Es wer­den noch Köp­fe rol­len

SCHWEIZ Us-steu­er­streit braucht zur Lö­sung Buss­geld, Da­ten und per­so­nel­le Op­fer – In­ves­to­ren ach­ten auf Kom­mis­si­ons­ein­nah­men

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - MO­NI­CA HEGG­LIN UND THO­MAS WYSS

Wie schlimm kann es kom­men? Un­er­war­tet mel­den sich Ex­po­nen­ten der Fi­nanz­bran­che zu Wort. Sie re­la­ti­vie­ren das Un­ter­gangs­sze­na­rio, das Bern her­auf­be­schwört, soll­te das Par­la­ment das vor­ge­schla­ge­ne Ge­setz «zur Er­leich­te­rung der Ber­ei­ni­gung des Steu­er­streits» nicht durch­win­ken. So oder so ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Schwei­zer Ban­ken der ame­ri­ka­ni­schen Sei­te nicht nur Geld und Kun­den­da­ten wer­den lie­fern müs­sen, son­dern auch Köp­fe.

«Ei­ne Bank, die ko­ope­riert, wird nicht an­ge­klagt», sag­te ein hoch­ran­gi­ger Ver­tre­ter der Zürcher Kan­to­nal­bank ge­gen­über der FuW. Auch wenn es nicht im­mer ganz rund läuft, so be­to­nen die Ban­ken der so­ge­nann­ten ers­ten Ka­te­go­rie – ge­gen sie lau­fen be­reits Un­ter­su­chun­gen in den USA – , dass sie im Rah­men des Mög­li­chen eng mit den US-Be­hör­den zu­sam­men­ar­bei­ten. Es sind dies un­ter an­de­rem Cre­dit Suis­se, Ju­li­us Bär, Zürcher Kan­to­nal­bank, Bas­ler Kan­to­nal­bank. Selbst wenn die Schweiz die US-Of­fer­te aus­schlägt, wer­den die ge­nann­ten Ban­ken tun, was nö­tig ist, um das Über­le­ben zu si­chern, und die ge­for­der­ten Da­ten auf ei­ge­ne Faust den Ame­ri­ka­nern über­ge­ben. Wenn es sich da­bei nicht um Kun­den­da­ten han­delt, liegt dar­in auch kei­ne Ver­let­zung des Bank­ge­heim­nis­ses. Ge­gen ein Ver­fah­ren we­gen wirt­schaft­li­chen Nach­rich­ten­diensts könn­ten sie sich durch An­trä­ge auf Ein­zel­be­wil­li­gun­gen durch das zu­stän­di­ge De­par­te­ment oder den Bun­des­rat ab­si­chern. Die­se Va­ri­an­te des Selbst­er­le­di­gens wä­re man­chen Po­li­ti­kern recht (vgl. Ar­ti­kel un­ten).

Trotz­dem ist ein Kes­sel­trei­ben los­ge­gan­gen mit dem Ziel, die Par­la­men­ta­ri­er un­ter Druck zu set­zen. Staats­se­kre­tär Am­bühl sag­te die­ser Ta­ge in Bern, fal­le ein Wort über das US-An­ge­bot, und die Ame­ri­ka­ner wür­den kla­gen. Kol­por­tiert wur­de auch, ei­ne grös­se­re An­zahl von Kan­to­nal­ban­ken als bis­her an­ge­nom­men ha­be in be­deu­ten­dem Um­fang un­ver­steu­er­te Ver­mö­gen von US-Kun­den und wer­de des­halb mas­si­ve Bus­sen­zah­lun­gen leis­ten müs­sen.

Auch die Bör­se re­agier­te. Am Mon­tag ver­lo­ren die Ti­tel der Bas­ler KB (–10%), der St. Gal­ler KB (–4,5%) und der Waadt­län­der KB (–4,2%). Am Di­ens­tag voll­zo­gen die Ti­tel der BCV und der Bas­ler KB ei­ne Ge­gen­be­we­gung, SGKB wa­ren leicht rück­läu­fig.

