In­sel der Glück­se­li­gen

Schwei­zer Kunst­markt ist in so­li­der Ver­fas­sung – Auk­tio­nen lau­fen bes­ser als Ga­le­ri­en und Mes­sen

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - CHRIS­TI­AN VON FA­BER- CA­S­TELL

Ku­no Fi­scher vom Lu­zer­ner Auk­ti­ons­haus Ga­le­rie Fi­scher be­wer­tet das ab­ge­lau­fe­ne Auk­ti­ons­jahr als aus­ge­spro­chen zu­frie­den­stel­lend, so­li­de und vor dem ak­tu­el­len wirt­schaft­li­chen Hin­ter­grund so­gar er­freu­lich. «Na­tür­lich be­ob­ach­ten auch wir ge­wis­se Ver­la­ge­run­gen im Käu­fer­in­ter­es­se», räumt der Lei­ter des äl­tes­ten ein­hei­mi­schen Auk­ti­ons­hau­ses ein und er­gänzt: «Her­aus­ra­gen­de Kunst­wer­ke und An­ti­qui­tä­ten von mu­sea­lem In­ter­es­se ent­fa­chen aber nach wie vor in­ter­na­tio­na­le Biet­ge­fech­te und er­zie­len da­durch Spit­zen­prei­se.»

Ein ty­pi­sches Bei­spiel hier­für sind et­wa die 2,32 Mio. Fr., die das Auk­ti­ons­haus Fi­scher am 13. Ju­ni für Al­bert An­kers «Still­le­ben mit Kaf­fee» (Öl auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 47,5×66,5 cm) von 1882 er­zielt hat. Auch sein Zürcher Ge­gen­spie­ler Cy­ril Kol­ler, der die Ga­le­rie Kol­ler Auk­tio­nen zum gröss­ten ein­hei­mi­schen Auk­ti­ons­haus und mit ei­nem Auk­ti­ons­vo­lu­men von rund 100 Mio. Fr. zu ei­nem der zehn gröss­ten Auk­ti­ons­häu­ser welt­weit ge­macht hat, zeigt sich zu­frie­den mit dem Kunst­markt­jahr 2012: «Mehr als zehn Ver­kaufs­prei­se über 1 Mio. Fr. ha­ben uns ei­nes der bes­ten Jah­re über­haupt ge­bracht.» Für ihn ist das auch Be­weis, «dass Spit­zen­kunst eben­so gut in der Schweiz wie in New York oder Lon­don ver­stei­gert wer­den kann».

Asia­ti­ca statt al­te Mö­bel

Zwar spür­te auch Kol­ler ei­ne Nach­fra­ge­schwä­chung in ein­zel­nen Be­rei­chen. Bei den klas­si­schen Mö­beln und An­ti­qui­tä­ten, dem eins­ti­gen Kern­ge­biet des vor 54 Jah­ren von sei­nem Va­ter ge­grün­de­ten Auk­ti­ons­hau­ses, sei­en fast nur noch Stü­cke in Mu­se­ums­qua­li­tät teu­er zu ver­kau­fen. «Be­schei­de­ne­re Mö­bel er­zie­len da­ge­gen meist we­ni­ger als noch vor ei­ner Samm­l­er­ge­ne­ra­ti­on», er­klärt Kol­ler und er­gänzt: «Da­für aber ha­ben die Asia­ti­ca, ins­be­son­de­re chi­ne­si­sche und ti­be­ti­sche Kunst, dank fern­öst­li­cher Nach­fra­ge ei­nen star­ken Auf­schwung er­lebt.»

Ge­ra­de­zu sen­sa­tio­nell ver­lie­fen die Gen­fer Ju­we­len- und Uh­ren­auk­tio­nen von Chris­tie’s und Sothe­by’s. Sie sind al­ler- dings nur geo­gra­fisch dem Schwei­zer Kunst­markt zu­zu­rech­nen. Aus­sa­ge­kräf­ti­ger für die Si­tua­ti­on am ein­hei­mi­schen Kunst­markt ist dem­ge­gen­über die Zuf­rie­den­heit, die Ma­ri­us Ju­li­us Heer vom Ber­ner Auk­ti­ons­haus Do­bia­schofs­ky mit sei­nen Ver­stei­ge­rungs­er­geb­nis­sen be­kun­det. Sie spie­gelt die So­li­di­tät und Ge­sund­heit des schwei­ze­ri­schen Kun­st­auk­ti­ons­mark­tes im Mit­tel­feld.

Et­was an­ders sieht die Si­tua­ti­on im Be­reich der Mes­sen und Ver­kaufs­aus­stel­lun­gen aus. Hier er­gibt sich ein stark durch­wach­se­nes Bild, und zwar vom obers­ten Ni­veau ei­ner Art Ba­sel über Cross­over­Ver­an­stal­tun­gen wie die Fi­ne Art Zürich bis zu be­schei­de­ne­ren An­läs­sen wie der Zürcher Samm­ler­bör­se.

Der Han­del muss um­den­ken

Die Zei­ten, in de­nen sich fast al­les zu den ver­lang­ten Prei­sen ver­kauf­te und fast al­le Aus­stel­ler mit ih­rem Er­folg prahl­ten, sind zwar schon län­ger vor­bei. Bis vor kur­zem woll­te aber kein Mes­se­teil­neh­mer vor sei­nen an­geb­lich glanz­voll er­folg­rei­chen Kol­le­gen zu sei­nem ei­ge­nen schwä­che­ren Er- geb­nis ste­hen. Die­ser Grup­pen­zwang zu Hur­ra­op­ti­mis­mus hat das Mes­se­bild nach aus­sen hin lan­ge Zeit ver­fälscht. In­zwi­schen je­doch trau­en sich im­mer mehr Aus­stel­ler, ehr­lich über ihr un­be­frie­di­gen­des Mes­se­er­geb­nis zu kla­gen.

Ent­spre­chen­des gilt für den La­de­n­und Ga­le­ri­en­han­del, und zwar so­wohl in neu­er als auch in al­ter Kunst. Am bes­ten über­le­ben der­zeit die­je­ni­gen An­ti­qui­tä­ten­händ­ler, die noch ein wei­te­res we­sens­ver­wand­tes Stand­bein ha­ben und ih­re Di­ens­te als In­nen­ar­chi­tek­ten und Ein­rich­tungs­be­ra­ter an­bie­ten. Neu ist das nicht.

In den USA bei­spiels­wei­se sind In­te­ri­or De­co­ra­tors schon seit Jahr­zehn­ten wich­ti­ge Ver­mitt­ler be­deu­ten­der An­ti­qui­tä­ten und Kun­st­ob­jek­te. Ihr per­sön­li­ches, ver­trau­ens­vol­les Be­ra­tungs­ver­hält­nis zu ih­ren meist we­nig kunst­markt­ge­üb­ten Kun­den macht sie zum will­kom­me­nen Bin­de­glied zwi­schen Kunst­han­del und Kunst­lieb­ha­bern. Im Be­reich der neue­ren und zeit­ge­nös­si­schen Kunst schliess­lich wer­den die nächs­ten Jah­re zei­gen, wie vie­le pro­fes­sio­nel­le, nicht quer­sub­ven­tio­nier­te Voll­zeit­ga­le­ri­en der Schwei­zer Kunst­markt wirk­lich er­näh­ren kann.

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