2013 wird gut für Gold

Geld­po­li­tik und Un­si­cher­heit be­güns­ti­gen Gold im nächs­ten Jahr – Doch ab 2014 droht der Ab­sturz

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - ELI­SA­BETH TES­TER,

GLetz­tes gu­tes Jahr

old wird 2013 noch­mals teu­rer. Ab 2014 dürf­te sein Preis je­doch mar­kant fal­len. So lau­te­te der Kon­sens der Gold­ex­per­ten am Chi­na Gold & Pre­cious Me­tals Sum­mit. För­de­rer, Ver­ar­bei­ter, Händ­ler und In­ves­to­ren dis­ku­tier­ten im De­zem­ber in Schang­hai über die fun­da­men­ta­len Ein­fluss­fak­to­ren für Gold in­mit­ten glo­ba­ler Wirt­schafts­ab­küh­lung und mo­ne­tä­rer Sti­mu­li.

In den letz­ten Jah­ren sprach al­les für Gold: die Geld­schwem­me, die schon vor dem Kol­laps von Leh­man Bro­thers vor vier Jah­ren ein­ge­setzt hat­te, die glo­ba­le Fi­nanz- und die eu­ro­päi­sche Schul­den­kri­se, die Su­che der In­ves­to­ren nach Ver­si­che­rungs­schutz, si­che­rem Ha­fen und Wäh­rungs­er­satz. Zu­dem bie­ten An­la­ge­pro­duk­te wie phy­sisch hin­ter­leg­te In­dex­fonds (ETF) dem In­ves­tor seit sechs Jah­ren ein­fa­chen Zu­gang zum ed­len Me­tall, und Schwel­len­län­der so­wie Zen­tral­ban­ken kauf­ten mun­ter. Der Gold­preis hat sich seit 2002 ver­sechs­facht, zum Hö­he­punkt der Fi­nanz­kri­se klet­ter­te er 20 bis 30% pro Jahr – die­ses Jahr wa­ren es bis­lang knapp 6%. Wie geht es wei­ter? Sol­len In­ves­to­ren ih­re Ge­win­ne rea­li­sie­ren, oder ist der Gol­dboom noch nicht zu En­de? Als wich­tigs­ter ein­zel­ner Trei­ber des Gold­prei­ses gel­ten die rea­len Zin­sen (vgl. Gra­fik). Und die­se wer­den noch län­ge­re Zeit tief blei­ben und so­mit die Op­por­tu­ni­täts­kos­ten des Hal­tens von Gold – das ed­le Me­tall zahlt we­der Cou­pon noch Di­vi­den­de – tief hal­ten. Do­mi­nic Schnider, Lei­ter Com­mo­di­ty Re­se­arch von UBS We­alth Ma­nage­ment und Re­fe­rent am Kon­gress, er­läu­ter­te ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft» den be­grenz­ten fis­ka­li­schen Spiel­raum der USA.

Der US-Kon­su­ment sei im­mer noch schwach, des­halb wer­de das Geld­dru­cken nicht so bald auf­hö­ren. Die Zen­tral­ban­ken hät­ten Geld mit Un­si­cher­heit be­haf­tet, was für Wirt­schaft und Ge­sell­schaft schlim­mer sei als der rei­ne Ver­lust der Kauf­kraft der Wäh­rung. Der Dol­lar blei­be vor­läu­fig un­ter Druck, die Edel­me­tal­le sei­en die Li­qui­di­täts­ge­win­ner.

Er be­stä­tigt den po­si­ti­ven Aus­blick für Gold; auf drei Mo­na­te er­war­tet UBS ei­nen Preis von 1950 $ pro Un­ze, auf zwölf Mo­na­te 1875 $. Per En­de 2013 emp­fiehlt er Gold je­doch zu ver­kau­fen: «Im Jahr 2015 dürf­ten we­gen der Wirt­schafts­er­ho­lung in den USA und welt­weit die Re­al­zin­sen po­si­tiv wer­den. Der In­ves­tor nimmt das vor­weg und schich­tet Gold in an­de­re An­la­ge­klas­sen um. Der Gold­preis könn­te in den frei­en Fall ge­ra­ten.» Das Me­tall, dem Schnider künf­tig die gröss­ten Avan­cen zu­traut, ist Pla­tin – das Gold mit ei­ner Cal­lOp­ti­on auf das Wirt­schafts­wachs­tum.

Dass 2013 das vor­läu­fig letz­te gu­te Gold­jahr sein könn­te, er­war­tet auch Phi­lip Klap­wi­jk, Glo­bal He­ad of Me­tals Ana­ly­tics vom Gold­in­for­ma­ti­ons­dienst Thom­son Reu­ters GFMS. Er be­ton­te am Kon­gress die stei­gen­de Be­deu­tung der In­ves­to­ren für den Gold­preis; sie sei­en nun so wich­tig wie die Schmuck­nach­fra­ge. Be­trach­te man das An­ge­bot und den Be­darf der Ju­we­lie­re und der In­dus­trie, herr­sche seit meh­re­ren Jah­ren ein Über­an­ge­bot an Gold, das von den In­ves­to­ren ge­kauft wer­den müs­se, um den Preis hoch zu hal­ten.

