Wel­che Ak­ti­en zu ge­fähr­lich sind

SCHWEIZ Teu­er, ein­fach nur kraft­los oder gar un­wäg­bar – Wo­an­ders lo­cken mehr Chan­cen

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - THO­MAS HENGARTNER

Aufs Tem­po drü­cken oder vom Gas ge­hen? Im Ak­ti­en­markt drin­blei­ben, jetzt um­stei­gen oder gänz­lich weg­ge­hen – die im­mer wie­der­keh­ren­de Gr­und­fra­ge­stel­lung der An­le­ger soll dies­mal mit Über­le­gun­gen aus­ge­leuch­tet wer­den, von wel­chen Ak­ti­en vor­erst bes­ser die Fin­ger zu las­sen sind. Mit Emp­feh­lun­gen zu Ge­win­nern des schwä­cher ge­wor­de­nen Fran­kens und mit ei­ner Auf­lis­tung von im Kurs erst we­nig ent­wi­ckel­ten Ak­ti­en hat «Fi­nanz und Wirt­schaft» jüngst an­de­re Schwer­punk­te ge­setzt (vgl. un­ten­ste­hen­den Hin­weis).

An­la­ge­tak­tik hat selbst­ver­ständ­lich da­mit zu be­gin­nen, wel­che Ge­samt­markt­ent­wick­lung als wahr­schein­lich an­ge­nom­men wird. Die Stim­mung an den Ak­ti­en­bör­sen ist ner­vö­ser ge­wor­den, was sich deut­lich an den wuch­ti­ge­ren Ta­ges­schwan­kun­gen er­ken­nen lässt.

Bör­se zu­neh­mend kniff­lig

Das ängst­li­che­re und folg­lich hek­ti­sche­re Ver­hal­ten vie­ler In­ves­to­ren ist nur zu ver­ständ­lich. Gut aus­ge­hen wird die schon mo­na­te­lang lau­fen­de Ak­ti­en­hausse nur, wenn die «Gra­tis­geld»-Ver­sor­gung der we­sent­li­chen No­ten­ban­ken un­ter­bruch­los ab­ge­löst wird von ei­ner brei­ten und dau­er­haft er­schei­nen­den wirt­schaft­li­chen Be­le­bung wich­ti­ger Län­der.

Die Ma­ni­pu­la­ti­on der Fi­nanz­märk­te durch die Zen­tral­ban­ken hat al­ler­dings ein Aus­mass er­reicht, das Zwei­fel schü­ren muss am Zu­stan­de­kom­men ei­ner glat­ten, ver­wer­fungs­frei­en öko­no­mi­schen Steue­rung. Die Fin­ger zu las­sen von Ak­ti­en, die zu we­nig ein­schätz­bar, zu schwäch­lich oder auch «nur» zu teu­er sind, kann da ei­ne Er­folg ver­spre­chen­de Re­zep­tur sein. Un­ter die­ser Prä­mis­se ist selbst ein En­ga­ge­ment in Ak­ti­en gut qua­li­fi­zier­ter, aber im his­to­ri­schen bzw. dem Bran­chen­ver­gleich über­mäs­sig hoch be­wer­te­ter Un­ter­neh­men zu hin­ter­fra­gen. Des­halb wagt «Fi­nanz und Wirt­schaft» auch, mit Ems-Che­mie und Zu­rich In­suran­ce zwei bes­tens re­pu­tier­te Bör­sen­ver­tre­ter in die­sen Kon­text zu stel­len (vgl. links).

Be­wer­tung kri­tisch prü­fen

Ih­re Ak­ti­en sind ge­mes­sen an den gän­gi­gen Be­wer­tungs­mass­stä­ben auf so ho­hem Ni­veau, dass kaum noch Kur­s­po­ten­zi­al bleibt. Die Pa­pie­re der In­dus­trie­grup­pe sind im Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) weit über die Mar­ken des mehr­jäh­ri­gen Be­wer­tungs­ban­des ge­stie­gen. Die Zu­richAk­ti­en no­tie­ren mit ei­ner im Bran­chen­ver­gleich über­mäs­si­gen Prä­mie zum Bi­lanz­wert (Kurs-Buch­wert-Ver­hält­nis bzw. KBV). Dem mag zwar die mit über 6% ho­he Aus­schüt­tungs­ren­di­te ent­ge­gen­ge­stellt wer­den, doch Di­vi­den­de be­zahlt wird nächst­mals erst in zehn Mo­na­ten.

Uner­spriess­lich ist wohl ein En­ga­ge­ment in Be­tei­li­gungs­wer­ten von Un­ter­neh­men, die in ei­nem schwie­ri­gen Markt ge­fan­gen sind. Das trifft et­wa zu auf den So­lar­ener­gie­aus­rüs­ter Mey­er Bur­ger, des­sen Ab­satz­märk­te in kaum mehr vor­her­seh­ba­rer Wei­se von Ve­rän­de­run­gen der Sub­ven­tio­nie­rung en­er­ge­ti­scher Mass­nah­men ab­hängt, der sich vie­le Län­der ver­schrie­ben ha­ben.

In ver­zwick­ter La­ge be­fin­det sich auch der Ge­rä­te­her­stel­ler Lo­gi­tech, der von den ra­schen Ver­schie­bun­gen am Markt für Com­pu­ter und Zu­be­hör her­aus­ge­for­dert ist. In sol­chen Fäl­len kann selbst ein als fä­hig qua­li­fi­zier­tes Ma­nage­ment nur we­nig ge­si­cher­te An­ga­ben zur ge­schäft­li­chen Ent­wick­lung ver­brei­ten. Wenn an­stel­le von Be­re­chen­bar­keit nur auf Op­ti­mis­mus ge­setzt wer­den muss, wer­den In­vest­ments rasch ge­fähr­lich.

Dass un­güns­ti­ge Markt­kon­stel­la­tio­nen for­dern, ist nichts wirk­lich Neu­es. Zu­dem ist selbst­ver­ständ­lich, dass dar­in nicht nur Ge­fah­ren lau­ern, son­dern fin­di­ge Ma­na­ger auch Ge­schäfts­chan­cen zu ent­de­cken fä­hig sind. Die un­ter­neh­me­ri­sche Ba­lan­ce zu hal­ten und zugleich Kraft für An­pas­sun­gen und for­sche Schrit­te auf­zu­brin- gen, ist aber we­der si­cher noch ein­fach. Die ne­ben­ste­hen­de Ne­ga­tiv-Se­lek­ti­on ist we­der voll­stän­dig noch de­fi­ni­tiv. Und: Was vie­len In­ves­to­ren als un­wäg­bar er­scheint, kann für be­son­ders ri­si­ko­be­rei­te An­le­ger ei­ne güns­ti­ge Ge­le­gen­heit sein. Die brei­te An­le­ger­schaft wird sich je­doch für be­re­chen­bar ein­zu­stu­fen­de In­vest­ments ent­schei­den: in Ak­ti­en ver­läss­lich ge­führ­ter und so­lid fi­nan­zier­ter Un­ter­neh­men, die in sta­bil an­mu­ten­den Märk­ten zu den füh­ren­den An­bie­tern zu zäh­len sind.

Ge­fähr­lich an der Bör­se wird es oft dann, wenn ho­he Zie­le ver­passt wer­den.

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