­zu vor al­lem der stei­gen­de Wohl­stand und ver­än­der­te Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten bei­tra­gen. Wich­tigs­te Ur­sa­che des do­mi­nie­ren­den Dia­be­tesTyps 2, auch Al­ters­dia­be­tes ge­nannt, ist Über­ge­wich­tig­keit. Weil die An­zahl der

An­zahl Dia­be­ti­ker Über­ge­wich­ti­gen be­son­ders in auf­stre­ben­den Schwel­len­län­dern mit ho­her Be­völ­ke­rungs­zahl wie Chi­na und In­di­en mar­kant zu­nimmt (vgl. Gra­fik 1), ex­plo­diert auch die An­zahl der Dia­be­tes­fäl­le.

No­vo Nor­disk ist mit über 25% Markt­an­teil nicht nur welt­weit der gröss­te An­bie­ter von Dia­be­tes­me­di­ka­men­ten (vgl. Gra­fik 2), son­dern auch – mit Ab­stand –

Markt­an­tei­le Dia­be­tes­the­ra­pi­en 2011 füh­rend in Chi­na (37% Markt­an­teil im In­su­lin­ge­schäft ver­gli­chen mit 15% der Num­mer zwei, Bay­er). Be­reits jetzt ist das Reich der Mit­te der zweit­wich­tigs­te Ab­satz­markt des dä­ni­schen Kon­zerns, hin­ter den USA, aber noch vor Ja­pan. Das jähr­li­che Um­satz­wachs­tum in Chi­na wird von No­vo Nor­disk auf rund 15% be­zif­fert, ei­ne An­nah­me, die durch Pro­gno­sen von S&P für den Ge­samt­markt ge­stützt wird. Die Ra­ting­agen­tur er­war­tet, dass der chi­ne­si­sche In­su­lin­markt bis 2030 von 0,5 auf über 12 Mrd. $ ex­pan­diert. In den USA er­reich­te das Markt­vo­lu­men zum Ver­gleich 2011 rund 7,5 Mrd. $.

Das Ge­schäft mit In­su­li­nen, der wich­tigs­ten Ka­te­go­rie von Dia­be­ti­ker­prä­pa­ra­ten, dürf­te No­vo Nor­disk die­ses Jahr rund 48 Mrd. dKr. (7,8 Mrd. Fr.) oder rund 60% des er­war­te­ten Kon­zern­um­sat­zes ein­brin­gen. Vor­aus­sicht­lich 2013 wird sich ent­schei­den, ob das Un­ter­neh­men sein neu­es bis zu vier­zig St­un­den wir­ken­des In­su­lin Tre­si­ba lan­cie­ren und da­mit dem bis­her markt­füh­ren­den Pro­dukt, Lan­tus von Sa­no­fi, Kon­kur­renz ma­chen darf.

Hoff­nungs­trä­ger Tre­si­ba

Die Chan­cen für ei­ne Zu­las­sung sind hoch, nach­dem sich der Ex­per­ten­aus­schuss der US-Ge­sund­heits­be­hör­de FDA An­fang No­vem­ber mehr­heit­lich da­für aus­ge­spro­chen hat. Eva­lua­tePhar­ma traut Tre­si­ba bis 2018 ei­nen jähr­li­chen Um­satz von 2 Mrd. $ zu, Bar­clays be­zif­fert das Po­ten­zi­al ab 2021 so­gar auf 3,8 Mrd. $. An Lan­tus (letzt­jäh­ri­ger Um­satz von rund 5 Mrd. $) dürf­te das Me­di­ka­ment we­gen ab­seh­ba­rer Warn­hin­wei­se im Zu­sam­men­hang mit Herz-Kreis­lauf-Ri­si­ken aber nicht her­an­kom­men.

Als Jo­ker zu wer­ten ist die Zu­las­sung des be­ste­hen­den Dia­be­tes­me­di­ka­ments Vic­to­za aus der Ka­te­go­rie der so­ge­nann­ten GLP-1-Prä­pa­ra­te für die Be­hand­lung von aus­ge­präg­ter Fett­lei­big­keit. Ein No­voNor­disk-Ver­tre­ter schwärm­te ge­gen­über der Nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg un­längst von ei­nem 6-Mrd.-$-Markt. Noch gilt aber als un­si­cher, ob die FDA grü­nes Licht er­teilt, da­mit das Prä­pa­rat wie ge­plant En­de 2014 oder An­fang 2015 auf den Markt ge­bracht wer­den kann. Wie bei an­de­ren neu­ar­ti­gen Me­di­ka­men­ten ge­gen Fett­lei­big­keit stel­len sich auch Fra­gen zu den ho­hen Kos­ten, für die die Pa­ti­en­ten zu ei­nem grös­se­ren Teil via Selbst­be­halt di­rekt auf­kom­men müs­sen.

Un­ter­neh­mens­zah­len

Über­ge­wicht be­güns­tigt Dia­be­tes vom Typ 2 in spä­te­ren Le­bens­jah­ren – auch in Chi­na.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.