Schlupf­lö­cher sind die Krux

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - CG

Das The­ma Steu­ern lie­fert in den USA viel po­li­ti­schen Zünd­stoff. Im Zug der Un­ter­su­chung zu den Tricks von App­le und des Skan­dals um die Steu­er­be­hör­de IRS meh­ren sich die Stim­men, die nach ei­ner Re­form der Un­ter­neh­mens­be­steue­rung ru­fen. Auf bei­den Sei­ten des po­li­ti­schen Spek­trums herrscht da­bei zwar Ei­nig­keit, dass das ak­tu­el­le Sys­tem kaum noch rich­tig funk­tio­nie­re und es ei­ne grund­sätz­li­che Ber­ei­ni­gung brau­che. Wie die Lö­sung aber aus­se­hen soll, ist hef­tig um­strit­ten.

Of­fi­zi­ell be­trägt der Ein­kom­mens­steu­er­satz für ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men 35%, was dem höchs­ten Ta­rif un­ter den in­dus­tria­li­sier­ten Staa­ten ent­spricht. Aus­ser­ge­wöhn­lich im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich ist eben­so, dass auch im Aus­land er­ziel­te Ge­win­ne un­ter die Ho­heit der US-Steu­er­be­hör­den fal­len (vgl. Haupt­text). Die Re­pu­bli­ka­ner ver­lan­gen seit Jah­ren, dass die­se Pra­xis auf­ge­ge­ben wird. Kon­kret for­dern sie ei­ne Sen­kung des Steu­er­sat­zes für Un­ter­neh­men auf 25%. Zu­dem plä­die­ren sie da­für, die Ge­win­ne aus­län­di­scher Toch­ter­ge­sell­schaf­ten nicht oder nur noch ge­ring­fü­gig zu be­steu­ern, wenn die Mit­tel in die USA über­wie­sen wer­den.

Prä­si­dent Oba­ma hat 2012 im Lauf des Wahl­kampfs ei­ne Sen­kung der Ein­kom­mens­steu­er auf 28% vor­ge­schla­gen. Die­ses Jahr hat er sich er­neut für ei­ne Re­form aus­ge­spro­chen, so­lan­ge sie neu­tral für das ge­sam­te Steu­er­auf­kom­men ist. Das heisst, dass die Ta­rif­kür­zung durch das Ver­brei­tern der Steu­er­ba­sis und das Schlies­sen von Schlupf­lö­chern kom­pen­siert wer­den soll. Ge­mäss dem par­teineu­tra­len Go­vern­ment Ac­coun­ta­bi­li­ty Of­fice sind der­zeit rund acht­zig sol­cher Son­der­re­geln vor­han­den. Durch sie sind der US-Re­gie­rung 2011 mehr als 180 Mrd. $ an Steu­er­ein­nah­men ent­gan­gen. Zum Ver­gleich: Das ge­sam­te Steu­er­auf­kom­men im Un­ter­neh­mens­be­reich be­zif­fer­te sich in die­sem Jahr auf 181 Mrd. $.

Ein gros­ser Wurf zur Ge­set­zes­re­vi­si­on ist da­her nicht ein­fach, zah­len dank der vie­len Schlupf­lö­cher heu­te doch nur we­ni­ge Un­ter­neh­men den re­gu­lä­ren Ta­rif. Ent­spre­chend wer­den Re­form­be­mü­hun­gen von ver­schie­dens­ten In­ter­es­sen­grup­pen in Wa­shing­ton be­ein­flusst. So ist et­wa in der De­bat­te um die Be­steue­rung von Ge­win­nen im Aus­land spe­zi­ell die LIFT-Ame­ri­caKo­ali­ti­on ak­tiv ge­wor­den, zu der Co­caCo­la und Hew­lett-Pa­ckard zäh­len. Auch der Wirt­schafts­ver­band Bu­si­ness Roun­dta­ble, dem meist in­ter­na­tio­na­le US-Gross­kon­zer­ne an­ge­hö­ren, hat un­längst ei­ne Lob­by­Kam­pa­gne un­ter dem Na­men Ho­me Court Ad­van­ta­ge ge­star­tet.

Zur letz­ten um­fas­sen­den Über­ar­bei­tung der Un­ter­neh­mens­be­steue­rung kam es in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten 1986. Seit­her ist das Steu­er­auf­kom­men aus dem Un­ter­neh­mens­sek­tor lau­fend ge­schrumpft und hat sich 2012 le­dig­lich noch auf 1,6% des Brut­to­in­land­pro­dukts be­lau­fen (vgl. Gra­fik). Im Be­reich der Aus­lands­ge­win­ne wur­de zu­dem 2004 un­ter Prä­si­dent Ge­or­ge W. Bush letzt­mals ein grös­se­res Ex­pe­ri­ment ge­wagt. US-Kon­zer­ne durf­ten da­mals ih­re Ge­win­ne im Aus­land zu ei­nem Son­der­ta­rif von 5,25% in die USA zu­rück­brin­gen, wo­durch mehr als 360 Mrd. $ über die Gren­ze flos­sen. An­ders als er­hofft wur­de der Gross­teil je­doch nicht für In­ves­ti­tio­nen in den Wirt­schafts­stand­ort Ame­ri­ka ge­nutzt, son­dern für Di­vi­den­den­aus­schüt­tun­gen und Ak­ti­en­rück­käu­fe.

Steu­er­leis­tung von US-Kon­zer­nen

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