Kei­ne «kal­te Über­nah­me» von Schmolz+bi­cken­bach

SCHWEIZ Über­nah­me­kom­mis­si­on weist Aus­nah­me­be­geh­ren von Re­no­va/vek­sel­berg ab

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - ARNO SCHMO­CKER

Die rus­si­sche Re­no­va ist bei der schwei­ze­ri­schen Über­nah­me­kom­mis­si­on (UEK) ab­ge­blitzt. Die von Vic­tor Vek­sel­berg be­herrsch­te Ge­sell­schaft darf die Be­tei­li­gungs­schwel­le von 331⁄ 3% an Schmolz+Bi­cken­bach (S+B) nicht über­schrei­ten, oh­ne den Pu­bli­kums­ak­tio­nä­ren ein öf­fent­li­ches An­ge­bot zu un­ter­brei­ten. Der Ver­wal­tungs­rat von S+B spricht von ei­nem ge­schei­ter­ten «Ver­such ei­ner kal­ten Über­nah­me». Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Hans-Pe­ter Zehn­der be­ton­te am Frei­tag, die UEK ha­be ei­ne kla­re Gren­ze ge­setzt, wie weit das Über­nah­me­recht miss­braucht wer­den dür­fe, um die Be­stim­mun­gen zu um­ge­hen.

Re­no­va und die Haupt­ak­tio­nä­rin von Schmolz+Bi­cken­bach, die fa­mi­li­en­be­herrsch­te Schmolz+Bi­cken­bach Gm­bH & Co. KG in Düs­sel­dorf, sind im Clinch mit dem Ver­wal­tungs­rat des an der Schwei­zer Bör­se ko­tier­ten Stahl­kon­zerns. Die KG und Re­no­va sind seit dem 3. April ei­ne or­ga­ni­sier­te Grup­pe. Es geht um Macht und Kon­trol­le über Schmolz+Bi­cken­bach. Die Be­tei­li­gungs­ver­hält­nis­se sind, ge­lin­de ge­sagt, ver­wor­ren (vgl. Gra­fik).

In ih­rem Ge­such an die UEK be­rief sich Re­no­va auf ei­nen Sa­nie­rungs­be­darf der in Em­men­brü­cke do­mi­zi­lier­ten S+B. Ein sol­cher hät­te ihr ge­mäss den Be­stim­mun­gen er­laubt, die Be­tei­li­gungs­schwel­le von ei­nem Drit­tel am Ka­pi­tal der Stahl­grup­pe zu über­schrei­ten, oh­ne die In­ter­es­sen der Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re zu be­rück­sich­ti­gen. Die UEK hat nun aber den An­trag der Grup­pe KG/Re­no­va auf ein Aus­nah­me­be­geh­ren ab­ge­wie­sen.

Nicht im­mer trans­pa­rent

Re­no­va und Vek­sel­berg sind be­kannt für nicht im­mer trans­pa­ren­tes Vor­ge­hen: Die Art und Wei­se et­wa, wie der Rus­se vor ei­ni­gen Jah­ren die Kon­trol­le über Sul­zer er­lang­te, war höchst um­strit­ten. Vek­sel­berg wur­de da­mals ver­däch­tigt, zu­sam­men mit Ron­ny Pe­cik und Ge­org Stumpf die Of­fen­le­gungs­pflich­ten ver­letzt zu ha­ben. Die drei leis­te­ten am Schluss ei­ne «Wie­der­gut­ma­chungs­zah­lung» von 10 Mio. Fr.

Dass S+B fri­sches Ka­pi­tal braucht, ist un­be­strit­ten; der Kon­zern wies per En­de März ei­ne Net­to­ver­schul­dung von fast 1 Mrd. € aus. Über den Um­fang der Ka­pi­tal­er­hö­hung hat sich ein Streit zwi­schen den bei­den Par­tei­en ent­zün­det. Der VR von S+B hält 300 Mio. Fr. für «mo­de­rat, aber ge­nü­gend». Die brei­te Streu­ung der Ak­ti­en soll er­hal­ten blei­ben. Laut Zehn­der ha­ben zwei In­ves­to­ren «vor kur­zem ziem­lich klar spe­zi­fi­zier­te» An­ge­bo­te ein­ge­reicht. Wei­te­re Ein­zel­hei­ten woll­te er nicht lie­fern. Auf der Trak­tan­den­lis­te zur Ge­ne­ral­ver­samm­lung am 28. Ju­ni wer­den noch kei­ne

Be­tei­li­gungs­struk­tur Na­men ge­nannt wer­den. Die Trak­tan­den wer­den am nächs­ten Frei­tag pu­bli­ziert – am ge­setz­lich letzt­mög­li­chen Da­tum.

