Nord­os­ten Asi­ens hat Auf­wärts­po­ten­zi­al

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - EH,

Die Geld­schwem­me der west­li­chen Zen­tral­ban­ken hat den asia­ti­schen Ak­ti­en­märk­ten in der zwei­ten Hälf­te 2012 Auf­trieb ver­lie­hen, eben­so wie die nach­las­sen­de Furcht vor ei­ner har­ten Lan­dung der chi­ne­si­schen Wirt­schaft und die in den jun­gen Wachs­tums­märk­ten an­hal­ten­de Kauf­lust der Kon­su­men­ten. Die jüngs­ten Kon­junk­tur­da­ten wei­sen auf ein be­schleu­nig­tes Wirt­schafts­wachs­tum der asia­ti­schen Schwel­len­län­der hin. Dank all dem dürf­ten die Ak­ti­en­märk­te der Re­gi­on, die 2012 mit ei­nem Plus von über 30% we­sent­lich bes­ser ab­ge­schnit­ten ha­ben als die meis­ten Bör­sen an­ders­wo, auch 2013 deut­lich zu­le­gen.

Ein Auf­wärts­po­ten­zi­al von 20% in den kom­men­den zwölf Mo­na­ten für den MSCI Asi­en Pa­zi­fik In­dex (oh­ne Ja­pan) sieht das ja­pa­ni­sche Fi­nanz­haus No­mu­ra. Die Ana­lys­ten der eu­ro­pä­isch-asia­ti­schen Gross­bank HSBC tei­len die Ein­schät­zung, ge­stützt auf die im his­to­ri­schen Durch­schnitt nach wie vor tie­fen Be­wer­tun­gen und die schnel­ler wach­sen­den Un­ter­neh­mens­ge­win­ne. Für ei­ne er­höh­te Vo­la­ti­li­tät im ers­ten Quar­tal sor­gen dürf­ten auch an den asia­ti­schen Bör­sen die Fra­gen um die Kri­se in der Eu­ro­zo­ne so­wie die aus dem Ru­der lau­fen­den Aus­ga­ben der öf­fent­li­chen Hand in Ja­pan oder auch in den USA. Soll­te im in­nen­po­li­ti­schen Streit über das US-Bud­get kei­ne Lö­sung ge­fun­den wer­den, wür­de das nach Mei­nung von Ana­lys­ten der UBS die Bör­sen welt­weit 30% nach un­ten drü­cken. Asi­ens Schwel­len­län­der, die nach wie vor stark vom Ex­port ab­hän­gig sind, könn­ten sich dem Ab­wärts­sog nicht ganz ent­zie­hen, trotz der ro­bus­ten Bin­nen­wirt­schaf­ten und der – aus­ser in In­di­en – ver­gleichs­wei­se ge­sun­den Staats­fi­nan­zen.

Das vor­herr­schen­de The­ma an den fern­öst­li­chen Bör­sen bleibt die jüngs­te geld­po­li­ti­sche Ab­sichts­er­klä­rung der ame­ri­ka­ni­schen No­ten­bank – zu­sätz­lich zu der an Fahrt ge­win­nen­den chi­ne­si­schen Volks­wirt­schaft. Die jun­gen asia­ti­schen Wachs­tums­märk­te re­agier­ten auf die frü­he­ren Run­den quan­ti­ta­ti­ver Lo­cke- rung weit stär­ker als die Bör­sen der rei­fe­ren Volks­wirt­schaf­ten. Nach An­ga­ben von No­mu­ra flos­sen in den sechs Mo­na­ten nach dem An­lau­fen der US-Geld­pres­se je­weils über 40 Mrd. $ zu­sätz­li­ches aus­län­di­sches Ka­pi­tal an die Bör­sen der Re­gi­on. Die­ser ex­ter­ne Zuf­luss hat we­sent­lich da­zu bei­ge­tra­gen, dass der MSCI Asi­en 2012 die bes­te Per­for­mance seit sie­ben Jah­ren er­zielt hat. Am meis­ten ist Thai­lands Bör­se mit ei­nem Plus von 36% ge­stie­gen.

Die neus­ten ja­pa­ni­schen Kon­junk­tur­da­ten wei­sen auf ei­ne nach­las­sen­de Wachs­tums­dy­na­mik der zweit­gröss­ten Volks­wirt­schaft Asi­ens hin. Da­mit wer­den die Bank of Ja­pan und mit ihr die meis­ten an­de­ren asia­ti­schen Zen­tral­ban­ken nicht von ih­rer Tief­zins­po­li­tik ab­rü­cken. Al­lein des­halb dürf­ten die Ak­ti­en­kur­se in Asi­en im ers­ten Se­mes­ter deut­lich an­zie­hen. Doch so­wohl No­mu­ra wie auch HSBC sa­gen für die zwei­te Jah­res­hälf­te an­ge­sichts der in Asi­en an Fahrt ge­win­nen­den Teue­rung ei­ne et­was ver­lang­sam­te Ral­ly vor­aus. Prä­gend für die Bör­se sind in den kom­men­den Mo­na­ten aber vor al­lem auch Fun­da­men­tal­kräf­te wie die an­ge­sichts der stei­gen­den Nach­fra­ge leicht wach­sen­den Un­ter­neh­mens­ge­win­ne. Weil in den Schwel­len­län­dern die Löh­ne schnel­ler stei­gen, als die Wirt­schaft wächst, kön­nen Un­ter­neh­men hö­he­re Kos­ten mehr­heit­lich auf die End­ab­neh­mer ab­wäl­zen. Für Auf­wind sor­gen über­dies die im his­to­ri­schen Ver­gleich tie­fen Be­wer­tun­gen. Das dürf­te ei­ner Um­schich­tung von Ak­ti­en­märk­ten der rei­fe­ren Volks­wirt­schaf­ten in die jun­gen Wachs­tums­märk­te zu­sätz­lich Vor­schub leis­ten. Da­von pro­fi­tie­ren wie be­reits jetzt zy­kli­sche Sek­to­ren wie Ban­ken, In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie oder auch nicht le­bens­wich­ti­ge Kon­sum­gü­ter in be­son­de­rem Mass. Soll­te sich das Wachs­tum der US-Wirt­schaft be­schleu­ni­gen, wür­de da­von Nord­ost­asi­en in be­son­de­rem Mass pro­fi­tie­ren.

No­mu­ra wie auch HSBC emp­feh­len mit Blick auf die­se zwei Fak­to­ren vor al­lem chi­ne­si­sche, tai­wa­ne­si­sche und ko­rea­ni­sche Ak­ti­en zum Kauf. Sie ra­ten hin­ge­gen zur Zu­rück­hal­tung ge­gen­über süd­ost­asia­ti­schen Ti­teln, die nach der stei­len Hausse der ver­gan­ge­nen Mo­na­te mitt­ler­wei­le hoch be­wer­tet sind.

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