Us-koh­le treibt eu­ro­päi­sche Kraft­wer­ke an

USA Ein­hei­mi­sche Nach­fra­ge rück­läu­fig – Ka­ter nach Über­nah­me­or­gie – Bran­che re­struk­tu­riert und sucht neue Märk­te – Ri­si­ko­fä­hi­ge An­le­ger set­zen auf Pe­abo­dy

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/TRANSPORT - MAR­TIN GOLLMER

Koh­le ist in den USA auf dem ab­stei­gen­den Ast. In der Strom­er­zeu­gung wird sie im­mer häu­fi­ger durch das güns­ti­ge­re und sau­be­re­re Gas er­setzt (vgl. Box). In Eu­ro­pa ist es um­ge­kehrt: Gas­strom ist teu­rer als Koh­le­strom, was das schwar­ze Se­di­ment­ge­stein dort be­gehrt macht. Die US-Koh­le­pro­du­zen­ten kom­pen­sie­ren des­halb die wach­sen­den Lie­fer­aus­fäl­le im ei­ge­nen Land mit ver­mehr­ten Ex­por­ten in eu­ro­päi­sche Län­der. Die Re­struk­tu­rie­run­gen im ame­ri­ka­ni­schen Koh­le­sek­tor dürf­ten den­noch wei­ter­ge­hen.

Über die ver­gan­ge­nen sechs Jah­re ist es den USA dank neu­er Bohr- und För­der­tech­ni­ken ge­lun­gen, rie­si­ge Gas­re­ser­ven in Schie­fer­ge­steins­for­ma­tio­nen des Mitt­le­ren Wes­tens nutz­bar zu ma­chen. Der dar­aus re­sul­tie­ren­de Rück­gang der Gas­prei­se lös­te ei­nen Wech­sel von Koh­le zu Gas in der Strom­er­zeu­gung aus. Die Fol­ge: Der Koh­le­kon­sum in den USA ist rück­läu­fig – zwi­schen den Jah­ren 2011 und 2017 soll er ge­mäss der In­ter­na­tio­na­len Ener­gie­agen­tur (IEA) um wei­te­re 14% fal­len. Das geht aus dem neu­en Koh­le­markt-Mit­tel­frist­be­richt her­vor, den die in Paris an­säs­si­ge Or­ga­ni­sa­ti­on vor Weih­nach­ten pu­bli­ziert hat. «An­ge­sichts der an­hal­tend schwa­chen Nach­fra­ge wäh­rend der Pro­gno­se- pe­ri­ode wer­den Tei­le der Koh­le­indus­trie in den USA in den kom­men­den Jah­ren re­struk­tu­riert und kon­so­li­diert wer­den müs­sen», heisst es im Be­richt.

Das sind schlech­te Aus­sich­ten für den US-Koh­le­markt, in dem im lau­fen­den Jahr be­reits rund 60 Mio. Ton­nen Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen vor­ge­nom­men wur­den. Re­duk­tio­nen in die­ser Hö­he könn­ten ge­mäss IEA al­lein in den Ap­pa­la­chen, der zweit­gröss­ten För­der­re­gi­on des Lan­des, den Ver­lust von 9000 bis 15 000 Stel­len in Mi­nen zur Fol­ge ha­ben. Die IEA er­war­tet, dass der Gross­teil der Kon­so­li­die­rung in der Bran­che in West Vir­gi­nia und Ken­tu­cky statt­fin­den wird, die ge­mes­sen am Brut­to­in­land­pro­dukt zu den zehn ärms­ten Bun­des­staa­ten der USA ge­hö­ren.

Un­ren­ta­ble Zu­käu­fe

Was die La­ge der US-Koh­le­indus­trie – sie ist die zweit­gröss­te der Welt – ver­schlim­mert, ist ei­ne Über­nah­me­wel­le in den Jah­ren 2010/11. Pe­abo­dy Ener­gy kauf­te Macar­thur Co­al in Aus­tra­li­en, Al­pha Na­tu­ral Re­sour­ces er­warb Mas­sey Ener­gy, Arch Co­al zog In­ter­na­tio­nal Co­al Group an sich, und Wal­ter Ener­gy über­nahm die ka­na­di­sche Wes­tern Co­al. Die ge­kauf­ten Ak­ti­va sind jetzt we­ni­ger wert als die Prei­se, die da­für be­zahlt wer­den muss­ten. Mit den Über­nah­men woll­ten sich die US-Ge­sell­schaf­ten in der Re­gel vor al­lem im Be­reich der me­tall­ur­gi­schen Koh­le ver­stär­ken, die für die Stahl­her­stel­lung ver­wen­det wird. Doch die Stra­te­gie schlug fehl, weil die Stahl­in­dus­trie an­ge­sichts ei­nes ab­flau­en­den Wirt­schafts­wachs­tums in den Schwel­len­län­dern – und dort vor al­lem in Chi­na – schwä­chel­te und die Prei­se für me­tall­ur­gi­sche Koh­le in der Fol­ge nach­ga­ben.

