Das Nik­kei-ca­si­no

Nicht zum ers­ten Mal ist Ja­pan Spiel­ball glo­ba­ler In­ves­to­ren

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PE­TER ROH­NER

Ja­pan ist zu­rück im An­le­ger­fo­kus. Nach jahr­zehn­te­lan­ger De­fla­ti­on, lah­men­der Wirt­schaft und po­li­ti­scher Blo­cka­de hat mit Shin­zo Abe ein Pre­mier das Ru­der in der Hand, der ge­willt ist, die Pro­ble­me an­zu­pa­cken. Sein wirt­schafts­po­li­ti­sches Pro­gramm, Abe­no­mics (vgl. Text links), hat die Fi­nanz­märk­te durch­ge­rüt­telt. Der Yen hat sich 20% ab­ge­wer­tet, ja­pa­ni­sche Ak­ti­en schos­sen durch die De­cke. Der Nik­kei 225 hat seit Ok­to­ber 2012 mehr als 60% ge­won­nen. Sol­che Be­we­gun­gen auf In­de­xe­be­ne sind höchst sel­ten, mög­lich war die­se nur mit Un­ter­stüt­zung aus­län­di­scher An­le­ger.

Nach jah­re­lan­ger Ab­we­sen­heit ge­hö­ren aus­län­di­sche In­ves­to­ren wie­der zu den gros­sen Käu­fern (vgl. Gra­fik). Seit An­fang Jahr ha­ben sie net­to ja­pa­ni­sche Ak­ti­en im Wert von über 8 Bio. Yen ge­kauft. Der «Crow­ded Tra­de» hiess: Nik­kei long, Yen short. In Kür­ze wa­ren da­zu auch schon die pas­sen­den Pro­duk­te und ETF zu­recht­ge­schnei­dert. Auch von fremd­fi­nan­zier­ten Wet­ten war die Re­de. Hef­ti­ge Kor­rek­tu­ren wa­ren die lo­gi­sche Kon­se­quenz der zu ein­sei­ti­gen Po­si­tio­nie­rung und gleich­ge­schal­te­ter Spe­ku­la­ti­on. Vor Wo­chen­frist ver­lor der Nik­kei in ei­nem Tag 7%, am Don­ners­tag wa­ren es noch­mals mehr als 5% (vgl. Gra­fik).

Abes Po­li­tik wirkt lang­sam

Spe­ku­lie­ren mit ja­pa­ni­schen Ak­ti­en hat Tra­di­ti­on. Zum Bei­spiel in den Acht­zi­ger- und Neun­zi­ger­jah­ren. Da­mals war das Spe­ku­lie­ren mit Op­tio­nen auf ja­pa­ni­sche Ti­tel en vogue. In den Acht­zi­gern war das lu­kra­tiv, in den Neun­zi­gern führ­te es für vie­le ins Ver­der­ben. Der Händ­ler Nick Lee­son brach­te 1995 mit ge­he­bel­ten Wet­ten auf ja­pa­ni­sche Ak­ti­en so­gar die Ba­rings Bank zu Fall, als er ver­geb­lich ver­such­te, den Nik­kei über Fu­tures-Käu­fe sta­bil zu hal­ten.

Ein Ca­si­no, wo auf lan­ge Sicht nur die Bank ge­winnt, ist der ja­pa­ni­sche Ak­ti­en­markt aber den­noch nicht. Da­mit

Aus­län­di­sche Ak­ti­en­käu­fer ei­ne Spe­ku­la­ti­ons­wel­le in Gang kommt, braucht es ei­ne über­zeu­gen­de In­vest­ment-Ge­schich­te, die fun­da­men­tal be­grün­det ist. Im Fall des Nik­kei ist das Abe­no­mics, die um­fas­sen­de Wirt­schafts­po­li­tik zur Wie­der­be­le­bung der ja­pa­ni­schen Wirt­schaft. Ers­te An­zei­chen für ih­ren re­al­wirt­schaft­li­chen Er­folg gibt es: Im ers­ten Quar­tal ist Nip­pons Wirt­schaft auf das Jahr hoch­ge­rech­net 3,5% ge­wach­sen. Im April hat die In­dus­trie ih­ren Aus­stoss dank des An­stiegs bei den Ex­port­ge­schäf­ten un­er­war­tet kräf­tig um 1,7% er­höht. Der Ein­kaufs­ma­na­ger­index des ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­bes zeig­te im Mai eben­falls wei­ter nach oben und stieg von 51,1 auf 51,5. Wer­te über 50 si­gna­li­sie­ren ei­ne Ex­pan­si­on.

Von Bernan­ke ler­nen

Der von Abe ein­ge­schla­ge­ne Weg ist aber vol­ler Ri­si­ken und nicht oh­ne Wi­der­sprü­che. Die Geld- und Wirt­schafts­po­li­tik soll gleich­zei­tig die In­fla­ti­on an­he­ben, aber die Zin­sen nied­rig hal­ten. Die Bank of Ja­pan hat ei­ne schwie­ri­ge Auf­ga­be: Sie muss da­für sor­gen, dass die Zin­sen nicht schnel­ler oder zu­erst stei­gen als die In­fla­ti­on und das Wachs­tum. Das kön­ne sie nur er­rei­chen, wenn sie Leit­li­ni­en für die Ent­wick­lung der lang­fris­ti­gen Zin­sen auf­stel­le, meint et­wa Mar­tin Wolf von der «Fi­nan­ci­al Ti­mes». Sie müs­se so­fort ein­grei­fen, wenn die Ren­di­ten aus dem vor­ge­ge­be­nen Kor­ri­dor aus­brä­chen. Auch ein an Be­din­gun­gen ge­knüpf­tes Null­zins­ver­spre­chen, wie es die US-No­ten­bank vor­ge­macht hat, könn­te ei­ne Lö­sung sein.

No­ten­bank­chef Ha­r­u­hi­ko Ku­ro­da kann in Sa­chen Be­re­chen­bar­keit und Kom­mu­ni­ka­ti­on al­so viel von US-No­ten­bank­chef Ben Bernan­ke und EZBPrä­si­dent Ma­rio Draghi ler­nen. Dann ste­hen die Chan­cen bes­ser, dass das gros­se wag­hal­si­ge ja­pa­ni­sche Ex­pe­ri­ment auch ge­lingt. Ja­pans Bör­se ste­hen da­mit vo­la­ti­le Zei­ten ins Haus. An­ders als im Ca­si­no zeigt der lang­fris­ti­ge Trend aber nach oben.

Ja­pa­ni­sche Bör­se und Yen

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