In ei­ner Stel­lung­nah­me gibt die KG zu be­den­ken, mit ei­nem An­teil von 40,5% blei­be sie gröss­ter Ak­tio­när des Stahl­kon­zerns. Es sei nach wie vor ih­re Ab­sicht, ge­mein­sam mit Re­no­va ei­ne «sub­stan­zi­el­le Be­tei­li­gung» zu hal­ten. Sie be­trach­tet Re­no­va als «best­mög­li­chen» Part­ner auf­grund der Ka­pi­tal­kraft und in­dus­tri­el­len Er­fah­rung, nicht zu­letzt, was Re­struk­tu­rie­run­gen be­trifft.

Die bei­den An­ge­bo­te, die der VR von S+B er­hal­ten hat, sind an die Be­din­gung ge­knüpft, dass die KG ei­nen An­teil von 25% ver­äus­sert. Das ge­denkt sie nicht zu tun. S+B-Prä­si­dent Zehn­der hat­te zu­vor an ei­ner Te­le­fon­kon­fe­renz er­klärt, stim­me die KG nicht zu, müs­se die Si­tua­ti­on neu be­ur­teilt wer­den. Es ge­be ei­nen Plan B. Die KG be­trach­tet den «Al­lein­gang» des Ver­wal­tungs­rats auf der Su­che nach ei­nem In­ves­tor als «ge­schei­tert». Auch sä­hen die bei­den An­ge­bo­te eben­falls kein Über­nah­me­an­ge­bot an die frei­en Ak­tio­nä­re vor.

Ein Sa­nie­rungs­fall sei S+B nicht, be­ton­te der Ver­wal­tungs­rat von S+B in ei­ner Stel­lung­nah­me. Die Re­vi­si­ons­stel­le ha­be be­stä­tigt, dass die Fort­füh­rung der Ge­sell-

Schmolz+Bi­cken­bach N schaft (Go­ing Con­cern) mit «an­ge­mes­se­ner Si­cher­heit» ge­ge­ben sei. Zu­dem hat sich die Auf­trags­la­ge ge­bes­sert, wie der Quar­tals­be­richt ver­gan­ge­ne Wo­che zeig­te. Für das zwei­te Quar­tal rech­net S+B mit ei­ner wei­te­ren Stei­ge­rung von Um­satz und Er­geb­nis. Ein an­de­res In­diz da­für, dass S+B nicht am Ab­grund steht, ist der Kurs der aus­ste­hen­den No­tes (Schuld­ver­schrei­bun­gen), die über 100% no­tie­ren.

Un­nö­tig hoch

Die Grup­pe KG/Re­no­va schlägt ei­ne Er­hö­hung des Ka­pi­tals um 435 Mio. Fr. (350 Mio. €) vor. Sie ist aus Sicht des S+B-VR «un­nö­tig hoch» und wür­de ei­ne grös­se­re An­teil­ver­wäs­se­rung für die Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re be­deu­ten. Re­no­va kä­me auf min­des­tens 25,3%. Ge­mäss dem VR von S+B könn­te KG/Re­no­va die Be­tei­li­gung via nicht aus­ge­üb­te Be­zugs­rech­te auf ge­gen 50% aus­bau­en. Die Ak­tio­närs­grup­pe pocht dar­auf, ei­ni­ge Ver­wal­tungs­rä­te ab­zu­wäh­len und das Füh­rungs­gre­mi­um zur Mehr­heit mit ei­ge­nen Leu­ten zu be­set­zen. Das gan­ze Vor­ge­hen be­zeich­ne­te Zehn­der als «de­struk­tiv».

Die Ak­tio­närs­grup­pe macht die Ka­pi­tal­er­hö­hung von ei­ner Sorg­falts­prü­fung (Due Di­li­gence) ab­hän­gig. Da­zu ist sie al­ler­dings auf­grund ih­rer Wei­ge­rung, vor­her ei­ne Ver­trau­lich­keits- und Still­hal­te­er­klä­rung zu un­ter­zeich­nen (wie in ei­nem Ver­fah­ren mit meh­re­ren In­ter­es­sen­ten üb­lich), bis­her nicht zu­ge­las­sen. Das Vor­ge­hen der Grup­pe ver­mit­telt tat­säch­lich den Ein­druck, als wür­de sie Ein­zel­in­ter­es­sen ver­fol­gen und die­je­ni­gen der Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re ver­nach­läs­si­gen. Ob KG/Re­no­va bei der Über­nah­me­kom­mis­si­on in­ner­halb von fünf Bör­sen­ta­gen Ein­spra­che ge­gen das Ur­teil er­hebt, ist of­fen.

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