Der An­griff der Tele­comzwer­ge

EU­RO­PA Klei­ne Ge­sell­schaf­ten mit Wachs­tums­chan­cen sind ei­ne gu­te Al­ter­na­ti­ve zu Ex-mo­no­po­lis­ten, de­ren Di­vi­den­den ab­brö­ckeln

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - CLAU­DIA CARL

Die Tele­com­di­vi­den­den in Eu­ro­pa wa­ckeln wei­ter, zu­min­dest in den Rei­hen der Ex-Mo­no­po­lis­ten. Jüngs­tes Bei­spiel ist KPN. Der nie­der­län­di­sche An­bie­ter schock­te die Bör­se am Mon­tag mit der Nach­richt, sei­ne Schluss­di­vi­den­de für 2012 ganz zu strei­chen. 2013 soll die Aus­zah­lung auf drei Cent je Ak­tie be­grenzt wer­den. Ur­sprüng­lich hat­te KPN für das bald en­den­de Jahr erst 90, dann 35 Cent je Ak­tie aus­schüt­ten wol­len.

Im Fall von KPN ist das Er­geb­nis der jüngs­ten Mo­bil­funk­auk­ti­on Grund für das De­ba­kel: Der Tele­com­kon­zern muss 1,4 Mrd. € für Fre­quen­zen zah­len, auf de­nen auch die schnel­le LTE-Tech­no­lo­gie lau­fen soll. Der Markt hat­te aber nur mit Kos­ten von 400 bis 500 Mio. € für KPN ge­rech­net. Der Aus­gang war we­gen des an­ge­wand­ten Ver­fah­rens schwer ab­schätz­bar. Ein ver­gleich­ba­res Pro­ze­de­re könn­te in Gross­bri­tan­ni­en An­fang 2013 für wei­te­re Über­ra­schun­gen sor­gen (vgl. Ar­ti­kel rechts).

EU-Re­gu­lie­rung hilft

Ho­he Di­vi­den­den­ren­di­ten wa­ren für An­le­ger ein Ar­gu­ment, zu Tele­com­ti­teln eta­blier­ter An­bie­ter zu grei­fen. Nun müs­sen die Un­ter­neh­men aber mit ho­hen In­ves­ti­tio­nen dem wach­sen­den Da­ten­ver­kehr Rech­nung tra­gen oder auf­ge­scho­be­ne Pro­jek­te nach­ho­len. Da­mit ist das Geld für Aus­schüt­tun­gen knap­per ge­wor­den. Weil die Ex-Mo­no­po­lis­ten in der EU zu­dem vom Re­gu­la­tor re­la­tiv stark zu­rück­ge­bun­den wer­den, lohnt ein Blick auf klei­ne­re Tele­com­an­bie­ter und Ka­bel­netz­be­trei­ber mit so­li­den Wachs­tums­chan­cen.

In Frank­reich ist das Ili­ad. Im Ja­nu­ar 2012 rüt­tel­te der Tele­comzwerg den Markt auf und star­te­te sein Mo­bil­funk­an­ge­bot. Platz­hirsch Fran­ce Tele­com ver­lor Abon­nen­ten, Ili­ad zähl­te En­de des drit­ten Quar­tals 4,4 Mio. Han­dy­kun­den. Die Ana­lys­ten von Bar­clays rech­nen mit wei­te­ren «si­gni­fi­kan­ten Ve­rän­de­run­gen» der Markt­an­tei­le in Frank­reich, vor al­lem bis 2013. Da-

Al­ter­na­ti­ve Tele­com­an­bie­ter nach ge­be es Raum für ei­ne Sta­bi­li­sie­rung, schrei­ben sie. Der­zeit ent­fal­len auf Fran­ce Tele­com noch 51% des Sek­to­r­um­sat­zes. Bis 2015 soll Ili­ad den An­teil von 7,5 auf gut 12% stei­gern kön­nen und zu Bouy­gues, heu­te Num­mer drei, auf­schlies­sen.

Mit ei­nem ge­schätz­ten Um­satz von 3,1 Mrd. € für 2012 ist Ili­ad der Da­vid (vgl. Ta­bel­le) und Fran­ce Tele­com mit 43,4 Mrd. € der Go­li­ath. Die Mar­gen für das ope­ra­ti­ve Er­geb­nis vor Zin­sen, Steu­ern und Di­vi­den­den (Ebit­da) sind nicht ganz so weit von­ein­an­der ent­fernt. Bar­clays sieht Ili­ad 2012 bei et­wa 25% und Fran­ce Tele­com bei 35%. Al­ler­dings ver­bren­ne Ili­ad der­zeit Cash, dies sol­le sich 2013 än­dern.

