Ausverkauf beim Gold

EDEL­ME­TAL­LE Phy­si­sches Gold wird mit ei­nem ho­hen Auf­schlag ge­han­delt

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - MAT­THI­AS IN­DER­BIT­ZIN

Gold ist rund 15% güns­ti­ger als noch zu Be­ginn des Jah­res. Die wich­tigs­ten Käu­fer pro­fi­tie­ren von die­ser ein­ma­li­gen Ge­le­gen­heit und schla­gen mit Freu­de zu. Ge­mäss World Gold Coun­cil wird der grösste Ab­neh­mer des phy­si­schen Golds, In­di­en, al­lein in die­sem Quar­tal dop­pelt so viel des Edel­me­talls nach­fra­gen wie im zwei­ten Quar­tal des ver­gan­ge­nen Jah­res.

Wur­den vor ei­nem Jahr noch 180 Ton­nen ge­kauft, so sind es nun rund 350 Ton­nen. So viel ver­kauf­ten die ETF seit Jah­res­an­fang. Doch auch chi­ne­si­sche In­ves­to­ren las­sen sich die Kauf­ge­le­gen­heit nicht ent­ge­hen. Nach ei­nem ful­mi­nan­ten ers­ten Quar­tal, mit 20% hö­he­ren Gold­im­por­ten als noch vor ei­nem Jahr, spran­gen die Käu­fe nach Be­ginn des ei­gent­li­chen Aus­ver­kaufs Mit­te April noch ein­mal stark an.

Al­lein in die­sem Mo­nat la­gen die Net­to­im­por­te in Chi­na zwi­schen 160 bis 170 Ton­nen. Vor den Ge­schäf­ten bil­de­ten sich lan­ge War­te­schlan­gen. Die Kon­su­men­ten be­zahl­ten bis zu 50 $ Prä­mie pro Un­ze, um an das phy­si­sche Gold zu ge­lan­gen. In Sin­ga­pur gin­gen nach dem ers­ten An­sturm die Gold­bar­ren mit Stü­cke­lung von 50 und 100 Gramm so­gar aus, und an­de­re Ein­hei­ten wa­ren auch hier nur mit Auf­schlä­gen er­hält­lich. In Du­bai wur­de al­lein im April so viel Gold ein­ge­führt wie über das gan­ze letz­te Jahr ver­teilt. Aber auch in der Schweiz sind laut Aus­sa­gen ein­zel­ner An­bie­ter vor­wie­gend Käu­fe zu ver­zeich­nen.

Zu gu­ter Letzt pro­fi­tie­ren auch die Zen­tral­ban­ken auf­stre­ben­der Län­der von der Aus­ver­kaufs­stim­mung: Sie kön­nen ih­re jet­zi­ge Al­lo­ka­ti­on in Gold von rund 2,5% suk­zes­si­ve wei­ter aus­bau­en. Soll­ten die­se Käu­fer, die sich auf lang­fris­ti­ge An­la­gen kon­zen­trie­ren, ei­ne mo­de­ra­te Po­si­tio­nie­rung in Gold in Hö­he von 15% ih­rer Fremd­wäh­rungs­re­ser­ven an­stre­ben, was er­war­tet wird, ent­spricht das Gold­pro­duk­ti­on über sie­ben Jah­re.

Ganz an­ders als die Schwellenländer scheint der Wes­ten die Aus­sich­ten für das gel­be Me­tall ein­zu­schät­zen. Meh­re­re Ban­ken äus­ser­ten sich ne­ga­tiv über die wei­te­re Ent­wick­lung des Golds, da der schon lan­ge er­war­te­te, bal­di­ge wirt­schaft­li­che Auf­schwung in den USA ein­mal mehr in Aus­sicht ge­stellt wird. Spe­ku­la­ti­ve An­le­ger aus dem Wes­ten, die Mo­men­tums­tra­te­gi­en fol­gen, nah­men das ne­ga­ti­ve Sen­ti­ment zum An­lass, um die be­reits ho­hen Short-Po­si­tio­nen an der Comex auf neue Re­kord­hö­hen zu stei­gern.

Wie lässt sich die heu­ti­ge Si­tua­ti­on am Gold­markt um­schrei­ben? Der­zeit ist ein mar­kan­tes Aus­ein­an­der­drif­ten der un­ter­schied­li­chen Preis­ge­stal­tun­gen zu be­ob­ach­ten. Ei­ner­seits er­gibt sich der Goldpreis aus den Trans­ak­tio­nen im Pa­pier­han­del an­ge­führt vom Wes­ten. An­de­rer­seits wird der Preis des phy­si­schen Gol­des tag­täg­lich an den un­ter­schied­lichs­ten Or­ten auf die­ser Welt ent­spre­chend An­ge­bot und Nach­fra­ge aus­ge­han­delt. Die­se Di­cho­to­mie re­sul­tiert in ei­nem Goldpreis der nicht mehr dem Preis des Gol­des ent­spricht.

Was wird die ge­gen­sätz­li­chen Kräf­te wie­der ins Gleich­ge­wicht brin­gen? Hier­zu gilt es zu be­rück­sich­ti­gen, dass phy­si­sches Gold nicht wie an­de­re mo­ne­tä­re Grös­sen be­lie­big ver­mehrt wer­den kann. Die sta­gnie­ren­de Pro­duk­ti­on er­höht den glo­ba­len Gold­be­stand jähr­lich ma­xi­mal um 2%. Die stei­gen­de Nach­fra­ge nach Gold kann nur über hö­he­re No­tie­run­gen ge­löst wer­den. Wie aus der Ver­gan­gen­heit be­kannt, wer­den sich die Short-Po­si­tio­nen an der Comex wie­der nor­ma­li­sie­ren. Dies al­les deu­tet auf stei­gen­de Prei­se des Gol­des.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.