Ja­pans Bör­se sucht die Ba­lan­ce

AK­TI­EN Be­wer­tun­gen glei­chen sich glo­ba­len Märk­ten an – Nur ein Teil der Un­ter­neh­men wird vom ver­än­der­ten Um­feld pro­fi­tie­ren

Finanz und Wirtschaft - - ASSET MANAGEMENT - MA­RIO CA­PAUL

Die Rück­kehr von Ja­pan – wer sich bei die­sem Satz an die «Star Wars»-Sa­ga von US-Film­pro­du­zent Ge­or­ge Lucas mit ih­rer «Rück­kehr der Je­di-Rit­ter» er­in­nert, liegt nicht ganz falsch. Das Wech­sel­bad der Ge­füh­le, das der Film er­zeugt, ist ähn­lich wie das er­fah­re­ner In­ves­to­ren im ja­pa­ni­schen Markt. Licht und Schat­ten wech­seln stän­dig.

Ob am En­de das Gu­te siegt re­spek­ti­ve ob sich ein En­ga­ge­ment be­zahlt macht, be­inhal­tet ein be­trächt­li­ches dra­ma­tur­gi­sches Po­ten­zi­al, man den­ke nur an Fu­kus­hi­ma. Der am 4. Mai 2011 in der FuW pu­bli­zier­te Bei­trag «Ja­pa­ni­sche Ak­ti­en im glo­ba­len Kon­text» fol­ger­te, dass An­le­ger trotz al­len be­kann­ten Vor­be­hal­ten durch­aus die Chan­ce auf ei­ne an­ge­mes­se­ne Ren­di­te ha­ben, so­fern sie mit dem rich­ti­gen Rüst­zeug aus­ge­stat­tet sind. Seit­her sind mehr als zwei Jah­re ins Land ge­zo­gen, und ja­pa­ni­sche Ak­ti­en ha­ben in Fran­ken bes­ser ab­ge­schnit­ten als der MSCI-Welt­in­dex.

Wie wei­ter am Ka­bu­to­cho?

Ja­pan ist wie­der ge­fragt, seit der neue Pre­mier Shin­zo Abe ein Wachs­tums­pro­gramm von 10,3 Bio. Yen (rund 97 Mrd. Fr.) be­kannt­ge­ge­ben hat (vgl. Sei­te 21). Dar­über hin­aus möch­te Abe für ge­wis­se Bran­chen wie die Land­wirt­schaft, die Phar­ma und den Strom­sek­tor Be­din­gun­gen schaf­fen, die we­sent­lich wett­be­werbs­för­dern­der sind als bis an­hin.

Abe ist in der ja­pa­ni­schen Be­völ­ke­rung sehr po­pu­lär, und sei­ne Par­tei dürf­te den Pro­gno­sen zu­fol­ge im Ju­li die Ober­haus­wah­len ge­win­nen. Ob er dann all die Plä­ne rea­li­sie­ren kann, wird sich wei­sen. Of­fen ist auch, wie die Mass­nah­men mit­tel- bis lang­fris­tig auf die Kauf­kraft der Kon­su­men­ten und die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne wir­ken. Doch die kurz­fris­ti­ge Ein­schät­zung der (aus­län­di­schen) An­le­ger ist of­fen­sicht­lich. In der Mit­te Mai von Bloom­berg im Quar­tals­rhyth­mus durch­ge­führ­ten In­ves­to­ren­be­fra­gung mit Blick auf die An­la­ge­per­spek­ti­ven für die nächs­ten zwölf Mo­na­te wird Ja­pan nach den USA noch vor Chi­na ge­nannt.

Als Fol­ge der aus­ser­ge­wöhn­lich gu­ten Per­for­mance bis En­de Mai hat sich die vor zwei Jah­ren fest­ge­stell­te güns­ti­ge Be­wer­tung des ja­pa­ni­schen Ak­ti­en­mark­tes nun der­je­ni­gen des Welt­in­dex an­ge­gli­chen (vgl. Gra­fik 1). Der glo­ba­le wie auch

Re­la­ti­ve Be­wer­tung des ja­pa­ni­schen Ak­ti­en­markts der ja­pa­ni­sche Ak­ti­en­in­dex no­tie­ren im Be­reich des neun­fa­chen ope­ra­ti­ven Er­trags (Cash­flow), was dem 42-jäh­ri­gen Durch­schnitt ent­spricht und noch kei­ne Über­wer­tung an­zeigt.

