Zy­klen

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - MAR­CO GWER­DER,

Ha­ben Sie sich schon ein­mal über­legt, dass sich prak­tisch al­les in un­se­rem Le­ben und auf der Welt in Zy­klen ab­spielt? «Zy­klus» be­deu­tet für mich das stän­di­ge Über- und Un­ter­schies­sen ei­ner – in der Re­gel – an­stei­gen­den Ide­al­li­nie. Ge­nau wie die Zeit ha­ben Zy­klen we­der ei­nen An­fang noch ein En­de. Pas­send da­zu das Zi­tat des Mo­nats auf www.mgtra­ding.ch. «Das En­de ei­nes Zy­klus ist der An­fang des nächs­ten.» Die Darstel­lung in Form ei­ner Uhr ( Vier­pha­sen­mo­dell, Ak­ti­en­markt­zy­klus, Kon­junk­tur­zy­klus etc.) ist da­her na­he­lie­gend.

An­ge­trie­ben wird ein Zy­klus von meh­re­ren Fak­to­ren. Ei­ni­ge sind of­fen­sicht­lich, an­de­re nur schwer bis gar nicht er­kenn- bar. Da­her neh­me ich ten­den­zi­ell Ab­stand von den so­ge­nann­ten Dis­zi­plin- bzw. Ein­zel­wis­sen­schaf­ten. Die­se stark spe­zia­li­sier­te Be­trach­tungs­wei­se scheint mir un­ge­eig­net für un­se­re kom­ple­xe Welt.

Mir be­rei­tet in die­sem Zu­sam­men­hang der Aus­druck «ce­te­ris pa­ri­bus» Kopf­schmer­zen. «Un­ter sonst glei­chen Be­din­gun­gen», al­so wenn sich von meh­re­ren Fak­to­ren nur ei­ner ver­än­dert. Ein An­satz, der für Ex­pe­ri­men­te an­ge­wen­det wird oder kon­kret in der Theo­rie der Op­ti­ons­preis­bil­dung zur Spra­che kommt. Sehr ex­trem for­mu­liert wür­de ich da­ge­gen­hal­ten, dass wir nur et­was mit ab­so­lu­ter Si­cher­heit sa­gen kön­nen: Es wird sich un­ter kei­nen Um­stän­den nur ein Fak­tor bei sonst glei­chen Be­din­gun­gen ver­än­dern. Dies vor Au­gen ge­hal­ten, re­la­ti­viert die ei­ne oder an­de­re Er­kennt­nis und Theo­rie. In mei­nen Au­gen darf man es auch durch­aus zu­las­sen, ei­ne Ur­sa­che für ein Er­eig­nis nicht zu ken­nen. Wenn Bör­sen­kur­se sich in ei­ne be­stimm­te Rich­tung be­we­gen, reicht es oft zu wis­sen, dass sie es tun. Das War­um än­dert nichts dar­an. Bei­spie­le aus dem ver­gan­ge­nen Jahr sind stei­gen­de Ak­ti­en­kur­se in­fol­ge schlech­te­rer Ar­beits­markt­da­ten. Laut Ana­lys­ten lag der Grund in der Hoff­nung der An­le­ger auf wei­te­re quan­ti­ta­ti­ve Mass­nah­men der No­ten­bank. Aber wer weiss das schon.

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