Für Post, SBB und Swiss­com das Rad nicht wie­der zu­rück­dre­hen

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - CLAU­DIA CARL

Die Volks­in­itia­ti­ve «Pro Ser­vice pu­b­lic» setzt auf die fal­schen Re­zep­te Der Staat soll es wie­der ein­mal rich­ten. Mit der Volks­in­itia­ti­ve «Pro Ser­vice pu­b­lic» wol­len die Ver­ant­wort­li­chen – meh­re­re Kon­su­men­ten­zeit­schrif­ten – er­rei­chen, dass der Bund über die ganz oder mehr­heit­lich ge­hal­te­nen Un­ter­neh­men im Be­reich Gr­und­ver­sor­gung nicht nach Ge­winn strebt und kei­ne fis­ka­li­schen In­ter­es­sen ver­folgt. Im Fo­kus ste­hen Post, SBB und Swiss­com, de­nen ho­he Prei­se und schlech­ter Ser­vice vor­ge­wor­fen wer­den. Auch die Hö­he der Ka­der­löh­ne wird von den Initi­an­ten kri­ti­siert. Be­dau­er­lich ist, dass nie­mand auf die Idee ge­kom­men ist, das Rad in die an­de­re Rich­tung zu dre­hen. Ei­ne Pri­va­ti­sie­rung der Bun­des­be­trie­be in Ver­bin­dung mit ei­ner Markt­öff­nung wür­de ein wich­ti­ges Pro­blem lö­sen: Oh­ne Wett­be­werb fehlt der An­reiz für kom­pe­ti­ti­ve Prei­se und für ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung der Un­ter­neh­men über gu­ten Ser­vice.

Im Tele­com­markt, zwar stär­ker li­be­ra­li­siert als der Bahn- und der Post­sek­tor, ist die La­ge in­zwi­schen be­son­ders ver­fah­ren, weil der Markt nur halb­her­zig ge­öff­net wur­de. Der Bund ist Spie­ler und Schieds­rich­ter, er steckt den Rah­men für den Markt­füh­rer Swiss­com ab und er­hält über die Ak­ti­en­mehr­heit Di­vi­den­den aus dem Ge­winn, im­mer­hin rund 650 Mio. Fr. für das Jahr 2012.

Dass ei­nes der be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men ko­tiert ist, macht den Sach­ver- halt kom­ple­xer. Die­ser Punkt wur­de of­fen­bar je­doch über­se­hen. Pri­vat­an­le­ger hät­ten we­nig Freu­de, wenn der Bund dem Un­ter­neh­men künf­tig die Ge­winn­mar­ge dik­tiert. Um­ge­kehrt ist nicht glaub­haft be­leg­bar, war­um ei­ne stär­ke­re Pri­va­ti­sie­rung Swiss­com und da­mit auch den Ak­tio­nä­ren scha­den soll­te.

Die La­ge im Tele­com­sek­tor ist punk­tu­ell un­be­frie­di­gend. Dies stellt selbst der Bun­des­rat nicht in Fra­ge. Klei­ne­re An­bie­ter in der Schweiz konn­ten an den Markt­an­tei­len von Swiss­com kaum rüt­teln, ihr fi­nan­zi­el­ler Spiel­raum ist be­grenzt. Ein­fluss auf das Ta­rif­ge­fü­ge ha­ben al­len­falls gra­tis nutz­ba­re On­li­ne­diens­te wie Whatsapp und Sky­pe.

Es ist fer­ner nicht hin­rei­chend klar, was in der Volks­in­itia­ti­ve un­ter Gr­und­ver­sor­gung zu ver­ste­hen ist. Der Dis­kus­si­on über den Aus­bau von Glas­fa­ser­net­zen ist aber zu ent­neh­men, dass die schnel­len Breit­band­net­ze Be­gehr­lich­kei­ten ge­weckt ha­ben, die Hoch­tech­no­lo­gie un­ter «Ser­vice pu­b­lic» zu fas­sen. Un­ter sol­chen Vor­aus­set­zun­gen wird kein Un­ter­neh­men frei­wil­lig in ei­ne mo­der­ne In­fra­struk­tur in­ves­tie­ren. Mehr Markt und we­ni­ger Staat wür­de nicht nur zu wett­be­werbs­fä­hi­gen Prei­sen und bes­se­rem Ser­vice füh­ren. Es lies­sen sich gleich­zei­tig auch In­ter­es­sen­kon­flik­te lö­sen. Dies wä­re wohl eher im Sin­ne der Kon­su­men­ten.

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