Cis­co ge­gen Mi­cro­soft

IN­TER­NA­TIO­NAL Ge­richt muss Sky­pe-über­nah­me be­ur­tei­len

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CLAU­DIA CARL

Sky­pe ist glo­bal prä­sent – ge­mäss Mi­cro­soft wird in­zwi­schen rund ein Drit­tel der Sprach­an­ru­fe welt­weit über den Vi­deo­dienst ge­führt. Dass die 8,5 Mrd. $ schwe­re Über­nah­me durch den US-Soft­ware­gi­gan­ten im Jahr 2011 be­den­ken­los ge­neh­migt wur­de, stösst Wett­be­wer­bern nun sau­er auf. Der Netz­werk­spe­zia­list Cis­co Sys­tems reich­te zu­sam­men mit dem ita­lie­ni­schen Tele­com­an­bie­ter Mes­sa­ge­net im Vor­jahr ei­ne Kla­ge ge­gen die EU-Kom­mis­si­on ein, am Mitt­woch fand die münd­li­che Ver­hand­lung vor dem Ge­richt der EU in Lu­xem­burg statt. Cis­co und Mes­sa­ge­net for­dern, dass die Ge­neh­mi­gung an­nul­liert wird.

Die Un­ter­neh­men kri­ti­sie­ren, dass der Zu­sam­men­schluss von Mi­cro­soft und Sky­pe zu Markt­an­tei­len von mehr als 80% im Ge­schäft mit Vi­deote­le­fo­nie für Ver­brau­cher mit Win­dows-PC ge­führt hat. Mi­cro­soft sei in der La­ge, die Zu­sam­men­ar­beit mit an­de­ren Vi­deo­kom­mu­ni­ka­ti­ons­lö­sun­gen zu ver­hin­dern. Sor­ge be­rei­tet den Klä­gern auch die Rol­le von Sky­pe in Ver­bin­dung mit der vor­herr­schen­den Stel­lung von Mi­cro­soft bei Be­triebs­sys­te­men und An­wen­dungs­soft­ware wie Of­fice und Out­look.

Die Be­den­ken sind nicht un­be­grün­det. Sky­pe macht an­de­re Pro­duk­te aus der Mi­cro­soft-Welt at­trak­ti­ver. So ist Mi­cro­soft dar­an, den Vi­deo­dienst in das EMail-Pro­gramm Out­look zu in­te­grie­ren, wäh­rend die an Ge­schäfts­kun­den ge­rich­te­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­form Lync mit Sky­pe ver­bun­den wird. Das ist für die auf Un­ter­neh­mens­kun­den fo­kus­sier­te Cis­co Sys­tems be­son­ders hei­kel.

Stra­te­gisch wich­ti­ger Markt

Da­mit die Wett­be­wer­ber nicht vor der Tür blei­ben, for­dern sie Kon­zes­sio­nen: «Die Ak­qui­si­ti­on müss­te an Be­din­gun­gen ge­knüpft sein, um die In­ter­ope­ra­bi­li­tät zu ge­währ­leis­ten und da­mit Wett­be­werb und Wahl­frei­heit zu er­mög­li­chen», sagt Al­va­ro Ra­mos, Le­gal Di­rec­tor von Cis­co Sys­tems. Mi­cro­soft kon­tert: Der Kon­zern ha­be sei­ne Ar­gu­men­te be­reits 2011 prä­sen­tiert. «Wäh­rend sie an­geb­lich In­ter­ope­ra­bi­li­tät an­stre­ben, möch­ten sie Mic- ro­soft in Wirk­lich­keit da­zu zwin­gen, dass Sky­pe neu aus­ge­rich­tet und die Ser­vice­qua­li­tät re­du­ziert wird», sagt Mi­cro­sof­tSpre­che­rin Bar­ba­ra Jo­sef. Der Markt ist für bei­de Kon­zer­ne stra­te­gisch wich­tig. Für Cis­co Sys­tems ent­wi­ckelt sich das Ge­schäft mit Cloud- und Vi­deo­lö­sun­gen viel dy­na­mi­scher als die Ver­käu­fe von Hard­ware in den tra­di­tio­nel­len Spar­ten. Mi­cro­soft ver­spricht sich bes­se­re Zah­len durch ei­ne stei­gen­de In­te­gra­ti­on von Sprach-, Vi­deo- und Da­ten­lö­sun­gen in be­ste­hen­de An­wen­dun­gen. Die Per­spek­ti­ven sind viel­ver­spre­chend. Im Markt für in­te­grier­te Kom­mu­ni­ka­ti­on (Uni­fied Com­mu­ni­ca­ti­ons) er­war­ten die Ex­per­ten von Trans­pa­ren­cy Mar­ket Re­se­arch ein Wachs­tum von jähr­lich fast 16% im Durch­schnitt bis 2018. Der Um­satz soll dann glo­bal fast 62 Mrd. $ er­rei­chen. Der Markt um­fasst Sprach-, Vi­deo-, Mailkom­mu­ni­ka­ti­on, Te­le­prä­senz und die In­te­gra­ti­on in mo­bi­le Ge­rä­te.

Zu­rück auf Feld eins?

Cis­co Sys­tems und Mi­cro­soft kön­nen un­ter­schied­li­che Stär­ken aus­spie­len: der Netz­werk­spe­zia­list nach der Ak­qui­si­ti­on von Tand­berg et­wa bei Vi­deo­kon­fe­renz­lö­sun­gen im Ge­schäfts­kun­den­um­feld, Mi­cro­soft in der E-Mail-Kom­mu­ni­ka­ti­on und der Win­dows-Welt all­ge­mein. Die Rich­ter dürf­ten in we­ni­gen Wo­chen bis Mo­na­ten ent­schei­den. Für An­le­ger wird der Aus­gang des Rechts­streits Hin­wei­se lie­fern, wer in die­sem Ge­schäfts­feld künf­tig den Ton an­gibt. Wenn das Ge­richt die Über­nah­me­ge­neh­mi­gung an­nul­liert, müss­te der Zu­kauf noch­mals neu be­an­tragt wer­den. Dann wä­ren Auf­la­gen für Mi­cro­soft wahr­schein­lich.

Die Ak­ti­en der Un­ter­neh­men sind trotz ei­ner star­ken Ent­wick­lung seit Ja­nu­ar (vgl. Chart) noch at­trak­tiv. Ge­mes­sen an den Schät­zun­gen für das im Ju­ni (Mi­cro­soft) bzw. Ju­li (Cis­co) en­den­de Ge­schäfts­jahr 2012/13 be­trägt das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis für bei­de Va­lo­ren 13. Auch was die Di­vi­den­de an­geht, lie­gen die Pa­pie­re mit je 2,6% er­war­te­ter Ren­di­te gleich­auf. Glaubt man den Kurs­zie­len der Ana­lys­ten, sind Mi­cro­soft-Ti­tel auf zwölf Mo­na­te aus­ge­reizt, Cis­co-Va­lo­ren ha­ben noch et­was Po­ten­zi­al.

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