Die ame­ri­ka­ni­schen Ei­sen­bahn­ge­sell­schaf­ten blei­ben ge­fragt

USA Trans­port­vo­lu­men des Um­satz­trä­gers Koh­le sinkt – Lü­cke kann teil­wei­se durch an­de­re Ener­gie­trä­ger ge­schlos­sen wer­den – Bran­che ist at­trak­tiv be­wer­tet

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/TRANSPORT - FRANK HEI­NI­GER

Lan­ge Jah­re führ­ten die US-Koh­le­indus­trie und die na­tio­na­len Ei­sen­bahn­ge­sell­schaf­ten ei­ne bei­na­he sym­bio­ti­sche Be­zie­hung: Der Trans­port des Ener­gie­trä­gers wur­de haupt­säch­lich über die Schie­ne ab­ge­wi­ckelt, wäh­rend die Fracht­zü­ge gleich­zei­tig den Koh­le­ver­brauch an­kur­bel­ten. Doch auch heu­te noch spielt Koh­le für den Ge­schäfts­gang der Trans­port­in­dus­trie ei­ne fun­da­men­ta­le Rol­le. Mit ei­nem An­teil von 25% lie­fer­te sie 2011 den gröss­ten Um­satz­bei­trag. Die Ei­sen­bahn­ge­sell­schaf­ten sind des­halb be­son­ders ge­for­dert, die sin­ken­de Re­le­vanz von Koh­le (vgl. Ar­ti­kel oben) an­der­wei­tig zu kom­pen­sie­ren.

Deut­lich ge­fal­le­ne Vo­lu­men

Ei­nen Vor­ge­schmack künf­ti­ger Trends bot be­reits das lau­fen­de Jahr. Die trans­por­tier­ten Koh­le­vo­lu­men ver­rin­ger­ten sich ge­gen­über 2011 mas­siv (vgl. Gra­fik) – wo­zu al­ler­dings An­fang Jahr auch die un­üb­lich mil­den Tem­pe­ra­tu­ren bei­tru­gen. Die Schwä­che zeig­te sich et­wa in den Ge­schäfts­zah­len von CSX: Der Um­satz der Num­mer vier, die die wich­ti­gen Koh­le­vor­kom­men in den Ap­pa­la­chen ab­deckt und des­halb über­durch­schnitt­lich stark ex­po­niert ist, sta­gnier­te. Kein Wun­der ver­lo­ren die CSX-Ak­ti­en an Ter­rain.

Die Ängs­te der In­ves­to­ren sind al­ler­dings nicht ge­recht­fer­tigt. Ei­ner­seits kön­nen die Lie­fer­aus­fäl­le im na­tio­na­len Koh­le­ver­kehr mit stei­gen­den Ex­por­ten (et­wa nach Eu­ro­pa) ab­ge­fe­dert wer­den. An­de-

Uni­on Pa­ci­fic rer­seits wird die Lü­cke teil­wei­se mit Ölund Gas­trans­por­ten ge­schlos­sen – vor al­lem weil es noch dau­ern wird, bis die nö­ti­gen Pi­pe­lineka­pa­zi­tä­ten auf­ge­baut sind.

Zu­dem pro­fi­tiert die Bran­che vom Boom von Schie­fer­gas und -öl: Für das hier an­ge­wand­te Fracking (hy­drau­li­sche Riss­bil­dung) müs­sen gros­se Men­gen an Was­ser, Sand und Che­mi­ka­li­en in den Un­ter­grund ge­presst wer­den. Da­bei be­nö-

Trans­por­tier­te Koh­le­vo­lu­men tigt je­de Boh­rung im Schnitt vier­zig Wa­gen­la­dun­gen an Ma­te­ria­li­en, die zu­dem re­la­tiv ho­he Mar­gen ab­wer­fen.

Auch sonst ste­hen die Zei­chen für die Ei­sen­bahn­kon­zer­ne auf Wachs­tum. Auf­grund stei­gen­der Löh­ne in Chi­na oder In­di­en wird es im­mer at­trak­ti­ver, Ar­beits­plät­ze nä­her an die USA her­an­zu­brin­gen («ne­ar sour­cing») – vor al­lem wenn man Fak­to­ren wie Si­cher­heit, po­li­ti­sche Sta­bi­li­tät, Trans­port- und Zoll­ge­büh­ren so­wie die Nä­he zum Ab­satz­markt ein­be­zieht. So rech­net et­wa Kan­sas Ci­ty Sou­thern, die als ein­zi­ger gros­ser Bran­chen­ver­tre­ter ein Schie­nen­netz süd­lich der US-Gren­ze be­treibt, mit ei­ner Ver­schie­bung gros­ser Ka­pa­zi­tä­ten von Asi­en nach Me­xi­ko. Laut staat­li­chen Pro­gno­sen dürf­te hier die Au­to­pro­duk­ti­on bis 2015 um 30 bis 40% zu­le­gen – mit dem pri­mä­ren Ziel, das nörd­li­che Nach­bar­land zu ver­sor­gen.

Ho­he Ein­tritts­bar­rie­ren

Auch an­de­re lang­fris­ti­ge Trends spre­chen für die Schie­ne. Ge­trie­ben vom Be­völ­ke­rungs­wachs­tum dürf­ten die US-Fracht­vo­lu­men bis 2020 um 25% zu­neh­men. Und be­reits jetzt kann das schlech­te Stras­sen­netz die Flut kaum mehr be­wäl­ti­gen. Zu­dem birgt der Fakt, dass die Ei­sen­bahn­ge­sell­schaf­ten ih­re ei­ge­nen Stre­cken­net­ze bau­en und un­ter­hal­ten, di­ver­se Vor­tei­le: Die Ein­tritts­bar­rie­ren im Markt sind hoch und ver­schaf­fen den eta­blier­ten Kon­zer­nen ei­ne gros­se Preis­set­zungs­macht.

Nor­folk Sou­thern und CSX wei­sen für 2013 ein at­trak­ti­ves Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 11 auf. Zu­dem dürf­ten die Ti­tel mit 3,4 re­spek­ti­ve 2,8% ren­tie­ren. Bei­de Kon­zer­ne pro­fi­tie­ren zu­dem von ei­ner Stei­ge­rung ih­rer Be­triebs­ef­fi­zi­enz: Jüngst hat das CSX-Ma­nage­ment be­kräf­tigt, das Ope­ra­ting Ra­tio (An­teil Be­triebs­kos­ten am Um­satz) bis 2015 um 5 Pro­zent­punk­te auf 65% sen­ken zu kön­nen.

Nach grös­se­ren Avan­cen wer­den Uni­on Pa­ci­fic mit ei­nem KGV 2013 von 13 ge­han­delt. Das dürf­te das Kur­s­po­ten­zi­al ein­schrän­ken. Das glei­che gilt für Kan­sas Ci­ty Sou­thern: Zwar sind die ope­ra­ti­ven Aus­sich­ten vor­teil­haft. So dürf­te der Fracht­trans­port zwi­schen den USA und Me­xi­ko kon­ti­nu­ier­lich zu­neh­men. Mit ei­nem ho­hen KGV 2013 von 20 schei­nen die Va­lo­ren vor­erst aber aus­ge­reizt zu sein.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.