Aus­beu­ten

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - PM

Nein, wer­fen Sie Ih­ren TV-Ap­pa­rat nicht gleich aus dem Fens­ter, wenn Sie sich zum hun­derts­ten oder tau­sends­ten Mal über ei­ne seich­te Soap, grau­en­haf­te Schla­ger­sen­dun­gen oder miss­ra­te­ne Nach­rich­ten ge­nervt ha­ben. Es nützt Ih­nen nichts, Sie kön­nen da­bei kein Geld spa­ren. Be­hal­ten Sie die Ner­ven, zie­hen Sie den Ste­cker und stel­len Sie den Ap­pa­rat in die Ge­rüm­pel­kam­mer. Denn: Die TV-Ge­bühr müs­sen Sie so oder so be­zah­len, ob Sie vom An­ge­bot Ge­brauch ma­chen oder nicht.

Auf der­art ab­sur­de Ide­en kommt un­ser Par­la­ment. Es hat den Bun­des­rat be­auf­tragt, ei­ne neue Ge­büh­ren­ord­nung für Ra­dio und TV zu ma­chen. Da­bei ist die Ge­bühr nicht mehr an ein vor­han­de­nes Ge­rät ge­bun­den, son­dern an den Haus­halt. Je­der Haus­halt muss sie be­zah­len, auch wenn er die An­ge­bo­te gar nicht nutzt – aus der Ge­bühr wird ei­ne Steu­er.

Das ist kei­ne Stern­stun­de der Ge­setz­ge­bung, schon gar nicht in ei­nem frei­heit­li­chen Staat mit li­be­ra­ler Wirt­schafts­ord­nung. Vom Be­griff des Ver­ur­sa­cher­prin­zips ist nicht die Re­de, es wird im Zu­sam­men­hang mit der Ge­set­zes­re­vi­si­on nicht er­wähnt – son­dern still­schwei­gend miss­ach­tet. Das gilt auch für die so oft be­müh­te Ge­rech­tig­keit. Kein Wun­der: Es ist of­fen­sicht­lich nicht ge­recht, je­man­den für ei­ne Leis­tung be­zah­len zu las­sen, die er nicht in An­spruch nimmt (Ra­dio- oder TV-Emp­fang). Die klei­ne Min­der­heit der Nicht-TV-Kon­su­men­ten wird knall­hart ma­jo­ri­siert. Es bleibt ihr das Wis­sen und der Är­ger dar­über, von den TV-ab­hän­gi­gen Zeit­ge­nos­sen aus­ge­beu­tet zu wer­den – in ei­nem Staat, der sei­ne Min­der­hei­ten sonst bei je­der Ge­le­gen­heit ver­hät­schelt.

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