Mir­ror-tra­ding-por­ta­le müs­sen sich be­wei­sen

Platt­for­men of­fe­rie­ren An­le­gern den Zu­gang zu Stra­te­gi­en er­fah­re­ne­rer An­le­ger

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ANDRE­AS STO­CKER

Mir­ror-Tra­ding-Por­ta­le schies­sen wie Pil­ze aus dem Bo­den. Sie of­fe­rie­ren Pri­vat­an­le­gern den Zu­gang zu An­la­ge­stra­te­gi­en von er­fah­re­nen In­ves­to­ren. Der Bank­be­ra­ter oder Ver­mö­gens­ver­wal­ter wird über­flüs­sig – zu­min­dest, wenn es nach dem Wil­len der Be­trei­ber geht. Sie bie­ten ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu klas­si­schen An­la­ge­fonds und Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­man­da­ten.

Die Idee: Ein Händ­ler – je nach Platt­form wird die­ser auch Tra­der oder Le­a­der ge­nannt – führt auf ei­ner Mir­ror-Tra­din­gPlatt­form ein Mus­ter­de­pot. Die Per­for­mance, so­wie wei­te­re In­for­ma­tio­nen des Porte­feuilles, wer­den of­fen­ge­legt. An­le­ger, die von den Fä­hig­kei­ten des Tra­ders über­zeugt sind, kön­nen der Stra­te­gie fol­gen. Im Jar­gon wer­den die­se In­ves­to­ren auch «Fol­lo­wer» ge­nannt. Fol­lo­wer kön­nen dann bei ei­nem Bro­ker, der mit der Platt­form ko­ope­riert, Geld ein­zah­len. Der Bro­ker ko­piert die Stra­te­gie des Händ­lers – der Fol­lo­wer ver­fügt nun über ein ge­spie­gel­tes Porte­feuille des Tra­ders.

Die Zahl der Mir­ror-Tra­ding-Platt­for­men ist mitt­ler­wei­le zahl­reich. Sie nen­nen sich Ayon­do, Eto­ro, Mo­ney­meets, Twin­de­pot, Uni­ted Si­gnals und Wi­ki­fo­lio. An­säs­sig sind die meis­ten in Deutsch­land und auch für hie­si­ge An­le­ger zu­gäng­lich.

Das Kon­zept ist bei al­len Platt­for­men ähn­lich, je­doch gibt es Un­ter­schie­de: Nicht je­der Platt­form­an­bie­ter weist im­mer die rea­len Na­men der Tra­der aus. An­le­ger müs­sen be­reit sein, der An­la­ge­stra­te­gie ei­ner an­ony­men Per­son zu ver­trau­en.

Ab­bil­dung über Zer­ti­fi­ka­te

Die Platt­form Wi­ki­fo­lio bil­det die An­la­ge­stra­te­gi­en der Tra­der in­des mit Zer­ti­fi­ka­ten ab. Die­se wer­den an der Eu­wax in Stuttgart ko­tiert. Das ver­ein­facht die In­ves­ti­ti­on, da die Zer­ti­fi­ka­te über die Haus­bank er­wor­ben wer­den kön­nen. Die Er­öff­nung ei­nes De­pots bei ei­nem Part­ner­bro­ker ist nicht er­for­der­lich.

Das Spek­trum der Tra­der ist viel­fäl­tig und reicht vom Hob­by­in­ves­tor bis hin zum pro­fes­sio­nel­len Ver­mö­gens­ver­wal­ter, der die Mir­ror-Tra­ding-Platt­for­men als Ver­triebs­ka­nal nutzt. Auch die An­for­de­run­gen, die Platt­form­be­trei­ber an die Tra­der rich­ten, da­mit de­ren Porte­feuilles in­ves­tier­bar wer­den, un­ter­schei­den sich. Ein Tra­der bei Ayon­do durch­läuft ei­ne Pro­be­zeit von 90 Ta­gen. Um die so­ge­nann­te Zer­ti­fi­zie­rung zu er­lan­gen, muss er in die­ser Pe­ri­ode ei­ne Min­dest­an­zahl an Trans­ak­tio­nen durch­füh­ren. Wäh­rend der Frist darf sein Porte­feuille nicht mehr als 25% ver­lie­ren und muss am Schluss ei­ne po­si­ti­ve Per­for­mance auf­wei­sen.

Twin­de­pot setzt ein Min­dest­al­ter von 25 Jah­ren und ei­ne Mi­ni­mal­in­ves­ti­ti­on des Tra­ders von 5000 € vor­aus. Er muss zu­dem über «ein­schlä­gi­ge und nach­weis­li­che Er- fah­run­gen im Fi­nanz­um­feld über meh­re­re Jah­re ver­fü­gen».

Die An­for­de­run­gen an Tra­der sind so­mit schwam­mig for­mu­liert. In ih­re Stra­te­gi­en kann sehr schnell in­ves­tiert wer­den. Im kurz­le­bi­gen In­ter­net­zeit­al­ter mag be­reits ein ma­ge­rer Track Re­cord als ge­nü­gend er­schei­nen – was er je­doch nicht ist. Da vie­le Platt­for­men erst seit Kur­zem exis­tie­ren, muss­ten die Tra­der noch kei­ne tur­bu­len­ten Bör­sen­pha­sen über­ste­hen.

Fi­nan­zi­el­ler An­reiz für Tra­der

Der An­reiz für Händ­ler, sein Porte­feuille der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich zu ma­chen ist fi­nan­zi­el­ler Art. Je nach Platt­form wird ei­ne Ver­wal­tungs­ge­bühr oder ei­ne Er­folgs­be­tei­li­gung be­rappt. Auch Re­tro­zes­sio­nen kön­nen an­fal­len und Tra­der kön­nen an den Trans­ak­ti­ons­kos­ten mit­ver­die­nen. Sie wer­den al­so zur De­pot­um­schich­tung an­ge­spornt.

Die Wahl ei­nes Tra­ders stellt An­le­ger vor ei­ne Her­aus­for­de­rung. Wie auch in der «rea­len» Welt, tum­melt sich auf den Platt­for­men ein brei­tes Qua­li­täts­spek­trum an Ver­mö­gens­ver­wal­tern bzw. Tra­dern. Der An­le­ger muss prü­fen, wel­che Stra­te­gie für ihn ge­eig­net ist, was um­fang­rei­che Re­cher­che er­for­dert. Auch Ver­trau­en ist nö­tig, denn nicht al­le Platt­form­an­bie­ter for­dern, dass Tra­der ih­re An­la­ge­stra­te­gie pu­bli­zie­ren. An­le­ger in­ves­tie­ren so­mit in ei­ne «Black­box».

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