Die Be­wer­tung im­pli­ziert aber auch, dass die Pro­fi­ta­bi­li­tät der Un­ter­neh­men in Zu­kunft stei­gen muss, sonst droht ei­ne Über­be­wer­tung. Raum für Ver­bes­se­run­gen gibt es nach wie vor (vgl. Gra­fik 2), doch das ak­tu­el­le Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) ist mit rund 24 (To­pix-In­dex) ver­hält­nis­mäs­sig hoch.

Zu­sam­men­fas­send kann die Fra­ge, wie sich Ja­pans Ak­ti­en­markt ent­wi­ckeln wird, nicht mehr iso­liert be­trach­tet wer- den. So­lan­ge die USA, Ja­pan und Eu­ro­pa die ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik bei­be­hal­ten und die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne nicht mar­kant ein­bre­chen, wer­den die An­le­ger zu­sätz­li­ches Ka­pi­tal an die Bör­se und – trotz re­spek­ti­ve nach den jüngs­ten Rück­schlä­gen wo­mög­lich be­son­ders – auch nach Ja­pan lei­ten. Die ho­hen Ar­beits­lo­sen­ra­ten und die mo­de­ra­ten In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen kün­di­gen noch kei­nen Mei­nungs­um­schwung in Sa­chen Geld­po­li­tik an.

Ein spe­zi­el­les Au­gen­merk er­for­dert wei­ter­hin der Yen. Die Ab­wer­tung in den letz­ten sechs Mo­na­ten war prä­gnant. Ge­gen­über dem Fran­ken hat er rund 18% an Wert ein­ge­büsst. Wei­te­re 10 bis 15% sind denk­bar. Al­ler­dings hat es so gros­se, meh­re­re Jah­re dau­ern­de Ve­rän­de­run­gen seit den Sieb­zi­ger­jah­ren nur sehr sel­ten ge­ge­ben.

Spreu vom Wei­zen tren­nen

Die Abe­no­mics und die neu­en Ver­hält­nis­se in Nip­pon än­dern nichts dar­an, dass ei­ne so­li­de Ti­telaus­wahl dem pas­si­ven An­le­gen über­le­gen ist. Je län­ger der Auf­schwung geht, um­so wich­ti­ger wird ein über­leg­ter, ak­ti­ver An­satz. Wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zahlt es sich aus, auf Un­ter­neh­men in Wachs­tums­bran­chen zu set­zen, mit ei­nem so­li­den Ge­schäfts­mo­dell und ei­ner kos­ten­be­wuss­ten Füh­rung. Die­se «Dia­man­ten», so der Rei­fen­her­stel­ler Bridges­to­ne, ha­ben auch in schwie­ri-

Auf Un­ter­neh­men in Wachs­tums­bran­chen mit so­li­dem Ge­schäfts­mo­dell und kos­ten­be­wuss­ter Füh­rung set­zen.

gen Pha­sen wie dem wirt­schaft­li­chen Rück­schlag 2008/2009, dem gros­sen To­ho­ku-Erd­be­ben und den Über­schwem­mun­gen in Thai­land 2011 ihr ho­hes Ren­di­teni­veau hal­ten kön­nen.

An­de­rer­seits gilt es, kurz­fris­ti­ge Ge­le­gen­hei­ten mit sys­te­ma­ti­scher Be­ob­ach­tung von Va­lue-Ak­ti­en zu nut­zen. Va­lo­ren wie bei­spiels­wei­se die­je­ni­gen von Sum­co, ei­nem Pro­du­zen­ten von Si­li­zi­um­roh­lin­gen (In­got) und -schei­ben (Wa­fer), wa­ren lan­ge un­ter­be­wer­tet, weil die meis­ten In­ves­to­ren da­von aus­gin­gen, dass die Pro­fi­ta­bi­li­tät we­gen des Preis­drucks auf den Ab­satz­märk­ten wei­ter­hin lei­den wür­de. Seit Be­ginn der Abe­no­mics scheint ein Um­den­ken statt­ge­fun­den zu ha­ben.

Üb­ri­gens: Shin­zo Abe hat wie Ge­or­ge Lucas an der Uni­ver­si­ty of Sou­thern Ca­li­for­nia in Los Angeles stu­diert, zwar nicht an der Film­schu­le (School of Ci­ne­ma­tic Arts), son­dern am In­sti­tut für Stra­te­gie, Pla­nung und Ent­wick­lung (School of Po­li­cy, Plan­ning, and De­ve­lop­ment). Span­nen­de Dreh­bü­cher zu schrei­ben, ha­ben aber bei­de ge­lernt. Ma­rio Ca­paul, Ma­na­ging Di­rec­tor, Swiss & Glo­bal As­set Ma­nage­ment.

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