Die St. Gal­ler KB krem­pelt das Pri­va­te Ban­king um

SCHWEIZ Ren­ta­bi­li­tät deut­lich ge­sun­ken – Net­to­geld­ab­fluss – Zins­ge­schäft als tra­gen­der Pfei­ler

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - AR­NO SCHMOCKER

Zum ers­ten Mal seit vier Jah­ren wird die St. Gal­ler Kan­to­nal­bank heu­er mit ei­nem hö­he­ren Ge­winn ab­schlies­sen. Wäh­rend der Haupt­pfei­ler, das Zins­ge­schäft, nach wie vor sehr so­li­de Re­sul­ta­te lie­fert, ist die Grup­pe im Pri­va­te Ban­king so­wohl mit kon­junk­tu­rel­len wie mit struk­tu­rel­len Dämp­fern kon­fron­tiert.

Kon­kre­te Zah­len lie­fert CEO Ro­land Le­der­ger­ber kurz vor dem Schlies­sen der Bü­cher kei­ne. An der Jah­res­pro­gno­se ei­ner leich­ten Ge­winn­stei­ge­rung hält er je­doch fest. Er­trag und Kos­ten hät­ten sich ähn­lich wie im ers­ten Se­mes­ter ent­wi­ckelt (+1,4% resp. –1,7%). Das Kre­dit­ge­schäft wach­se er­freu­lich, aber nicht über­trie­ben, und die Ri­si­ken wie­sen im­mer noch ei­ne po­si­ti­ve Ent­wick­lung auf.

Noch kei­ne Warn­si­gna­le

«Der Im­mo­bi­li­en­markt in der Ost­schweiz ist ro­bust. Hot Spots im Markt­ge­biet, die uns Sor­gen be­rei­ten könn­ten, ha­ben wir kei­ne», er­läu­tert der seit bald fünf Jah­ren am­tie­ren­de Prä­si­dent der Kon­zern­lei­tung. Im Fir­men­ge­schäft hät­ten die ex­port­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men zwar mit här­te­ren Be­din­gun­gen zu kämp­fen, doch wür­den die not­wen­di­gen Mass­nah­men re­so­lut ge­trof­fen. «Al­le Früh­warn­in­di­ka­to­ren wie Zah­lungs­aus­stän­de, Amor­ti­sa­ti­ons­aus­stän­de oder die Be­an­spru­chung von Be­triebs­kre­dit­li­mi­ten, sind im grü­nen Be­reich», be­tont Le­der­ger­ber. Aber auch ihm ist klar, dass die Kre­dit­aus­fäl­le frü­her oder spä­ter wie­der zu­neh­men wer­den.

Schwach­punkt der Grup­pe ist seit ge­rau­mer Zeit das Kom­mis­si­ons­ge­schäft. Die St. Gal­ler Kan­to­nal­bank (SGKB) – mit ei­ner Bi­lanz­sum­me von 27,4 Mrd. Fr. fünft­gröss­tes Staats­in­sti­tut – weist seit der Über­nah­me der ehe­ma­li­gen UBS-Toch­ter Hy­po­s­wiss 2002 und der Gen­fer Toch­ter der Ang­lo Irish Bank En­de 2007 un­ter den Kan­to­nal­ban­ken mit 37% (Mit­te 2012) ei­nen der höchs­ten An­tei­le des Pri­va­te Ban­king am Ge­samt­er­trag auf.

«40% struk­tu­rell weg»

Ziel ist ein aus­ge­gli­che­nes Ver­hält­nis zwi­schen Kom­merz­ge­schäft und Pri­vat Ban­king. Das zu er­rei­chen, wird dau­ern. Denn die «Er­trags­me­cha­nik» im Pri­va­te Ban­king, sagt Ro­land Le­der­ger­ber, ha­be sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren dau­er­haft ver­än­dert. Nied­ri­ge­res Wachs­tum, schrump­fen­de Brut­to­mar­gen so­wie gleich­zei­tig hö­he­re Kos­ten und Ri­si­ken ha­ben den Ge­winn er­heb­lich ge­schmä­lert (vgl. Gra­fik).

Die Kan­to­nal­bank passt sich ans här­te­re Um­feld an. Das Ge­schäfts­mo­dell im Pri­va­te Ban­king ist we­ni­ger kom­plex ge­stal­tet wor­den. Um Kos­ten zu spa­ren, be­ar­bei­tet Hy­po­s­wiss we­ni­ger Märk­te als frü­her. Aus dem Ge­schäft mit US-Kun­den will sie ganz aus­stei­gen. IT und Back­of­fice der Hy­po­s­wiss wur­den an den Haupt­sitz der Kan­to­nal­bank ver­la­gert. Am Stand­ort Genf wur­de der Be­triebs­auf­wand 20 bis 25% ge­senkt, so­dass es ge­mäss Le­der­ger­ber für die dor­ti­ge Toch­ter «kei­ne An­zei­chen» ei­nes Good­wil­l­ab­schrei­bers gibt.

