Cla­ri­ant macht gros­sen Schritt vor­wärts

SCHWEIZ Er­folgs­mel­dung zum De­ves­ti­ti­ons­pro­gramm – Mar­ge wird stei­gen – Ab­bau der Ver­schul­dung ge­plant – Noch ste­hen 400 Mio. Fr. Um­satz zur Dis­po­si­ti­on

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Schnel­ler als er­war­tet kommt Cla­ri­ant in der Neu­aus­rich­tung des Port­fo­li­os vor­an. Ziel der An­pas­sung ist die Kon­zen­tra­ti­on auf Ge­schäf­te, die Per­spek­ti­ven ha­ben, rasch wach­sen und über ei­ne wett­be­werbs­fä­hi­ge Markt­po­si­ti­on mit gu­tem Preis­set­zungs­ver­mö­gen ver­fü­gen. Im Zu­ge die­ser auf hö­he­re Pro­fi­ta­bi­li­tät und schnel­le­res Wachs­tum aus­ge­rich­te­ten Stra­te­gie will sich der Spe­zi­al­che­mie­kon­zern bis En­de 2013 von Ak­ti­vi­tä­ten tren­nen, die die­sem Pro­fil nicht ent­spre­chen.

Qua­si als Fest­tags­über­ra­schung hat Cla­ri­ant am Don­ners­tag be­reits ei­nen (gros­sen) Er­folg da­zu ge­mel­det: Für drei der fünf zu ver­äus­sern­den Ge­schäf­te ist ei­ne Lö­sung ge­fun­den wor­den. Tex­ti­le Che­mi­cals, Pa­per Spe­cial­ties und Emul­si­ons ge­hen auf Ba­sis ei­nes Ge­samt­werts von rund 500 Mio. Fr. an die ame­ri­ka­ni­sche In­vest­ment­ge­sell­schaft SK Ca­pi­tal.

Gu­ter Ver­kaufs­preis

«Die Mit­tel aus dem Ver­kauf wer­den pri­mär für den Schul­den­ab­bau ver­wen­det», er­klärt Fi­nanz­chef Patrick Ja­ny auf An­fra­ge. Doch Cla­ri­ant wer­de un­ab­hän­gig da­von auch wei­ter­hin er­gän­zen­de Ak­qui­si­tio­nen ins Au­ge fas­sen, so­fern sich Ge­le­gen­hei­ten er­gä­ben. Per En­de Sep­tem­ber mel­de­te die Ge­sell­schaft ei­ne Net­to­ver­schul­dung von 1,93 Mrd. Fr. Das ent­spricht 2,1-mal dem für 2012 ge­schätz­ten um Son­der­ef­fek­te be­rei­nig­ten Ebit­da (Ge­winn vor Zin­sen, Steu­ern, Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­ti­on; 905 Mio. Fr.) – ei­nem Viel­fa­chen, das im Bran­chen­kon­text eher im obe­ren Be­reich liegt.

Die Trans­ak­ti­on ist vom Ver­wal­tungs­rat bei­der Par­tei­en be­reits ge­neh­migt wor­den und soll bis Mit­te 2013 ab­ge­schlos­sen sein. Die ver­kauf­ten Ge­schäf­te dürf­ten 2012 ge­mäss Cla­ri­ant ei­nen Um­satz von rund 1,2 Mrd. Fr. und ei­nen Ebit­da von et­wa 80 Mio. Fr. er­zie­len. Der Um­satz ent­spre­che cir­ca 15% des Kon­zern­um­sat­zes. Der Ver­kaufs­wert, von dem rund 460 Mio. Fr. in bar ent­rich­tet wer­den, ent­spricht dem 6,3-fa­chen des für 2012 ge­schätz­ten Ebit­da der Ge­schäf­te. Das ist ei­ne an­spre­chen­de Be­wer­tung, die zeigt, dass die frag­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten kei­ne Aus­ver­kaufs­wa­re sind, son­dern in ei­nem an­de­ren Rah­men durch­aus Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al ha­ben.

Die Be­wer­tungs­kenn­zah­len für die von SK Ca­pi­tal er­wor­be­nen Ge­schäf­te lie­gen nur we­nig un­ter den ent­spre­chen­den Wer­ten für die Ge­samt­grup­pe, die Bloom­berg an­hand von Ana­lys­ten­schät­zun­gen er­mit­telt (Un­ter­neh­mens­wert zu Ebit­da: 6,6). Cla­ri­ant selbst ist deut­lich ren­ta­bler, als es die ver­kauf­ten Ak­ti­vi­tä­ten sind. Aus den Ebit­da- und Um­satz­an­ga­ben lei­tet sich für Letz­te­re ei­ne Ebit­da-Mar­ge von knapp 7% ab. Cla­ri­ant hat­te per En­de Sep­tem­ber für den Kon­zern ei­ne be­rei­nig­te Ebit­da-Mar­ge von 11,5% ge­mel­det (un­be­rei­nigt: 10%) und für das gan­ze Jahr ei­nen leicht hö­he­ren Wert in Aus­sicht ge­stellt.

Die Mar­gen­dif­fe­renz ver­deut­licht, was Cla­ri­ant-CEO Ha­riolf Kott­mann un­er­müd­lich be­tont hat: Die De­ves­ti­tio­nen wer­den sich güns­tig auf die Mar­ge aus­wir­ken. Bis En­de 2013 wer­de Cla­ri­ant ein pro­fi­ta­ble­res Un­ter­neh­men sein als heu­te und den über­wie­gen­den Teil des Um­sat­zes mit nicht­zy­kli­schen, wachs­tums­star­ken Ge­schäf­ten er­zie­len, hält er denn auch in der Pres­se­mit­tei­lung zum Ver­trags­ab­schluss

Cla­ri­ant N fest. Un­ter an­de­rem mit­hil­fe des Port­fo­li­o­um­baus strebt Cla­ri­ant bis 2015 ei­ne be­rei­nig­te Ebit­da-Mar­ge von 17% an.