Seit die Mi­nen­in­dus­trie ih­ren Ver­kaufs­preis nicht mehr mit Ter­min­ge­schäf­ten ab­si­chert, ist die Be­deu­tung der In­ves­to­ren zu­sätz­lich ge­stie­gen. Auch Klap­wi­jk glaubt, dass die glo­ba­le Un­si­cher­heit, die an­hal­ten­de, ex­zes­si­ve Li­qui­di­tät und die Eu­ro­kri­se im nächs­ten Jahr den Gold­preis noch stüt­zen wer­den. Für 2014 er­war­tet er je­doch ei­ne glo­ba­le Wirt­schafts­er­ho­lung – und so­mit das En­de der Gold­hausse.

Sil­ber vor Gold

Ähn­lich ar­gu­men­tier­ten die meis­ten Re­fe­ren­ten des Gold Sum­mit, nur Da­ni­el Breb­ner, Lei­ter Me­tall-Re­se­arch der Deut­schen Bank, fiel mit ei­nem et­was po­si­ti­ve­ren Aus­blick auf. Er er­war­tet für 2013 ei­nen Gold­preis von gut 2000 $ und für 2014 im-

Re­al­zin­sen trei­ben Gold­preis mer­hin noch fast 1900 $ (UBS: 1322 $). Nicht nur die Gold-, son­dern auch die Sil­ber­pro­gno­sen wa­ren er­staun­lich ein­hel­lig: Das weis­se Me­tall über­tref­fe Gold nächs­tes Jahr punk­to Per­for­mance deut­lich, da die Nach­fra­ge sei­tens Fi­nanz­in­ves­to­ren und Fa­b­ri­ka­ti­on wei­ter stei­ge – aber der Fall da­nach sei um­so tie­fer. Wäh­rend dem Gold­preis auf­grund der Kos­ten­struk­tur der För­de­rung ein Preis­bo­den von et­wa 1200 $ ge­setzt ist, be­tra­gen die durch­schnitt­li­chen Kos­ten der Ge­win­nung ei­ner Un­ze Sil­ber nur 8 $, bei ei­nem Markt­preis von knapp 30 $.

Der mit­tel­fris­tig düs­te­re Aus­blick für Gold könn­te sich lang­fris­tig je­doch wie­der auf­hel­len. Die enor­me Ver­schul­dung der USA mit ent­spre­chen­dem Zins­dienst droht jeg­li­ches Wirt­schafts­wachs­tum zu er­sti­cken. Und schafft die US-No­ten­bank es nicht, aus tech­ni­schen oder re­al­po­li­ti­schen Grün­den die Geld­men­ge ab­zu­schöp­fen, droht ho­he In­fla­ti­on. In­ves­tie­ren in Gold ist auch ei­ne Glau­bens­sa­che.

Dol­lar ist zen­tral

Die Fra­ge, wie in Gold in­ves­tiert wer­den soll, wur­de in Schang­hai eben­falls re­ge dis­ku­tiert (vgl. Text rechts). Be­son­ders viel Auf­merk­sam­keit er­hielt Ste­phan Mül­ler von Swiss and Glo­bal As­set Ma­nage­ment. Er stell­te die schwei­ze­ri­schen phy­sisch hin­ter­leg­ten Gold-ETF vor, die auf­grund ih­rer recht­li­chen Struk­tur – ETF mit nur ei­nem Ba­sis­wert – welt­weit ein­zig­ar­tig sind. Mül­ler emp­fiehlt In­ves­to­ren, die Gold als Ver­si­che­rung ge­gen Sys­tem­ri­si­ken kau­fen, kei­ne Pro­duk­te, die selbst Ge­gen­par­tei­ri­si­ken ent­hal­ten, wie bei­spiels­wei­se No­tes von Ban­ken. Er ist von Gold als lang­fris­ti­ger An­la­ge­klas­se über­zeugt, da Gold welt­weit die ein­zi­ge nicht ver­schul­de­te Wäh­rung sei.

Die Gold-ETF von Swiss and Glo­bal As­set Ma­nage­ment und an­de­ren An­bie­tern sind auch in der ge­hedg­ten Va­ri­an­te er­hält­lich: Wer an ei­ne Ab­wer­tung des Dol­lars glaubt, soll­te sei­ne Gold­an­la­ge schüt­zen, da die Per­for­mance von Wäh­rungs­ver­lus­ten auf­ge­fres­sen wer­den kann.

Wird aber nicht Chi­nas stei­gen­de Nach­fra­ge al­les rich­ten und den Gold­preis in neue Hö­hen trei­ben? Jiang Shu, Gold­ana­lyst der In­dus­tri­al Bank, be­merk­te la­ko­nisch: «Wes­halb soll­ten die Chi­ne­sen kau­fen, wenn der Rest der Welt ver­kauft?» West­li­che Gold­bul­len tun al­so gut da­ran, sich nicht nur auf Chi­na zu ver­las­sen.

Ab 2014 er­war­ten Ex­per­ten ei­ne Ab­küh­lung beim Gold­preis. Nächs­tes Jahr dürf­te das gel­be Me­tall aber noch­mals glän­zen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.