Hu­ber+suh­ner ex­pan­diert in Chi­na

SCHWEIZ Ers­te Fa­b­rik für Nie­der­fre­quenz­ka­bel im Aus­land – Nä­her und schnel­ler beim Kun­den – Gu­te Wachs­tums­aus­sich­ten

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - ELI­SA­BETH TES­TER,

BHigh-Tech-Fa­b­rik

laue Luft­bal­lo­ne und ei­ne fan­tas­ti­sche neue Fa­b­rik: Das war am Don­ners­tag Hu­ber+Suh­ner Chi­na. Das Un­ter­neh­men hat mit der Er­öff­nung der neu­en Fa­b­rik in Chang­zhou am 30. Mai ei­nen Mei­len­stein ge­setzt – nicht nur für Hu­ber+Suh­ner Chi­na, son­dern für die gan­ze Grup­pe. Die 35 000 m² gros­se Fa­b­rik in der Nach­bar­schaft Schang­hais stellt mit ei­nem In­ves­ti­ti­ons­vo­lu­men von 60 Mio. Fr. die grösste Ein­zel­in­ves­ti­ti­on in der Ge­schich­te vor Hu­ber+Suh­ner dar, was die Be­deu­tung des Mark­tes Chi­na für den Her­stel­ler von Spe­zi­al­ka­beln und elek­tri­scher Ver­bin­dungs­tech­nik ein­drück­lich un­ter­streicht.

Hu­ber+Suh­ner hat vor vier­zehn Jah­ren die ers­te Toch­ter­ge­sell­schaft in Schang­hai ge­grün­det, da die gros­sen in­ter­na­tio­na­len Kun­den im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on in Chi­na vor Ort die glei­che Qua­li­tät von Ser­vice und Pro­duk­ten wie in Eu­ro­pa oder den USA er­war­te­ten. Die Di­ver­si­fi­ka­ti­on in die Seg­men­te So­lar und Elek­tro­mo­bi­li­tät folg­te schritt­wei­se. Heu­te sind die Be­rei­che Trans­port und Kom­mu­ni­ka­ti­on in Chi­na et­wa gleich gross. Der chi­ne­si­sche Markt ist für Hu­ber+Suh­ner ei­ner der drei wich­tigs­ten Ab­satz­märk­te welt­weit – Ten­denz stei­gend. In der neu­en Fa­b­rik wer­den Pro­duk­te der gan­zen Wert­schöp­fungs­ket­te für al­le drei Tech­no­lo­gie­be­rei­che – Hoch­fre­quenz, Fi­be­r­op­tik und Nie­der­fre­quenz – her­ge­stellt, vor­nehm­lich für den chi­ne­si­schen Markt, aber auch für Kun­den welt­weit. Es ist die ers­te Fa­b­rik für Nie­der­fre­quenz­ka­bel von Hu­ber+Suh­ner aus­ser­halb der Schweiz und zugleich die grösste im Aus­land. Zur­zeit ar­bei­ten 100 Leu­te in Chang­zhou, in ein paar Jah­ren sol­len es 800 sein.

Urs Kauf­mann, CEO von Hu­ber+Suh­ner, er­klärt im Interview mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» in Chang­zhou: «Mit der neu­en Fa­b­rik sind wir nä­her und schnel­ler beim Kun­den und kön­nen Trans­port­kos­ten spa­ren. Wir kön­nen wei­ter mit dem chi­ne­si­schen Markt wach­sen und sind gut für die Zu­kunft po­si­tio­niert.» Und die­ser Zu­kunft sieht Kauf­mann po­si­tiv ent­ge­gen.

«Kom­mu­ni­ka­ti­on, Mo­bi­li­tät und neue Ener­gi­en sind in Chi­na un­aus­weich­li­che Trends.» Die fort­schrei­ten­de Ur­ba­ni­sie­rung be­din­ge im­mer noch enorm viel In­fra­struk­tur im Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und im Trans­port­be­reich. «Al­le Chi­ne­sen wol­len ein Smart­pho­ne, neue Ge­ne­ra­tio­nen von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ein­rich­tun­gen müs­sen ge­schaf­fen, vie­le Ei­sen­bah­nen und Me­tros ge­baut wer­den», sagt Kauf­mann.

Trotz der ak­tu­el­len Flau­te sieht er auch ein ge­wis­ses Po­ten­zi­al in der So­lar- und der Wind­ener­gie, nicht zu­letzt we­gen der Ener­gie­re­form Pe­kings. Hu­ber+Suh­ner pro­du­ziert die Ver­bin­dungs­ele­men­te, die die Ener­gie vom So­lar­pa­nel ins Strom­netz brin­gen, so­wie Fi­be­r­op­tik­lö­sun­gen für die Kon­trol­le von Wind­parks. Ne­ben Kom­mu­ni­ka­ti­on, So­lar und Ei­sen­bahn ex­pan­diert Hu­ber+Suh­ner in Chi­na auch in die High-Tech-Ni­schen­märk­te Raum­fahrt und Ver­tei­di­gung, Me­di­zi­nal­tech­nik so­wie Mess- und Prüf­ge­rä­te.