Noch nicht am Ziel

Im Ge­schäft mit Tex­til- und Pa­pier­che­mi­ka­li­en so­wie mit Emul­sio­nen be­schäf­tigt Cla­ri­ant in 35 Län­dern rund 3 000 Per­so­nen, was et­wa 14% der ge­sam­ten Be­leg­schaft ent­spricht. Doch das ist noch nicht al­les: Ha­riolf Kott­mann will 2013 auch die Ge­schäfts­ein­heit De­ter­gents & In­ter­me­dia­tes ab­stos­sen und sich – wie im FuWIn­ter­view vom 14. No­vem­ber kund­ge­tan – zu­dem von Lea­ther Ser­vices tren­nen.

De­ter­gents & In­ter­me­dia­tes stellt Aus­gangs­stof­fe für Wasch­mit­tel und Haus­halts­rei­ni­ger so­wie Zwi­schen­pro­duk­te für die Her­stel­lung von Agro­che­mi­ka­li­en und Phar­ma­zeu­ti­ka her. Lea­ther Ser­vices ist ein Her­stel­ler von Che­mi­ka­li­en und An­bie­ter von Di­enst­leis­tun­gen für die Le­der-

Ak­ti­en­sta­tis­tik ver­ar­bei­tung. Die Bank Von­to­bel schätzt den Um­satz die­ser bei­den Ein­hei­ten auf zu­sam­men rund 400 Mio. Fr.

«Wir sind da­bei, in die­sen Ein­hei­ten ei­ne fi­nan­zi­el­le Ver­selb­stän­di­gung vor­zu­neh­men und ei­nen ent­spre­chen­den Se­pa­ra­ti­ons­plan auf­zu­stel­len», ant­wor­tet CFO Patrick Ja­ny auf die Fra­ge nach dem Stand der Din­ge. Der Vor­gang lau­fe nach Plan ab. Ist das In­ter­es­se ähn­lich gross wie für die nun ver­kauf­ten Ge­schäf­te, darf auch für die­se Ak­ti­vi­tä­ten mit ei­nem gu­ten Ab­schluss in­ner­halb des Zeit­plans aus­ge­gan­gen wer­den. Für Tex­ti­le Che­mi­cals, Pa­per Spe­cial­ties und Emul­si­ons ha­be es an­fäng­lich rund vier­zig Bie­ter ge­ge­ben, stra­te­gi­sche wie Fi­nanz­in­ves­to­ren, sagt Ja­ny; da­von sei­en am En­de für je­des Ge­schäft noch meh­re­re im Ren­nen ge­we­sen.

Für SK Ca­pi­tal ha­be sich Cla­ri­ant sich ent­schie­den, weil de­ren Of­fer­te für Cla­ri­ant und für die Mit­ar­bei­ter die bes­te Lö­sung ge­bo­ten ha­be. Dass die drei Ge- schäf­te zu­sam­men­blei­ben, se­he man po­si­tiv, es sei aber nicht das ein­zi­ge Kri­te­ri­um ge­we­sen. «Wich­tig für uns war, mit SK Ca­pi­tal ei­nen Part­ner ge­fun­den zu ha­ben, mit dem wir ei­nen Preis er­zie­len konn­ten, der den Wert der Ge­schäf­te spie­gelt», un­ter­streicht der Fi­nanz­chef.

Ak­ti­en wei­ter­hin at­trak­tiv

Die pri­va­te In­vest­ment­ge­sell­schaft SK Ca­pi­tal ist auf Spe­zi­al­ma­te­ria­li­en, Che­mi­ka­li­en und Ge­sund­heits­pro­duk­te spe­zia­li­siert und ist für Cla­ri­ant kei­ne Un­be­kann­te. Sie sei ihm und sei­nen Kol­le­gen aus dem Exe­cu­ti­ve Com­mit­tee gut be­kannt, streicht CEO Kott­mann in ei­nem in­ter­nen Schrei­ben her­aus. Der neue Be­sit­zer ha­be ei­nen gu­ten Leis­tungs­aus­weis in der Über­füh­rung von Nicht­kern­ge­schäf­ten grös­se­rer Un­ter­neh­men in selb­stän­di­ge Ein­hei­ten. Zu­dem be­ab­sich­ti­ge er, mit dem heu­ti­gen Ma­nage­ment und der be­ste­hen­den Be­leg­schaft zu­sam­men­zu­ar­bei­ten.

An der Bör­se ist der Ver­trags­ab­schluss mit SK Ca­pi­tal gut an­ge­kom­men. Cla­ri­ant zo­gen am Don­ners­tag bis zu 3,6% auf 12.50 Fr. an und gin­gen 3% be­fes­tigt zu 12.20 Fr. aus dem Han­del (SPI: –0,3%). Den Chan­cen von Cla­ri­ant ist mit die­ser Avan­ce in­des noch nicht voll Rech­nung ge­tra­gen, wie der Jah­res­ab­schluss am 14. Fe­bru­ar in der neu­en Be­richts­struk­tur (vgl. FuW vom 14. No­vem­ber) ver­deut­li­chen wird. Die mass­voll be­wer­te­ten Ti­tel sind des­halb auf mitt­le­re Sicht wei­ter als aus­sichts­reich ein­zu­stu­fen. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Cla­ri­ant im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/CLN

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