Der rich­ti­ge Mann zur rech­ten Zeit

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Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung des Bör­sen­be­trei­bers SIX wähl­te am Mitt­woch Alex­and­re Zel­ler in den Ver­wal­tungs­rat, der ihn zum Prä­si­den­ten be­stimm­te. Der Ban­ker folgt auf Prof. Pe­ter Go­mez und ist in fach­li­cher und per­sön­li­cher Hin­sicht ein Glücks­fall für die SIX.

Alex­and­re Zel­ler hat Schu­len und Stu­di­um in Lau­sanne ab­ge­schlos­sen und beim Nah­rungs­mit­telmul­ti Nest­lé ers­te Er­fah­run­gen ge­sam­melt. 1987 trat er in die da­ma­li­ge Schwei­ze­ri­sche Kre­dit­an­stalt ein, wo er den gröss­ten Teil sei­ner Kar­rie­re ab­sol­vier­te. Am Schluss lei­te­te er das Pri­va­te-Ban­king-Ge­schäft von Cre­dit Suis­se in der Schweiz. 2002 wech­sel­te er als CEO zur Ban­que Can­to­na­le Vau­doi­se (BCV), die da­mals in gros­sen Schwie­rig­kei­ten steck­te und ei­nen Mil­li­ar­den­ver­lust schrieb. Un­ter sei­ner ope­ra­ti­ven Füh­rung ge­lang der Bank der Tur­naround. Im Früh­jahr 2008 wur­de er zum neu­en CEO von HSBC Pri­va­te Bank (Suis­se) ge­wählt. Kurz dar­auf wur­de das In­sti­tut Op­fer ei­nes gros­sen Da­ten­dieb­stahls, was aber nicht ver­hin­der­te, dass Zel­ler 2010 zum CEO der Re­gi­on Eu­ro­pa, Na­her Os­ten und Afri­ka der bri­tischasia­ti­schen Gross­bank er­nannt wur­de. Spä­ter wur­de be­kannt, dass HSBC Pri­va­te Bank (Suis­se) ei­ne von elf Ban­ken ist, die we­gen der An­nah­me un­ver­steu­er­ter Gel­der ins Vi­sier der US-Be­hör­den ge­riet. Im Früh­jahr 2012 trat Alex­and­re Zel­ler zu­rück.

Alex­and­re Zel­ler hat in sei­ner Kar­rie­re schwie­ri­ge Si­tua­tio­nen er­lebt, und auch sein neu­es Amt wird kein Sonn­tags­spa­zier­gang. Die SIX hegt Am­bi­tio­nen, mit Ak­qui­si­tio­nen zu wach­sen, und hat In­ter­es­se an den Cash-Märk­ten der Eu­ronext, soll­te die US- Roh­stoff­bör­se ICE sie ver­kau­fen. Die ICE ist dar­an, die Nyse Eu­ronext zu über­neh­men. In­ter­es­siert ist die ICE aber vor al­lem am US-Ak­ti­en­han­del so­wie an der De­ri­vat­bör­se Lif­fe. Die Eu­ron­ex­tAk­ti­en­platt­for­men ste­hen wohl zum Ver­kauf, was nicht er­staunt: In der Bran­che wird da­von aus­ge­gan­gen, dass in Eu­ro­pa im Kas­sa­markt nie­mand Geld ver­dient.

Ob die Ak­tio­nä­re der SIX – die Ban­ken – vor die­sem Hin­ter­grund die Über­nah­me von Eu­ronext wirk­lich ei­ne gu­te Sa­che fin­den, muss sich wei­sen. Si­cher ist, dass sich Alex­and­re Zel­ler dank sei­nem Hin­ter­grund und sei­ner Art so­wie im Sin­ne der Good Go­ver­nan­ce ak­tiv in die­ser Sa­che ein­brin­gen wird. Fi­nanz­platz-Fra­gen, das Ste­cken­pferd sei­nes Vor­gän­gers, könn­ten für die SIX et­was in den Hin­ter­grund rü­cken. Die SIX wird sich in Zu­kunft wohl et­was we­ni­ger um die an­de­ren und et­was mehr um sich selbst küm­mern.

Neu­er Prä­si­dent des Bör­sen­be­trei­bers SIX ist der Ban­ker

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