De­fla­ti­ons­ge­fahr ist akut

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AT

Droht In­fla­ti­on, De­fla­ti­on oder Stag­fla­ti­on? Die drei Sze­na­ri­en un­ter­sucht Alan Brown, Se­ni­or Ad­vi­ser des Ver­mö­gens­ver­wal­ters Schro­ders, in sei­nem Aus­blick für das kom­men­de Jahr (vgl. Gra­fik).

Wer Angst hat vor Stag­fla­ti­on, rech­net auch mit ei­nem Öl­preis­schock. Die läh­men­de Kom­bi­na­ti­on aus ge­rin­gem Wirt­schafts­wachs­tum und In­fla­ti­on sei nicht vor­stell­bar oh­ne mar­kant teu­re­res Roh­öl, denn al­le an­de­ren Sze­na­ri­en mit In­fla­ti­on führ­ten auch zu mehr Wirt­schafts­wachs­tum, er­klärt Brown. «Ich ma­che mir gros­se Sor­gen um ei­ne neue Kri­se im Na­hen Os­ten.» Ein Um­sturz im Iran oder in Sau­di-Ara­bi­en könn­te das Öl über­ra­schend ver­teu­ern – auch wenn die Wahr­schein­lich­keit da­für ge­ring sei. Trotz­dem: «Ich fin­de es er­schre­ckend, wie we­nig An­le­ger ih­re Port­fo­li­os ge­gen sol­che Ex­trem­ri­si­ken ab­si­chern.»

In­fla­ti­on erst in fünf Jah­ren

Die auf­ge­bläh­te Geld­men­ge der No­ten­ban­ken wer­de erst in fünf bis zehn Jah­ren in ei­ner Teue­rung mün­den, pro­phe­zeit Brown. «Es wird ge­fähr­lich, wenn sich die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen nach oben an­pas­sen.» Wenn dies aber pas­siert, ste­hen In­ves­to­ren mit Ob­li­ga­tio­nen un­ge­schützt da: «Ei­ne An­lei­he mit ne­ga­ti­ver Re­al­ren­di­te ist wie ein trop­fen­der Ei­mer», il­lus­triert er sei­ne Ab­nei­gung ge­gen nied­rig ver­zins­te Bonds.

Für ei­ne In­fla­ti­ons­pe­ri­ode schützt ein gu­tes Ak­ti­en­port­fo­lio. Das gel­te aber nur lang­fris­tig, denn bei ei­nem schnel­len An- stieg der Prei­se und der Zin­sen wür­den zu­sam­men mit den An­lei­hen auch die Ak­ti­en erst ein­mal Scha­den neh­men. «Aus der Ver­gan­gen­heit wis­sen wir, dass die zwei An­la­ge­klas­sen dann be­son­ders kor­re­liert sind.» Will heis­sen: Ak­ti­en und Bonds be­we­gen sich zu­erst fast im Gleich­schritt. Den bes­ten Schutz bö­ten di­vi­den­den­star­ke Ti­tel.

Re­fla­ti­on für mehr Kon­sum

Das Sze­na­rio ei­ner Re­fla­ti­on – mehr Wirt­schafts­wachs­tum un­ter­stützt durch hö­he­re In­fla­ti­on – wird von den Zen­tral­ban­ken welt­weit an­ge­strebt. Ei­ne kon­trol­lier­te Teue­rung soll den Kon­sum be­flü­geln. Brown gibt zu be­den­ken: «Wer hät­te vor we­ni­gen Jah­ren ge­dacht, dass die west­li­chen No­ten­ban­ken ein­mal mehr In­fla­ti­on be­grüs­sen wür­den?»

Mit hö­he­rer Teue­rung rech­net die Vor­her­sa­ge von Schro­ders bei ei­ner Zu­nah­me des Kon­sums in den USA oder wenn die Kri­se in der Eu­ro­zo­ne voll­stän­dig be­ho­ben ist. Bei­des sei­en durch­aus plau­si­ble Sze­na­ri­en, doch die Ri­si­ken ei­ner de­fla­tio­nä­ren Pe­ri­ode blie­ben akut.

Zu den Ge­fah­ren­her­den für fal­len­de Prei­se ge­hö­ren die gros­sen Stol­per­stei­ne: ei­ne har­te Lan­dung Chi­nas, das Aus­ein­an­der­bre­chen der Eu­ro­zo­ne und die Fis­kal­k­lip­pe in den USA. «Es ist schwie­rig für sol­che Er­eig­nis­se Wahr­schein­lich­kei­ten zu fin­den», gibt Brown zu be­den­ken. Er hat an­ge­sichts sol­cher Ri­si­ken Ver­ständ­nis für In­ves­to­ren, die ei­nen Teil ih­res Gel­des in Gold an­le­gen.

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