Ver­trau­en ist bes­ser

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

«Wenn wir in ei­ner per­fek­ten Welt mit ei­ner wohl­wol­len­den und un­fehl­ba­ren Re­gie­rung leb­ten, bräuch­te es kein Bank­ge­heim­nis», schrieb der Frei­bur­ger Öko­nom Rei­ner Ei­chen­ber­ger vor knapp ei­nem Jahr auf die­sen Sei­ten. Nun trifft das nicht mal auf die Schweiz zu, die üb­ri­gens, bei Lich­te be­se­hen, ins­ge­samt gar kein Steu­er­pa­ra­dies ist.

Den­noch ist die Steu­er­mo­ral im Land hoch, trotz – oder gar we­gen – des Bank­kun­den­ge­heim­nis­ses, das ja ge­kop­pelt ist mit der Ver­rech­nungs­steu­er. Der Schutz der fi­nan­zi­el­len Pri­vat­sphä­re ist fun­da­men­tal, zu­nächst als Frei­heits­recht: Ein glä­ser­ner Bür­ger ist kei­ner mehr. Zu­dem auch, weil so der Staat zu pfleg­li­chem Um­gang mit den Steu­er­sub­jek­ten und zu sinn­vol­lem mit dem Steu­er­er­trag ge­zwun­gen ist.

Die­se se­gens­rei­che Kul­tur durch mehr staat­li­che Zu­griffs­rech­te zu er­gän­zen, ist ris­kant. Bis­her galt hier­zu­lan­de, mit Er­folg: Kon­trol­le ist gut, Ver­trau­en ist bes­ser. Nörd­lich gibt es – The­ra­pie oder eher Sym­ptom? – das Be­rufs­mo­dell des Steu­er­fahn­ders, süd­lich schnüf­felt die Guar­dia di Fi­nan­za. Wie nö­tig und ge­recht­fer­tigt ist es, das Bank­kun­den­ge­heim­nis im In­land zu rit­zen? Dass es für aus­län­di­sche Kun­den na­he­zu ob­so­let ist, heisst kei­nes­wegs, es auch für ein­hei­mi­sche in Fra­ge zu stel­len. Die Schweiz hat, im Ge­gen­satz zu den klam­men EU-Staa­ten und den USA, kei­nen drin­gen­den An­lass zum Auf­rüs­ten ge­gen Steu­er­schumm­ler. Mag al­ler­dings sein, dass der­einst, so­fern mit dem Aus­land au­to­ma­ti­scher In­for­ma­ti­ons­aus­tausch ge­pflegt wer­den soll­te, hie­si­ge Fi­nanz­äm­ter auf Waf­fen­gleich­heit kla­gen könn­ten.

Ge­wiss, der Staat braucht Kon­troll­in­stru­men­te. Er muss be­son­ders da­für sor­gen kön­nen, dass nicht die im­mo­bi­len klei­nen Steu­er­zah­ler den Ein­druck ha­ben, dass sich die gros­sen drü­cken. Doch bit­te mit Au­gen­mass. Die Bür­ger­li­chen im Par­la­ment wer­den zu Recht dar­auf po­chen. Und viel­leicht wird der­einst gar das Volk das Bank­kun­den­ge­heim­nis in der Ver­fas­sung ver­an­kern.

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