Ei­ne gu­te Re­gu­lie­rung ist dem Ver­trau­en und dem Ruf för­der­lich

Ge­for­dert wird im As­set Ma­nage­ment we­der ein völ­li­ges Lais­sez-fai­re noch ein ein­schnü­ren­des Kor­sett, son­dern schlicht und ein­fach ei­ne ad­äqua­te Re­gu­lie­rung

Finanz und Wirtschaft - - SERIE: ASSET MANAGEMENT - FE­LIX HALDNER

Die auf­sichts­recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen bil­den ein we­sent­li­ches Kri­te­ri­um für die Stand­ort­wahl von As­set-Ma­na­gern. Das Ge­schäft ist grenz­über­schrei­tend und mo­bil. Es gilt zu Recht als ri­si­ko­arm und be­wirkt ei­ne ho­he Wert­schöp­fung. Gu­te Re­gu­lie­rung för­dert das Ver­trau­en und den Ruf des As­set Ma­nage­ment. Ge­for­dert wird we­der ein völ­li­ges Lais­sez-fai­re noch ein ein­schnü­ren­des Kor­sett, son­dern schlicht und ein­fach ei­ne ad­äqua­te Re­gu­lie­rung. Die Auf­sicht ist dann an­ge­mes­sen, wenn sie dem Ge­schäfts­mo­dell ei­nes As­set-Ma­na­gers und den Ri­si­ken, die von ihm aus­ge­hen, Rech­nung trägt.

In der Schweiz fehlt heu­te ei­ne ei­gen­stän­di­ge Re­gu­lie­rung des AM. Ab­hän­gig da­von, ob der As­set-Ma­na­ger Teil ei­ner Bank, ei­ner Ver­si­che­rung, ei­nes Ef­fek­ten­händ­lers, ei­ner Pen­si­ons­kas­se oder ei­ner Fonds­lei­tungs­ge­sell­schaft ist, un­ter­steht er ei­nem an­de­ren Re­gime. So­ge­nann­te un­ab­hän­gi­ge Ver­mö­gens­ver­wal­ter un­ter­ste­hen über­haupt kei­ner pru­den­zi­el­len Auf­sicht, es sei denn, sie ver­wal­te­ten be­stimm­te kol­lek­ti­ve Ka­pi­tal­an­la­gen.

Nicht ei­gen­stän­dig

Das be­ste­hen­de Re­gu­lie­rungs­flick­werk ver­mag den heu­ti­gen An­sprü­chen des Pu­bli­kums nicht mehr zu ge­nü­gen. Es ist im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich nicht kon­kur­renz­fä­hig, ver­zerrt ten­den­zi­ell den Wett- be­werb und birgt – wenn auch auf tie­fem Ni­veau – un­er­wünsch­te Ri­si­ken, wo­bei ins­be­son­de­re das Ver­trau­en in die Qua­li­tät und der gu­te Ruf des As­set Ma­nage­ment auf dem Spiel ste­hen. Dem­ge­gen­über un­ter­ste­hen As­set-Ma­na­ger an den Kon­kur­renz­stand­or­ten im Aus­land ei­ner auf sie zu­ge­schnit­te­nen Auf­sicht, die in vie­len Län­dern mit Ele­men­ten der Selbst­re­gu­lie­rung er­gänzt wird.

Die Tä­tig­keit des As­set Ma­nage­ment stand his­to­risch nicht im Auf­sichts­fo­kus, son­dern blieb aus­sen vor oder wur­de eher zu­fäl­lig von ei­ner Re­gu­lie­rung mit­er­fasst. Es ist des­halb auch nicht ver­wun­der­lich, dass am ei­nen Ort Lü­cken und am an­dern Ort Über­re­gu­lie­rung be­ste­hen.

Ver­schie­de­ne Rol­len

Aus­gangs­punkt ei­ner an­ge­mes­se­nen Re­gu­lie­rung ist das Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al, das vom As­set-Ma­na­ger aus­geht, der Schutz­be­darf sei­ner Adres­sa­ten und das Ver­trau­en auf sei­ne Qua­li­tät und Pro­fes­sio­na­li­tät so­wie die Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät. Ei­ne an­ge­mes­se­ne Re­gu­lie­rung be­rück­sich­tigt fer­ner das Ge­schäfts­mo­dell des Be­auf­sich­tig­ten so­wie sei­ne Grös­se und Be­deu­tung.

Heu­te wer­den aber As­set-Ma­na­ger, die im Ver­si­che­rungs­kon­zern oder in ei­ner Pen­si­ons­kas­se an­ge­sie­delt sind, fak­tisch über­haupt nicht als sol­che be­auf­sich­tigt, son­dern un­ter­ste­hen ei­ner an­de­ren Auf­sicht, eben der für Ver­si­che­run­gen oder Pen­si­ons­kas­sen. Die un­ab­hän­gi­gen Ver­mö­gens­ver­wal­ter, so­weit sie im Kern über­haupt As­set Ma­nage­ment be­trei­ben, blei­ben un­be­auf­sich­tigt. Die­je­ni­gen As­se­tMa­na­ger, die be­stimm­te kol­lek­ti­ve Ka­pi­tal­an­la­gen ver­wal­ten, wer­den dem­ge­gen­über in wei­ten Tei­len wie Ban­ken be­han­delt. Dies be­ginnt bei den über­zo­ge­nen An­for­de­run­gen an die Or­ga­ni­sa­ti­on und die per­so­nel­le Be­set­zung und en­det da­bei, dass vie­le Vor­schrif­ten, die ex­pli­zit für Ban­ken auf­ge­stellt wur­den, di­rekt oder sinn­ge­mäss auf As­set-Ma­na­ger An­wen­dung fin­den. As­set-Ma­na­ger müs­sen in der Pra­xis trotz an­ders lau­ten­den ge­setz­li­chen Grund­la­gen als Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten er­rich­tet wer­den.

