Kei­ne Auf­lö­sung im Eu­ro­kri­mi

Kon­ti­nent bleibt wirt­schaft­lich tief ge­spal­ten – Aus­fall­ri­si­ko we­ni­ger akut – Vo­la­ti­li­tät nimmt ab

Finanz und Wirtschaft - - LICK - AN

Eu­ro­pas Wirt­schaft star­tet am Tief­punkt in das neue Jahr. Das ist Chan­ce und Hy­po­thek zu­gleich. Ei­ner­seits be­steht die Hoff­nung, dass es nur noch bes­ser kom­men kann. Das si­gna­li­sie­ren auch wich­ti­ge Früh­in­di­ka­to­ren wie der deut­sche Ifo-In­dex und die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes in meh­re­ren Län­dern. Aber die Wel­le der Ar­beits­platz­ver­lus­te, Steu­er­er­hö­hun­gen und Fir­men­plei­ten lässt kei­nen Spiel­raum, um zu in­ves­tie­ren und mehr zu kon­su­mie­ren. Da­her wer­den die er­hoff­ten grü­nen Kon­junk­tur­schöss­lin­ge im ers­ten Halb­jahr nur zag­haft aus dem Bo­den schies­sen und sehr fra­gil sein.

Eu­ro­pa lässt sich 2013 von Nord nach Süd in drei Wachs­tums­zo­nen tei­len. Nur ganz im Nor­den, in Schwe­den, Nor­we­gen und im Bal­ti­kum, wird die Wirt­schafts­leis­tung zu­frie­den­stel­lend aus­fal­len und re­al mehr als 2% zu­le­gen. Ker­n­eu­ro­pa wird nur lang­sam an Fahrt ge­win­nen, ins­ge­samt eher seit­wärts denn auf­wärts ten­die­ren. Im Sü­den wird sich die Re­zes­si­on fort­set­zen.

In der Eu­ro­schul­den­kri­se wur­den 2012 die fi­nan­zi­el­len Vor­aus­set­zun­gen ge­schaf­fen, um ei­nen Kol­laps der Wäh­rungs­uni­on zu ver­hin­dern. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank hat un­be­grenz­te Hil­fe via An­lei­hen­auf­käu­fe (OMT) ver­spro­chen. Der Ret­tungs­schirm ESM wur­de auf­ge­stockt und auf Ban­ken aus­ge­wei­tet. 2013 geht es so­mit nicht mehr al­lein dar­um, die De­fault-Ge­fahr ein­zu­däm­men, son­dern im Vor­der­grund wird die Fra­ge ste­hen, ob die Schul­den­staa­ten Fort­schrit­te da­bei er­zie­len, ih­re Schief­la­ge aus­zu­ta­rie­ren. Die Märk­te wer­den nach Bes­se­rungs­si­gna­len Aus­schau hal­ten. Lei­der wer­den sie häu­fig ent­täuscht wer­den. In Grie­chen­land zeich­net sich beim bes­ten Wil­len kei­ne Auf­hel­lung ab, und vor al­lem die ehr­gei­zi­gen Pri­va­ti­sie­rungs­zie­le wer­den nächs­tes Jahr für Span­nung sor­gen. In Spa- nien und Ita­li­en macht die Ge­sun­dung nur lang­sa­me Fort­schrit­te. Laut EU-Fahr­plan sol­len in­des Ir­land und Por­tu­gal an die Märk­te zu­rück­keh­ren. Ir­land ist im­mer­hin schon ei­ne Emis­si­on von Staats­an­lei­hen ge­lun­gen, was Hoff­nung schürt. In Por­tu­gal, das ab kom­men­dem Sep­tem­ber erst­mals wie­der auf sich al­lein ge­stellt Ka­pi­tal am Markt auf­neh­men muss, ist das nicht wahr­schein­lich. Das Hilfs­pro­gramm dürf­te ver­län­gert wer­den, was An­le­ger ent­täuscht.

Die po­li­ti­schen Wah­len in Ita­li­en En­de Fe­bru­ar so­wie in Deutsch­land und vor­aus­sicht­lich Ös­ter­reich im Sep­tem­ber wer­den da­ge­gen die Eu­ro­kri­se nicht ver­schär­fen. In Ita­li­en gibt es kei­ne Al­ter­na­ti­ve zum Re­form­kurs Ma­rio Mon­tis. Deutsch­lands Op­po­si­ti­on ist eu­ro­freund­li­cher als die Re­gie­rung.

Die EZB wird die Leit­zin­sen, wenn über­haupt, nur we­nig sen­ken, son­dern auf Li­qui­di­täts­auk­tio­nen und das OMT-Ve­hi­kel set­zen. Die Bond­ren­di­ten in Ker­n­eu­ro­pa wer­den leicht an­zie­hen, die in der Pe­ri­phe­rie et­was tie­fer aus­fal­len. Der Ri­si­ko­auf­schlag (Spre­ad) wird al­so ab­neh­men, aber gros­se Be­we­gun­gen soll­ten nicht er­war­tet wer­den: Ei­ne Ent­span­nung der Eu­ro­kri­se wird da­für sor­gen, dass die Vo­la­ti­li­tät der Ren­di­ten stark ab­nimmt, nicht de­ren Ni­veau.

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