Die lang­fris­ti­gen Zin­sen wer­den wei­ter fal­len

MO­NAT­LI­CHE ZINS­PRO­GNO­SE SCHWEIZ

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - MAN­FRED KRÖLLER

Der De­zem­ber be­stä­tigt die wie­der pes­si­mis­ti­sche­re Ein­schät­zung vom No­vem­ber. Die mo­nat­lich von FuW be­frag­ten Öko­no­men von UBS, Cre­dit Suis­se (CS), Zürcher Kan­to­nal­bank (ZKB), Bank Ju­li­us Bär und Uni­Credit ha­ben ih­re Zins­pro­gno­sen am kur­zen En­de nicht ver­än­dert und am lan­gen En­de teil­wei­se wei­ter nach un­ten an­ge­passt.

CS-Zins­stra­te­ge Kars­ten Li­now­sky lässt für den Geld­markt die Pro­gno­sen un­ver­än­dert, nimmt aber noch­mals die Ren­di­te­er­war­tun­gen der zehn­jäh­ri­gen «Eid­ge­nos­sen» auf Drei- und Zwölf­mo­nats­sicht um je 10 Ba­sis­punk­te zu­rück. Denn am Ka­pi­tal­markt wür­den die Schwei­zer Zin­sen zu ei­nem gu­ten Teil von der Eu­ro­zo­ne be­stimmt, und dort blei­be das Wachs­tum hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück, und die Ren­di­ten ten­dier­ten eben­falls nach un­ten. Vor al­lem die deut­sche Bun­des­an­lei­he dürf­te ei­ne wich­ti­ge Re­fe­renz für die Schweiz blei­ben. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) dis­ku­tie­re wei­te­re Hilfs­mass­nah­men, so­gar ne­ga­ti­ve Ein­la­gen­zin­sen. Das dürf­te auch die Geld­markt­zin­sen der Schweiz nied­rig hal­ten.

ZKB-Öko­nom Da­vid Mar­met hat zum Vor­mo­nat nichts ver­än­dert. Es se­he in der Eu­ro­zo­ne nun­mehr bes­ser aus als vor ei­ni­ger Zeit. Die­se Be­ru­hi­gung soll­te da­zu füh­ren, dass mit­tel­fris­tig auch hier­zu­lan­de die Zin­sen leicht stei­gen. Des­halb, so Mar­met, ha­be die ZKB die aus heu­ti­ger Sicht ho­hen Pro­gno­sen un­ver­än­dert be­las­sen. Die 1,1% bei den zehn­jäh­ri­gen «Eid­ge­nos­sen» auf Sicht von zwölf Mo­na­ten sei­en zwar «recht sport­lich», aber rea­lis­tisch. Fer­ner geht der Öko­nom da­von aus, dass die In­fla­ti­on in der Schweiz be­reits im De­zem­ber in den po­si­ti­ven Be­reich dre­hen und dort wäh­rend des nächs­ten Jah­res blei­ben wird. Mit ih­rer In­fla­ti­ons­pro­gno­se 2013 von 0,5% liegt die ZKB deut­lich über dem Kon­sen­sus von 0,2%.

Öko­no­min Su­san Jo­ho von Bank Ju­li­us Bär hat ih­re In­fla­ti­ons­pro­gno­se deut­lich nach un­ten kor­ri­giert: Sie sieht die Preis­ent­wick­lung im De­zem­ber bei –0,3% und 2013 bei 0,1%. Die Öko­no­min be­grün­det die Kor­rek­tur da­mit, dass die Re­zes­si­on der Eu­ro­zo­ne län­ger als ge­dacht dau­ern wer­de. Dar­un­ter wer­de auch die Schweiz lei­den. Es ge­be al­len­falls ei­ne Sta­bi­li­sie­rung auf tie­fem Ni­veau, für mehr Op­ti­mis­mus rei­che es noch nicht. Jo­ho er­war­tet, dass sich der Fran­ken 2013 von sei­ner Un­ter­gren­ze lö­sen kann und per En­de 2013 um 1.25 Fr./€ no­tiert. Uni­Credit-Ana­lyst Alex­an­der Koch stellt fest, dass die

Zins­pro­gno­sen der Ban­ken für die Schweiz La­ge in der Eu­ro­zo­ne zwar weit­ge­hend sta­bil sei, dass der Fran­ken den­noch an der Un­ter­gren­ze von 1.20 Fr/€ kle­be. Das wer­de auch so blei­ben. Denn der In­fla­ti­ons­un­ter­schied sei nicht mehr so gross und der Fran­ken da­her nicht mehr so deut­lich über­be­wer­tet. Bei ei­ner wei­te­ren Ent­span­nung in Eu­ro­pa wer­de kein gros­ses Ab­wer­tungs­po­ten­zi­al für die Schwei­zer Wäh­rung mehr frei. Die sei fast schon auf ih­rem fai­ren Wert. Zwar sei noch von «star­ker Über­be­wer­tung» die Re­de, aber das än­de­re sich lang­sam. Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank ha­be ih­re Sprach­re­ge­lung von «sehr ho­he» auf «ho­he Über­be­wer­tung» um­ge­stellt.

UBS-Öko­no­min Daniela St­ein­brink Mat­tei lässt al­les beim Al­ten. Der Ein­fluss der Po­li­tik blei­be auch 2013 ein be­stim­men­der Markt­fak­tor. Es sei aber da­von aus­zu­ge­hen, dass sich die Zin­sen im nächs­ten Jahr wie­der et­was stär­ker an den Fun­da­men­tal­da­ten ori­en­tier­ten, das heis­se, bei et­was mehr Vo­la­ti­li­tät leicht auf­wärts ten­die­ren dürf­ten.

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