Wie steht es um die Per­spek­ti­ven im Pri­va­te Ban­king der SGKB? Die gu­te Per­for­mance an der Bör­se 2012 hat sich kaum auf das Ver­trau­en der An­le­ger aus­ge­wirkt. «Nach wie vor sind et­wa 40% der Kun­den­ver­mö­gen in Li­qui­di­tät an­ge­legt», sagt

Ren­ta­bi­li­tät Pri­va­te Ban­king Le­der­ger­ber. Der Er­trag blei­be weit von dem aus der Zeit vor der Fi­nanz­kri­se ent­fernt. Vom Ein­bruch der Brut­to­mar­ge kön­ne die Bank «viel­leicht 60% über die Zeit zu­rück­ho­len», meint er. «Doch 40% sind struk­tu­rell weg.» Im­mer­hin ha­be die Brut­to­mar­ge auf dem Ni­veau von 68 Ba­sis­punk­ten (0,68% der ver­wal­te­ten Kun­den­ver­mö­gen) Bo­den ge­fun­den.

Für 2013 ist wie­der­um ein et­was hö­he­rer Grup­pen­ge­winn zu er­war­ten. Le­der­ger­ber rech­net mit hö­he­rem Kre­dit­vo­lu­men, gleich­blei­ben­den oder nied­ri­ge­ren Kos­ten und ei­nem un­ver­än­der­ten Kom­mis­si­ons­er­trag. Letz­te­res ist ei­ne Her­aus­for­de­rung: Die Grup­pe wird für 2012 ver­mut­lich ei­nen Net­to­geld­ab­fluss ver­bu­chen. Schon bis zur Jah­res­mit­te ver­lor sie per sal­do 215 Mio. Fr., die Hy­po­s­wiss al­lein ge­gen 1 Mrd. Fr. (zwei gros­se Kun­den­po­si­tio­nen, zu­dem v. a. USA und Deutsch­land). Le­der­ger­ber be­dau­ert, dass mit Deutsch­land kein Ab­gel­tungs­steu­er­ab­kom­men zu­stan­de kam. Die Deut­schen sind die gröss­te aus­län­di­sche Kun­den­grup­pe der Bank. Der CEO rech­net da­mit, dass der Ver­mö­gens­rück­zug (ers­tes Se­mes­ter: 140 Mio. Fr.) von deut­schen Kun­den «kon­ti­nu­ier­lich an­hält».

Die schwie­ri­ge La­ge im Pri­va­te Ban­king spie­gelt sich in der Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung. Ver­gli­chen mit ähn­lich gros­sen Kan­to­nal­ban­ken in der Deutsch­schweiz (Lu­zern, Grau­bün­den) ist die SGKB nied­ri­ger be­wer­tet, so­wohl was das Kurs-Buch­wer­tVer­hält­nis (1.12, ver­sus 1.37 und 1.46) wie das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (14, ver­sus 15 und 18) be­trifft.

Die Ak­tio­nä­re ha­ben seit der Pu­bli­kums­öff­nung im März 2001 zwei Pha­sen er­lebt: ei­ne er­folg­rei­che bis Mit­te 2007, in der sich der Kurs mehr als ver­vier­fach­te, und ei­ne Pha­se un­ter­durch­schnitt­li­cher Ent­wick­lung da­nach (vgl. Kurs­gra­fi­ken). Wer von An­fang an als Teil­ha­ber da­bei war, hat bis heu­te ei­ne durch­schnitt­li­che Ge­samt­per­for­mance (in­klu­si­ve Di­vi­den­den) von 20% pro Jahr auf dem Kon­to. Die Di­vi­den­de ist, ty­pisch für ko­tier­te Kan­to­nal­ban­ken, nicht zu un­ter­schät­zen. Den Kur­szer­fall seit Mit­te 2007 hat sie na­he­zu wett­ge­macht. Das legt den Schluss na­he, dass der Mo­ment ge­kom­men ist, in den Ak­ti­en wie­der Po­si­tio­nen auf­zu­bau­en. Al­le Fi­nanz­da­ten zu SGKB im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/SGKN

CEO Ro­land Le­der­ger­ber rech­net mit an­hal­ten­dem Ver­mö­gens­rück­zug deut­scher Kun­den.

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