Dem SMI geht die Luft nicht aus

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - AL­FONS COR­TÉS

War­um der SMI und nicht der brei­te­re SPI? Weil ich In­di­zes nicht als gros­se In­for­man­ten über ei­nen Markt be­trach­te, da­für muss man tie­fer schür­fen. Ich se­he sie als An­la­ge­ka­te­go­rie, mit der je­de ei­ner Kauf­über­le­gung wür­di­ge Ak­tie kon­kur­rie­ren muss. Der SMI kann im Ge­gen­satz zum SPI über hoch­li­qui­de Fu­tures und vie­le ETF ge­kauft wer­den.

Wer die­se Ko­lum­ne zum ers­ten Mal liest, er­war­tet viel­leicht ei­ne Pro­gno­se: Wo steht der SMI in ei­nem Jahr? Ver­geb­lich, denn ich hal­te Pro­gno­sen in Ab­wand­lung ei­nes Dik­tums von Karl Marx als Opi­um fürs Volk. Ers­tens sind sie in ei­nem kom­ple­xen Sys­tem nicht mög­lich. Dass sie ver­langt und ab­ge­ge­ben wer­den, be­weist nicht das Ge­gen­teil. Dass die meis­ten sich in der Ge­schich­te als falsch her­aus­stel­len, ist schon eher ei­ne Be­stä­ti­gung. Zwei­tens dürf­te es Leu­te ge­ben, die sich dar­auf ver­las­sen und viel zu spät re­agie­ren, wenn der Markt ei­ne an­de­re Rich­tung ein­schlägt.

Die Ge­gen­wart dau­ert lan­ge

Ich be­schrän­ke mich dar­auf, die Ge­gen­wart auf den Punkt zu brin­gen. Sie be­zieht sich nicht auf ei­nen Preis, son­dern auf ei­ne Struk­tur, in der Nach­rich­ten aus­ge­wählt und ver­ar­bei­tet wer­den. Der Vor­teil die­ses An­sat­zes wird von der Ge­schich­te be­legt: Sol­che Struk­tu­ren stel­len ein Ver­hält­nis zwi­schen zwei Par­tei­en, den Bul­len und den Bä­ren, dar. Ers­tens dau­ern sie in Form von Trends lan­ge, und zwei­tens si­gna­li­sie­ren sie recht deut­lich, wenn sie zu En­de ge­hen. Bei­des liegt da­ran, dass nicht die, die a prio­ri aka­de­misch recht ha­ben, auch recht be­kom­men, son­dern dass die, die in der Früh­pha­se ei­ner neu­en Struk­tur­bil­dung Er­folg hat­ten, ko­piert wer­den.

Ein Bör­sen­zy­klus ent­steht da­durch, dass die Er­war­tun­gen der Er­folg­rei­chen von an­de­ren über­nom­men wer­den. Meis­tens führt dies zu Ex­zes­sen, wie z. B. im März 2003. Die er­folg­rei­che Par­tei wa­ren zu­vor acht­zehn Mo­na­te lang die Bä­ren. Mit dem Aus­ver­kauf im März än­der­te sich das. Seit­her ist der SMI rund 64% ge­stie­gen. Von Ju­ni bis Au­gust letz­ten Jah­res fand ein grös­se­rer Rück­schlag statt, oh­ne dass sich am SMI struk­tu­rell et­was ver­än­dert hät­te. Ich schrieb ab 17. Au­gust 2011 meh­re­re Ko­lum­nen über sich bie­ten­de Con­tra­ri­an-Chan­cen. Es ging dar­um, ei­ne Pa­nik im Rah­men ei­nes Bul­len­mark­tes zum Kau­fen zu nut­zen.

Der Bul­len­markt lebt

Der Bul­len­markt ist un­ver­än­dert in Kraft – im SMI, in den meis­ten EU-Län­dern, in ab­ge­schwäch­ter Form in den USA und in un­ter­schied­li­cher Au­s­prä­gung in zahl­rei­chen asia­ti­schen Märk­ten. Wie weit er noch geht, weiss ich nicht. Ich weiss aber, wel­che Si­gna­le sein En­de an­deu­ten wer­den: ei­ne «Bla­se» im 20-Mo­na­te-Bol­lin­ger-Band als Fol­ge ex­zes­si­ver Er­war­tun­gen oder in Form zeit­rau­ben­der trend­lo­ser Vo­la­ti­li­tät wie von Ju­li 1998 bis Au­gust 2000.

Im glo­ba­len Ver­gleich steht der SMI im Mit­tel­feld. Im MSCI Welt ist die Schweiz mit ei­ner Ge­wich­tung von 3,75% zu­sam­men mit Aus­tra­li­en auf dem sieb­ten Platz noch vor Deutsch­land mit 3,64%. Hö­her als 4% wür­de ich den SMI in kei­nem Port­fo­lio se­hen wol­len. Das schliesst aber nicht aus, dass schwei­ze­ri­sche Ti­tel, die ei­ne po­si­ti­ve re­la­ti­ve Stär­ke zum stärks­ten In­dex, zum Eu­ro Sto­xx 50, ha­ben, die Quo­te an Schwei­zer Ak­ti­en hö­her stei­gen las­sen. Für mich sind die Gren­zen von Fi­nanz­an­la­gen nicht die Gren­zen von Staa­ten, son­dern die­je­ni­gen, die Rechts­si­cher­heit, Li­qui­di­tät und Trans­pa­renz set­zen.

SMI Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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