Har­ter Fran­ken be­las­tet Ost­schweiz und Aar­gau

Zen­tral­schweiz ist Spit­ze – Fünf Städ­te pro­du­zie­ren 33% des BIP

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AN

Kan­to­na­le Wirt­schafts­stu­di­en sind in der Schweiz Man­gel­wa­re – trotz des fö­de­ra­len Auf­baus des Lan­des. Wagt sich ein­mal ein For­schungs­in­sti­tut an die Ma­te­rie, kom­men in­ter­es­san­te Er­kennt­nis­se zum Vor­schein. So fol­gert das Eco­no­mic Re­se­arch der Cre­dit Suis­se in ei­ner am Don­ners­tag er­schie­ne­nen Ana­ly­se, dass die To­po­gra­fie des Lan­des der wirt­schaft­li­chen Geo­gra­fie ent­spre­che, nur mit um­ge­kehr­ten Vor­zei­chen: Je hö­her ein Ge­biet lie­ge, des­to ge­rin­ger sei die Pro­duk­ti­vi­tät und um­ge­kehrt. Ein Drit­tel des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) wird in fünf Städ­ten er­wirt­schaf­tet: Zürich, Genf, Ba­sel, Bern und Lau­sanne – wohl­ge­merkt al­le zwi­schen 300 und 500 m. ü. M. ge­le­gen.

Städ­ti­sche Zen­tren und ih­re Nach­bar­räu­me, be­her­ber­gen die pro­duk­tivs­ten Bran­chen und er­brin­gen die höchs­te Wirt­schafts­leis­tung pro Be­schäf­tig­te, lau­tet die Er­klä­rung. An­ders als Zürich, Ba­sel, Zug, Lu­zern und der Gen­fer­see­raum lö­sen al­ler­dings Bern und Lu­ga­no ge­mäss CS kei­ne ver­gleich­ba­re Brei­ten­wir­kung aus.

Schaff­hau­sen, Mon­they/St. Mau­rice, St. Gal­len und Visp er­wei­sen sich als äus­serst pro­duk­tiv im Ver­gleich zu ih­rem Um­land. We­nig über­rascht die Ein­schät­zung der Ban­köko­no­men, dass in den Berg­kan­to­nen Grau­bün­den, Tes­sin und Uri das BIP pro Be­schäf­tig­te ge­ring aus­fällt. Sie sei­en ge­prägt von be­schäf­ti­gungs­in­ten­si­ven Bran­chen wie Tou­ris­mus oder Bau­ge­wer­be und könn­ten punk­to Pro­duk­ti­vi­tät nicht mit der Spit­ze mit­hal­ten.

Kon­junk­tur­dif­fe­ren­zen

Pro­duk­ti­vi­tät al­lein ver­spricht aber kei­nen wirt­schaft­li­chen Er­folg in Kri­sen­zei­ten. Auch das be­le­gen die kan­to­na­len Sta­tis­ti­ken. Sie sind nun für die Jah­re 2009, als die Schwei­zer Wirt­schaft 1,9% schrumpf­te, und für 2010 ver­füg­bar, als sie sich mit ei­nem Plus des BIP von 3% er­hol­te. Als wachs­tums­stärks­te Re­gi­on mit nur ge­rin­gen Ein­bus­sen 2009 und der höchs­ten Stei­ge­rung 2010 sticht die Zen­tral­schweiz her­aus. Be­son­ders von der Fi­nanz­kri­se ge­trof­fen wur­de der Kan­ton Zürich. So­gar im Jahr der lan­des­wei­ten Er­ho­lung re­sul­tier­te dort nur ein ma­ge­res Wachs­tum.

Rea­les BIP-Wachs­tum der Kan­to­ne

Die Re­zes­si­on des Jah­res 2009 traf den Es­pace Mit­tel­land mit Neu­en­burg und Ju­ra je­doch am här­tes­ten. CS be­grün­det das mit der hoch spe­zia­li­sier­ten Bran­chen­struk­tur so­wie der Ex­port­ori­en­tie­rung die­ser Kan­to­ne, die zu ei­nem mar­kan­ten Pro­duk­ti­ons­rück­gang führ­ten. Breit di­ver­si­fi­zier­te und bin­nen­ori­en­tier­te Kan­to­ne schnit­ten im in­ter­na­tio­na­len Ab­schwung am bes­ten ab. Das Wal­lis pro­fi­tier­te von der Ener­gie­pro­duk­ti­on, ei­ni­gen ro­bus­ten In­dus­trie­bran­chen so­wie der Rück­ver­si­che­rungs­bran­che. Aus­ser dem Wal­lis trotz­te der Kan­ton Schwyz der Kri­se 2009 am bes­ten.

Re­gio­na­ler Aus­blick

Die Auf­wer­tung des Fran­kens hat das Schwei­zer BIP ge­bremst. Die Fol­gen wa­ren aber nicht über­all gleich. Vor al­lem in in­dus­tri­ell ge­präg­ten Re­gio­nen wie der Ost­schweiz und dem Aar­gau mach­te die Stär­ke der Lan­des­wäh­rung zu schaf­fen. CS geht da­von aus, dass die ho­he Be­wer­tung der Lan­des­wäh­rung auch in Zu­kunft das Wirt­schafts­wachs­tum in die­sen Kan­to­nen be­las­ten wird.

Auch für Zürich, Lu­ga­no und in ge­rin­ge­rem Mas­se Genf or­ten die Ana­lys­ten Gren­zen für das künf­ti­ge Wachs­tums­po­ten­zi­al: re­gu­la­to­ri­sche Un­si­cher­hei­ten im Bank­we­sen und mi­ni­ma­le Zins­mar­gen. Da­her er­war­ten sie das höchs­te Wirt­schafts­wachs­tum in der Zen­tral­schweiz, im Gen­fer­see­raum so­wie in Ba­sel.

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