EZB soll noch mehr lo­ckern

Finanz und Wirtschaft - - KONJUNKTURSPIEGEL - AT

Am An­fang steht ei­ne ver­hal­ten op­ti­mis­ti­sche Aus­sa­ge für die Welt­wirt­schaft: «Falls schäd­li­che Er­eig­nis­se aus­blei­ben, soll­te das Wachs­tum in den ent­wi­ckel­ten Volks­wirt­schaf­ten in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2013 und im Jahr 2014 lang­sam an­zie­hen», schreibt die Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD) in ih­rem Jah­res­aus­blick. 2014 wird den OECDStaa­ten ins­ge­samt ein Wachs­tum von 2,3% vor­her­ge­sagt, nach 1,2% in die­sem Jahr. Den Nicht-OECD-Staa­ten – gröss­ten­teils wachs­tums­star­ke Schwellenländer – wird ein ro­bus­tes Wachs­tum von 6,2% pro­gnos­ti­ziert.

Doch in den ent­wi­ckel­ten In­dus­trie­län­dern wie auch in den Schwel­len­län­dern ge­be es gros­se Un­ter­schie­de. So wer­de die Ar­beits­lo­sig­keit in den USA und Ja­pan wei­ter sin­ken, sich in der Eu­ro­zo­ne aber erst 2014 sta­bi­li­sie­ren – «auf ei­nem sehr ho­hen Ni­veau». Die Geld­po­li­tik in der Eu­ro­zo­ne müs­se da­her noch ex­pan­si­ver wer­den. In den USA müs­se das Fed die lo­cke­re Geld­po­li­tik zwar fort­füh­ren, kön­ne aber die An­lei­hen­käu­fe bald lang­sam zu­rück­fah­ren. In Ame­ri­ka kön­ne sich denn auch die In­fla­ti­on leicht er­hö­hen, in den Eu­ro­staa­ten wer­de sie aber «sehr nied­rig» blei­ben.

Eu­ro­zo­ne bleibt in­sta­bil

Ins­be­son­de­re in der Eu­ro­zo­ne be­steht das Ri­si­ko, dass ein «Event» (Er­eig­nis) wie­der ei­ne neue Kri­se aus­löst, die sich im Um­feld mit schwach ka­pi­ta­li­sier­ten Ban­ken, über­dehn­ten Staats­haus­hal­ten und dem Ri­si­ko ei­nes Eu­ro­aus­tritts schnell ver­stär­ken könn­te.

Für 2014 wird für die USA ein Wachs­tum von 2,8% vor­her­ge­sagt, für die Eu­ro­zo­ne 1,1% (nach ei­ner Schrump­fung der Wirt­schafts­leis­tung in die­sem Jahr). Ja­pans No­ten­bank­po­li­tik wird das Wachs­tum an­schei­nend nicht be­schleu­ni­gen kön­nen: Die OECD sieht nur ei­nen Rück­gang des Wachs­tums von 1,6% in die­sem Jahr auf 1,4% 2014. Op­ti­mis­tisch sind die Öko­no­men der in Pa­ris an­säs­si­gen Or­ga­ni­sa­ti­on für Chi­na. Das Wachs­tum wird sich dort von 7,8 auf 8,4% im nächs­ten Jahr be­schleu­ni­gen.

Deutsch­land führt wei­ter

Auch das Wachs­tum in­ner­halb der Eu­ro­zo­ne zeigt deut­li­che Un­ter­schie­de. Ge­mes­sen am BIP steht un­ter den gros­sen Volks­wirt­schaf­ten in der Eu­ro­zo­ne nur Deutsch­land bes­ser da als 2008. Und es geht so wei­ter: Für 2014 wer­de Deutsch­land um 1,9% wach­sen. Frank­reichs Wachs­tum wird da­ge­gen nur 0,8% be­tra­gen, das Wachs­tum in Ita­li­en und Spa­ni­en 0,4%. Die grie­chi­sche Wirt­schaft wird um 1,2% schrump­fen (2013 soll die grie­chi­sche Wirt­schaft um 4,8% schrump­fen, nach 6,4% 2012).

Be­son­ders ne­ga­tiv für den wei­te­ren Aus­blick: Die Kre­dit­zin­sen in der Eu­ro­zo­ne ha­ben sich trotz al­ler Li­qui­di­täts­pro­gram­me der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank nicht ver­engt. Ein Un­ter­neh­men in Deutsch­land oder Frank­reich muss deut­lich we­ni­ger an Zin­sen be­zah­len als ei­nes in Ita­li­en oder Spa­ni­en. Da­ge­gen wür­den sich die Lohn­kos­ten der Pe­ri­phe­rie­staa­ten den Eu­ro­kern­staa­ten (Deutsch­land, Nie­der­lan­de, Ös­ter­reich und Finn­land) lang­sam an­glei­chen – sie fal­len ra­sant, aus­ser in Frank­reich. Der Pro­zess ist aber noch nicht ab­ge­schlos­sen: Der Kern hat noch deut­lich güns­ti­ge­re Ar­beits­kos­ten.

Aus­blick für OECD-Raum

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