In den Nie­der­lan­den ist Ka­bel­netz­be­trei­ber Zig­go im Auf­wind. Auf ihn ent­fal­len der­zeit fast 12% des Tele­co­m­um­sat­zes im Land. Die eta­blier­te KPN kann ih­ren An­teil von gut 48% wohl nicht hal­ten, Ana­lys­ten schät­zen da­für, dass Zig­go sich bis 2015 auf gut 13% stei­gert und auch vom Bran­chen-Ebit­da und dem frei­en Cash­flow ein grös­se­res Stück ab­be­kommt.

An der Fre­quenz­auk­ti­on in den Nie­der­lan­den konn­te sich Zig­go kei­ne Bän­der im tie­fen 800-Me­ga­hertz-Be­reich si­chern, die für die neue LTE-Tech­no­lo­gie gut ge­eig­net wä­ren. Das Un­ter­neh­men will das An­ge­bot für Han­dy­kun­den un­ter an­de­rem auf Ba­sis des frü­her er­wor­be­nen Spek­trums er­wei­tern. Zig­go kön­ne am Markt op­por­tu­nis­tisch han­deln und an­spre­chen­de Pa­ke­te schnü­ren, mei­nen die Ana­lys­ten von No­mu­ra. Ih­re po­si­ti­ve Ein­schät­zung ba­siert auch auf den Fest­netz-Per­spek­ti­ven.

Tal­kTalk aus Gross­bri­tan­ni­en nimmt an der an­ste­hen­den Ver­stei­ge­rung von LTE-fä­hi­gen Fre­quen­zen nicht teil. Re­gu­la­tor Of­com gab am Don­ners­tag die Na- men der sie­ben In­ter­es­sen­ten be­kannt: Aus­ser den Bran­chen­grös­sen Vo­da­fo­ne, Te­le­fó­ni­ca, EE ( Jo­int Ven­ture aus Fran­ce Tele­com und Deut­scher Te­le­kom) so­wie Hut­chi­son 3G UK wol­len auch ei­ne Bri­tish-Tele­com-Toch­ter, HKT mit Wur­zeln in Hong­kong und der Netz­werk­dienst­leis­ter MLL Tele­com bie­ten. Tal­kTalk ist hin­ge­gen vor al­lem auf das Fest­netz fo­kus­siert und bie­tet Te­le­fo­nie und Breit­band­In­ter­net über Ent­bün­de­lung im Orts­an­schluss­be­reich an. Für Mo­bil­funk­diens­te greift das Un­ter­neh­men auf Net­ze an­de­rer Tele­com­kon­zer­ne zu­rück, als vir­tu­el­ler An­bie­ter oh­ne ei­ge­ne In­fra­struk­tur.

Kri­ti­sche Mas­se vor­han­den

Auf dem Breit­band ver­fügt Tal­kTalk nach Mei­nung der Bank of Ame­ri­ca/Mer­rill Lynch als al­ter­na­ti­ver An­bie­ter mit 4 Mio. Kun­den über die nö­ti­ge kri­ti­sche Mas­se, um ge­gen Markt­füh­rer Bri­tish Tele­com zu be­ste­hen. Mit ei­nem neu­en TV-Pro­dukt zielt das Un­ter­neh­men auf je­ne Haus­hal­te, die noch nicht auf di­gi­ta­les Fern­se­hen um­ge­stie­gen sind. Kon­kur­renz kommt je­doch auch von Vir­gin Me­dia und BSkyB. Das Ebit­da-Mar­gen­ziel liegt mit­tel­fris­tig bei 25%, zu­letzt er­zielt wur­den 18%.

In­ter­es­sant sind Tal­kTalk-Ak­ti­en nicht zu­letzt we­gen Spe­ku­la­tio­nen, ein gros­ser Mo­bil­funk­an­bie­ter könn­te den Kon­zern über­neh­men. Mit ei­nem Kurs-Ge­win­nVer­hält­nis von 13 für 2013 sind die Ti­tel nicht zu teu­er. Zig­go sind et­was hö­her be­wer­tet, aber den­noch at­trak­tiv. In Ili­a­dAk­ti­en ha­ben die An­le­ger be­reits viel vor­weg­ge­nom­men, was die Va­lo­ren teu­er macht (vgl. Ta­bel­le). Kurs­rück­set­zer könn­ten zum Ein­stieg ge­nutzt wer­den.

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