Sie müs­sen die ver­schie­de­nen Rol­len meist in Dop­pel­be­set­zun­gen dar­stel­len und sie funk­tio­nal und hier­ar­chisch tren­nen, was in klei­nen Ver­hält­nis­sen oft schwie­rig ist. Sie müs­sen wie Ban­ken ein auf­wen­di­ges in­ter­nes Kon­troll­sys­tem auf­bau­en. Schliess­lich schickt die Fin­ma den As­set-Ma­na­gern je­des Jahr ei­nen pri­vat­wirt­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Wirt­schafts­prü­fer ins Haus, der in ei­ner he­roi­schen Fleiss­übung über­prüft, ob die Be­wil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen wei­ter­hin er­füllt sind.

Un­kla­re Vor­ga­ben der Auf­sicht und der öko­no­mi­sche An­reiz, mög­lichst vie­le Prüf­hand­lun­gen an­zu­stel­len, füh­ren zu ei­ner über­teu­er­ten Übung. Die­ser Auf­sichts­an­satz ver­ur­sacht viel Bü­ro­kra­tie und wird dem ge­rin­gen Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al des AM nicht ge­recht. Das Schies­sen mit Ka­no­nen auf Spat­zen dürf­te zu­dem ge­eig­net sein, den Blick von den wirk­li­chen Pro­blem­be­rei­chen ab­zu­len­ken.

Dass es auch an­ders geht, zei­gen uns die er­folg­reichs­ten As­set-Ma­nage­men­tStand­or­te, wie z. B. New York und Lon­don. Im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich er­teilt die FSA ei­nem As­set-Ma­na­ger ei­ne mass­ge­schnei­der­te Be­wil­li­gung auf Ba­sis des ein­ge­reich­ten Ge­schäfts­plans.

Ein um­fang­rei­ches Re­gel­werk, das FSA Hand­book, bie­tet den Markt­teil­neh­mern und der Auf­sicht Ori­en­tie­rung über sämt­li­che re­le­van­ten Be­lan­ge. Der As­set-Ma­na­ger er­stat­tet dann der Fi­nanz­markt­auf­sicht am En­de je­des Ge­schäfts­jah­res in ei­ner Art Selbst­be­ur­tei­lung ei­nen Be­richt, in dem er dar­legt, ob und wie er die Re­geln be­folgt hat.

Die Auf­sicht wie­der­um nimmt den Be­richt zur Kennt­nis und schrei­tet nur dann zu wei­te­ren Prüf­hand­lun­gen, so­fern es an­hand ih­rer Ri­si­ko­be­ur­tei­lung ge­bo­ten er­scheint. In den USA fin­det der gan­ze Be­wil­li­gungs­pro­zess mit fest vor­ge­ge­be­nen Fris­ten per In­ter­net statt. Auch dort hat die Ei­gen­ver­ant­wor­tung ei­nen gros­sen Stel­len­wert. Der As­set-Ma­na­ger er­stellt zu­han­den der SEC ei­nen Re­chen­schafts­be­richt. Die Selbst­ver­ant­wor­tung wird an bei­den Stand­or­ten mit Straf­an­dro­hun­gen für die Ver­ant­wort­li­chen er­gänzt. Bei al­len Re­geln gibt es na­tür­lich im­mer Be­rei­che mit Un­si­cher­hei­ten. Ne­ben dem kon­struk­ti­ven Aus­tausch mit der Auf­sicht kön­nen sich As­set-Ma­na­ger in pri­vat­wirt­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten «Mock Au­dits» tes­ten las­sen, bei de­nen meist ehe­ma­li­ge Auf­se­her, An­wäl­te, Wirt­schafts­prü­fer ei­ne auf­sichts­recht­li­che Prü­fung si­mu­lie­ren und so zur Qua­li­tät bei­tra­gen.

Chan­ce für die Schweiz

Zur Stär­kung des As­set-Ma­nage­men­tStand­orts ge­hört auch die Ver­bes­se­rung der Re­gu­lie­rung. Ein we­sent­li­ches Ziel muss dar­in be­ste­hen, gleich lan­ge Spies­se zwi­schen den ein­zel­nen Ak­teu­ren im In­land, aber auch mit den­je­ni­gen im Aus­land her­zu­stel­len.

Das ge­plan­te Fi­nanz­dienst­leis­tungs­ge­setz bie­tet die Chan­ce, erst­mals ei­ne auf das je­wei­li­ge Ge­schäfts­mo­dell ei­nes As­set-Ma­na­gers und sein Ri­si­ko­po­ten­zi­al zu­ge­schnit­te­ne und da­mit ad­äqua­te Be­auf­sich­ti­gung zu schaf­fen. Schon vor­her könn­ten in der lau­fen­den Re­vi­si­on der KKV ers­te An­pas­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den und ins­be­son­de­re al­les, was auf ei­ne Gleich­stel­lung mit Ban­ken hin­aus­läuft, ge­stri­chen wer­den. Das Mo­dell, ei­nen Wirt­schafts­prü­fer als ver­län­ger­ten Arm der Auf­sicht ein­zu­set­zen, ist in Rich­tung bes­se­rer Spe­zia­li­sie­rung der Auf­sicht so­wie er­höh­ter Selbst­ver­ant­wor­tung der As­set-Ma­na­ger mit ent­spre­chen­dem Sank­ti­ons­sys­tem zu än­dern. Fe­lix Haldner ist Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied der Part­ners Group.

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