Glücks­kä­fer

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - FH

Lan­ge ist es her, als die stol­ze See­fah­rer­na­ti­on Por­tu­gal noch zu den mäch­tigs­ten Staa­ten der Welt ge­hör­te. In­zwi­schen zählt das Land mit ei­nem ho­hen Haus­halt­de­fi­zit und sin­ken­der Pro­duk­ti­vi­tät zu den Sor­gen­kin­dern Eu­ro­pas. Trotz­dem dar­ben nicht sämt­li­che por­tu­gie­si­schen Un­ter­neh­men. So ist et­wa Jeró­ni­mo Mar­tins (Lis­s­a­bon: JMT, 14.73 € am Frei­tag, 9,3 Mrd. € Bör­sen­wert) blen­dend un­ter­wegs – wenn auch das Wachs­tum der De­tail­han­dels­ket­te zum gros­sen Teil auf der er­folg­rei­chen Ex­pan­si­on in Po­len be­ruht.

Die Wur­zeln des Un­ter­neh­mens rei­chen bis 1792 zu­rück. Da­mals er­öff­ne­te der jun­ge Ga­li­zier Jeró­ni­mo Mar­tins in der flo­rie­ren­den Ha­fen­stadt Lis­s­a­bon ei­nen Ge­mischt­wa­ren­la­den, mit dem er rasch zum Haupt­lie­fe­ran­ten der Bot­schaf­ten auf­stieg. Ei­ni­ge Ge­ne­ra­tio­nen spä­ter, Mit­te des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts, ex­pan­dier­te das Un­ter­neh­men in die Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on (Mar­ga­ri­ne, Spei­se­ö­le). Noch beim Bör­sen­gang 1989 war die­se Spar­te für 60% des Ge­winns ver­ant­wort­lich.

In den fol­gen­den Jah­ren wand­te sich der Kon­zern wie­der ver­mehrt dem De­tail­han­del zu. In Por­tu­gal über­nahm er Su­per­und Hy­per­märk­te und drang in das Cas­hand-Car­ry-Ge­schäft ein. Auch in Po­len, Gross­bri­tan­ni­en und Bra­si­li­en wur­de fleis­sig da­zu­ge­kauft – was letzt­lich die Bi­lanz über­stra­pa­zier­te und 2001 bei­na­he im Bank­rott mün­de­te. Es kam zu ei­ner dras­ti­schen Um­struk­tu­rie­rung, die noch im­mer das ak­tu­el­le Bild des Kon­zerns prägt.

Seit man sich auf Por­tu­gal und Po­len kon­zen­triert, wan­delt Jeró­ni­mo Mar­tins auf dem Er­folgs­pfad. Je­des Jahr konn­te der Ge­winn aus­ge­baut wer­den. Das ist vor al­lem der pol­ni­schen Su­per­markt­ket­te Biedron­ka (Ma­ri­en­kä­fer) zu ver­dan­ken, die jüngst die zwei­tau­sends­te Zweig­stel­le er­öff­ne­te. In­zwi­schen trägt Biedron­ka 60% zum Um­satz der Mut­ter­ge­sell­schaft bei. Über die letz­te De­ka­de stieg die Ge­winn­mar­ge der Toch­ter ste­tig. Das ist ei­nem an Al­di und Lidl er­in­nern­den Be­triebs­kon­zept zu ver­dan­ken: Wie die deut­schen Dis­coun­ter ope­riert Biedron­ka mit ein­fach ge­stal­te­ten Ge­schäf­ten und kann ver­stärkt Grös­sen­vor­tei­le im Ein­kauf nut­zen.

Jeró­ni­mo Mar­tins dürf­te wei­ter­hin vom dy­na­mi­schen Bin­nen­markt Po­lens pro­fi­tie­ren. Dar­auf deu­te­ten En­de Ok­to­ber die gu­ten Quar­tals­zah­len hin. Das Ma­nage­ment hielt an der Pro­gno­se fest, 2012 den Um­satz im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich zu stei­gern. Po­ten­zi­el­ler Wachs­tums­trei­ber ist die Ex­pan­si­on in Ko­lum­bi­en, die zur­zeit vor­be­rei­tet wird. Hier sol­len 2013 bis zu vier­zig Lä­den er­öff­net wer­den.

Zu den Stär­ken ge­hört aus­ser­dem die so­li­de Bi­lanz. Die Net­to­schul­den­last wur­de ver­rin­gert und be­trug En­de Sep­tem­ber noch 236 Mio. €. Auch hat sich das Ma­nage­ment dem Ziel ver­schrie­ben, 40 bis 50% des Ge­winns aus­zu­schüt­ten. Zur­zeit ren­tie­ren die Va­lo­ren mit 2,2%. Die Be­wer­tung nimmt je­doch schon ei­ni­ges vor­weg: Jeró­ni­mo Mar­tins wer­den mit ei­nem statt­li­chen Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2013 von 20 ge­han­delt. Rück­schlä­ge kön­nen aber zum Zu­kauf ge­nutzt wer­den.

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