Da­für und für die rück­läu­fi­ge ein­hei­mi­sche Nach­fra­ge muss­ten ei­ni­ge USKoh­le­her­stel­ler be­reits büs­sen. Am här­tes­ten traf es Pa­tri­ot Co­al, die im ver­gan­ge­nen Ju­li Bank­rott an­mel­de­te und um Gläu­bi­ger­schutz ge­mäss Ka­pi­tel 11 des ame­ri­ka­ni­schen In­sol­venz­rechts nach­such­te. Al­pha Na­tu­ral Re­sour­ces konn­te die­sen Schritt ver­mei­den, muss­te aber im Sep­tem­ber ei­ne Pro­duk­ti­ons­kür­zung um 16 Mio. Ton­nen (15% des ge­sam­ten Out­puts im Jahr 2011) bis Früh­jahr 2013 so­wie ei­nen Ab­bau von 1200 Stel­len (9% des Per­so­nal­be­stands) be­kannt­ge­ben.

Bes­ser schlug ei­ne an­de­re Stra­te­gie ein, um die rück­läu­fi­ge ein­hei­mi­sche Koh­le­nach­fra­ge zu kom­pen­sie­ren: Er­hö­hung der Ex­por­te. Da­bei lief vor al­lem das Ge­schäft mit Eu­ro­pa gut. Dort ist die Si­tua­ti­on auf dem Ener­gie­markt an­ders als in den USA. In Eu­ro­pa sind näm­lich die Gas­prei­se vie­ler­orts an die ho­hen No­tie­run­gen für Öl ge­bun­den, so­dass Koh­le für die Strom­er­zeu­gung at­trak­tiv bleibt.

Die US-Ex­por­te des schwar­zen Se­di­ment­ge­steins nach eu­ro­päi­schen Län­dern konn­ten denn auch in der ers­ten Hälf­te 2012 um 24% auf 66 Mio. Ton­nen ge­stei­gert wer­den. Mehr als die Hälf­te der USKoh­le­ex­por­te (was 13% der ein­hei­mi­schen Pro­duk­ti­on ent­spricht) ging da­mit nach Eu­ro­pa. Die ame­ri­ka­ni­schen Aus­fuh­ren sind Teil ei­nes welt­um­span­nen­den Koh­le­han­dels auf dem See­weg (vgl. Gra­fik).

Ge­gen­läu­fi­ge Trends

Die IEA pro­gnos­ti­ziert zwar, dass die Koh­le welt­weit bis 2017 fast zum Öl auf­schlies­sen wird (vgl. Chart), warnt aber zu­gleich, dass ihr An­teil an der eu­ro­päi­schen Elek­tri­zi­täts­pro­duk­ti­on in Zu­kunft sin­ken könn­te. Grund sind die wei­ter­hin zu­neh­men­de Strom­er­zeu­gung aus er­neu­er­ba­ren Qu­el­len wie Son­ne und Wind so­wie die Aus­ser­dienst­stel­lung al­ter Koh­le­kraft­wer­ke oh­ne ge­nü­gen­de Ab­gas­ver­mei­dungs­tech­no­lo­gie.

In­ves­ti­tio­nen in US-Koh­le­pro­du­zen­ten sind ri­si­ko­reich. An­le­ger, die ihr Glück trotz­dem ver­su­chen wol­len, kön­nen auf Pe­abo­dy Ener­gy set­zen. Sie ist so­li­de fi­nan­ziert, füh­rend in der Pro­duk­ti­on sau­be­rer Koh­le und be­sitzt mit Macar­thur Co­al in Aus­tra­li­en ei­ne gu­te Po­si­ti­on, von wo aus die koh­le­hung­ri­gen asia­ti­schen Märk­te be­lie­fert wer­den kön­nen.

Pe­abo­dy Ener­gy

Glo­ba­les fos­si­les Ener­gie­an­ge­bot

A

Tag­bau- Koh­le­mi­ne im Pow­der Ri­ver Ba­sin im US-Bun­des­staat Wyo­ming.

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