Kauf­mann er­klärt: «Im Ei­sen­bahn­be­reich sind wir für elek­tri­sche und op­ti­sche Ver­bin­dungs­tech­nik welt­weit Num­mer eins. In Chi­na sind wir dank un­se­res recht frü­hen Markt­ein­tritts gut po­si­tio­niert und ha­ben ei­nen zwei­stel­li­gen Markt­an­teil.»

Und was läuft in Be­zug auf den Stopp der In­ves­ti­tio­nen in Hoch­ge­schwin­dig­keits­zü­ge vom letz­ten Jahr, der zu ei­nem Um­satz­ein­bruch für Hu­ber+Suh­ner ge­führt hat? Kauf­mann be­tont: «Die Nach­fra­ge zieht wie­der an, und wir rech­nen für 2013 mit ei­ner deut­li­chen Er­ho­lung. Doch in Zu­kunft dürf­te die Ein­füh­rung neu­er Li­ni­en und neu­en Roll­ma­te­ri­als et­was ge­ord­ne­ter als bis­her ver­lau­fen.»

Zur­zeit be­deu­te die Re­or­ga­ni­sa­ti­on des Ei­sen­bahn­mi­nis­te­ri­ums im März kei­ne gros­se Ve­rän­de­rung für Hu­ber+Suh­ner, da das Un­ter­neh­men schon seit län­ge­rem gut im Markt po­si­tio­niert sei. Doch län­ger­fris­tig sei die Re­or­ga­ni­sa­ti­on po­si­tiv, da da­durch die Be­wirt­schaf­tung der Ei­sen­bahn­sys­te­me ein se­pa­ra­tes, dem Wett­be­werb un­ter­lie­gen­des Ge­schäft wer­de. «Hu­ber+Suh­ner kann da mit gu­ten Pro­duk­ten viel da­zu bei­tra­gen – wie bei­spiels­wei­se In­ter­net­zu­gang im Zug.»

Zwei­stel­li­ges Wachs­tum

Für 2013 er­war­tet Kauf­mann ein ho­hes Wachs­tum im Ei­sen­bahn­markt so­wie ro­bus­ten Um­satz in der In­dus­trie aus­ser­halb des So­lar­be­reichs. «In ein­zel­nen Seg­men­ten rech­nen wir mit ei­nem Zu­wachs im zwei­stel­li­gen Be­reich.» Auf die Fra­ge, ob Hu­ber+Suh­ner in Chi­na or­ga­nisch oder durch Zu­käu­fe wach­sen will, meint Kauf­mann: «Wir wach­sen nor­ma­ler­wei­se or­ga­nisch. Aber Ak­qui­si­tio­nen, wie wir sie in klei­ne­rem Um­fang jüngst in den USA ge­macht ha­ben, schlies­sen wir nicht aus.»

Hu­ber+Suh­ners Ein­stieg in Chi­na vor vier­zehn Jah­ren war spät ge­nug, um nicht von ei­ner Jo­int-Ven­ture-Struk­tur ab­zu­hän­gen, und früh ge­nug, um mit dem Markt schnell wach­sen zu kön­nen. Am An­fang sei es schwie­rig ge­we­sen, die rich­ti­gen Leu­te zu fin­den. «Wir wähl­ten den kon­ven­tio­nel­len Weg und bau­ten das Ge­schäft mit­hil­fe von aus­län­di­schen Ar­beits­kräf­ten auf», er­klärt Kauf­mann. Heu­te sind nur noch ei­ne Hand­voll der 1140 Mit­ar­bei­ter in Chi­na «Ex­pats». Je­des aus­län­di­sche Un­ter­neh­men müs­se in Chi­na ei­ne stei­le Lern­kur­ve durch­lau­fen.

Als ei­nen Mei­len­stein in Chi­na nennt Kauf­mann den Bau der Fa­b­rik in Schang­hai vor elf Jah­ren: «Das war da­mals ein gros­ses Un­ter­fan­gen, das sich als sehr gu­te Stra­te­gie er­wie­sen hat.» Da­nach hät­ten das Ei­sen­bahn- und das So­lar­ge­schäft den Um­satz mas­siv wach­sen las­sen. Und der letz­te Mei­len­stein? Na­tür­lich die neue, zu­sätz­li­che Fa­b­rik in Chang­zhou.

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