Über den ei­ge­nen Schat­ten sprin­gen

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - EH

Park Geun-hye hat die­se Wo­che die Prä­si­dent­schafts­wahl in Süd­ko­rea ge­won­nen. In ih­rer Kam­pa­gne warb sie mit küh­nen Ver­spre­chen um die Gunst des Stimm­volks. Die kon­ser­va­ti­ve Po­li­ti­ke­rin stell­te in Aus­sicht, wäh­rend ih­rer Amts­zeit die Be­zie­hun­gen zur Nu­kle­ar­macht Nord­ko­rea zu nor­ma­li­sie­ren. Zu ei­nem Nach­barn al­so, der vor zwei Jah­ren ein süd­ko­rea­ni­sches Kriegs­schiff samt 51 Mann Be­sat­zung ver­senkt hat. Auch will Park neu­en Schwung in die Wirt­schaft brin­gen. Da­zu ver­sprach sie, dass der Ko­s­pi-In­dex, das Haupt­ba­ro­me­ter der Bör­se Seoul, wäh­rend ih­rer Amts­zeit von heu­te rund 2000 Punk­ten auf 3000 Zäh­ler stei­gen wer­de.

Ob sie ihr Wort hal­ten kann? Si­cher ist, dass Park ei­nen star­ken Wil­len hat. Per­so­nen, die sie nä­her ken­nen, sa­gen, sie schla­ge nach ih­rem Va­ter Park Chung-hee, der das Land zwi­schen 1961 und 1979 re­gier­te. An ihm schei­den sich bis heu­te die Geis­ter: Ei­ner­seits re­gier­te der durch ei­nen Mi­li­tär­putsch an die Macht ge­kom­me­ne Ge­ne­ral das Land mit dik­ta­to­ri­scher Här­te – doch leg­te er auch den Grund­stein für den Auf­stieg Süd­ko­reas zu ei­ner füh­ren­den In­dus­trie­na­ti­on, die so welt­be­rühm­te Kon­zer­ne wie Samsung, LG und Hy­un­dai her­vor­ge­bracht hat. Wenn Kim ih­re Wahl­ver­spre­chen hal­ten will, so muss sie gleich zwei Mal über ih­ren ei­ge­nen Schat­ten sprin­gen. 1974 ver­lor ih­re Mut­ter bei ei­nem mut­mass­lich aus Nord­ko­rea ge­steu­er­ten At­ten­tat auf das Prä­si­den­ten­paar das Le­ben. Nicht zu­letzt des­halb stand die Toch­ter dem seit 1948 ab­ge­spal­te­nen an­de­ren Lan­des­teil lan­ge un­ver­söhn­lich ge­gen­über. Auch ihr wirt­schaft­li­ches Pro­gramm dürf­te Selbst­über­win­dung ab­ver­lan­gen, will sie doch die von ih­rem Va­ter ge­präg­te Un­ter­neh­mens­land­schaft grund­le­gend um­ge­stal­ten.

Park se­ni­or för­der­te in den Sech­zi­ger- und Sieb­zi­ger­jah­ren mit bil­li­gen Kre­di­ten, der Un­ter­drü­ckung frei­er Ge­werk­schaf­ten, Pro­tek­tio­nis­mus und ei­ner un­ter­be­wer­te­ten Wäh­rung den Auf­stieg von Kon­glo­me­ra­ten. Die­se so­ge­nann­ten Chaebols konn­ten zwar den Welt­markt er­obern, doch gleich­zei­tig hem­men sie durch ih­re kar­tell­ar­ti­gen Ab­ma­chun­gen den Wett­be­werb auf dem Heim­markt. Die neue Prä­si­den­tin – sie ist 60 Jah­re alt, kin­der­los und war nie ver­hei­ra­tet – will ih­ren Ein­fluss zu­rück­drän­gen. Da­mit sol­len klei­ne­re und mit­tel­gros­se Un­ter­neh­men, die das Rück­grat al­ler rei­fen Volks­wirt­schaf­ten sind, mehr Luft zum At­men er­hal­ten. Da­durch dürf­te die Ex­port­in­dus­trie re­la­tiv an Ge­wicht ver­lie­ren. Die No­ten­bank könn­te so ei­ne be­schleu­nig­te Auf­wer­tung des Dongs zu­las­sen.

Süd­ko­reas Prä­si­den­tin Park Geun-hye will das Ver­hält­nis zum Nor­den ent­span­nen.

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