Rät­sel um Vier­zeh­ner­lis­te

Im US-Steu­er­streit ist die Re­de da­von, dass die Ban­ken bis zu 40% der un­ver­steu­er­ten Ver­mö­gen steue­run­ehr­li­cher ame­ri­ka­ni­scher Kun­den be­zah­len müs­sen – und zwar je­de Bank, die die­ses Geld in ei­ner Pha­se in den Bü­chern hat­te. Der Schwei­zer Fi­nanz­platz könn­te da­mit letzt­lich mehr be­zah­len, als je ame­ri­ka­ni­sches Geld da war. Die Un­ter­su­chung der US-Be­hör­den ge­gen die Bas­ler KB ist seit län­ge­rem be­kannt. Die BCV ist die­je­ni­ge Kan­to­nal­bank un­ter den ko­tier­ten Staats­in­sti­tu­ten, die den höchs­ten An­teil Kom­mis­si­ons­ein­nah­men am Ge­samt­er­trag aus­weist: 34%. Bei der St. Gal­ler sind es 28%. Mög­li­cher­wei­se ma­chen die In­ves­to­ren die ein­fa­che Über­le­gung: je mehr Ver­mö­gens­ver­wal­tung, des­to mehr US-Kun­den.

Trotz­dem fühl­te sich Guy Lacha­pel­le, der neue Di­rek­ti­ons­prä­si­dent der Bas­ler Kan­to­nal­bank, ver­an­lasst, ge­gen­über der «Han­dels­zei­tung» zu ver­si­chern: «Ei­ne An­kla­ge wä­re für uns aus heu­ti­ger Sicht nicht exis­tenz­be­dro­hend. Wir wür­den nicht in Kon­kurs ge­hen.» Selbst­ver­ständ­lich ha­be das In­sti­tut den schlimmst­mög-

Bas­ler Kan­to­nal­bank PS li­chen Fall durch­ge­rech­net und ent­spre­chen­de Vor­sor­ge ge­kehrt. Bei ei­ner An­kla­ge müss­te die BKB ein­zel­ne Ge­schäfts­fel­der er­heb­lich ein­schrän­ken und hät­te bei­spiels­wei­se bei Dol­lar­zah­lun­gen oder im Ge­schäft mit US-ko­tier­ten Wert­schrif­ten Pro­ble­me.

Ge­rech­tig­keit muss wal­ten

Ob die­se Ein­schät­zung zu­tref­fend ist, wird hof­fent­lich nicht ge­tes­tet. Wie der Fall der Bank We­ge­lin zeigt, lie­gen die Pro­ble­me auch noch an ganz an­de­rer Stel­le. An­ge­klag­te Ban­ken könn­ten vom In­ter­ban­ken­ver­kehr ab­ge­schnit­ten wer­den, weil sich die an­dern Ban­ken aus Re­pu­ta­ti­ons­grün­den von die­sen an­ge­klag­ten Ban­ken

Ban­que Can­to­na­le Vau­doi­se N ab­wen­den könn­ten. Wie sich die Kun­den ver­hal­ten wür­den ist of­fen.

Nicht aus­ser Acht zu las­sen ist, was nicht im Bun­des­ge­setz steht. Die Ame­ri­ka­ner wol­len nicht nur ein saf­ti­ges Buss­geld und Da­ten. Da­mit Ge­rech­tig­keit wal­tet, müs­sen auch Köp­fe rol­len. Ob und in wel­cher Art Köp­fe rol­len wer­den, hängt von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab. Bei den Ban­ken in der Ka­te­go­rie 1 kann da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass per­so­nel­le Kon­se­quen­zen teil­wei­se be­reits ge­zo­gen wur­den. Er­wähnt wer­den hier Wal­ter Bärch­told von der CS und Ray­mond Bär.

An­ders sieht es in Ka­te­go­rie 2 aus, den Ban­ken, die noch kei­ne Ver­fah­ren am Hals ha­ben, aber steue­run­ehr­li­che US-Kun­den über­nah­men. Be­trof­fen sind wohl klei­ne­re Ban­ken auf dem Platz Zü­rich. Wer ge­mäss der For­de­rung der Ame­ri­ka­ner ge­hen muss, hängt da­von ab, ob es bei die­sen In­sti­tu­ten Un­ter­neh­mens­po­li­tik war, USKun­den zu über­neh­men, die von an­de­ren Ban­ken hin­aus­kom­pli­men­tiert wor­den sind. Oder ob «Ein­zel­tä­ter» oh­ne Wis­sen des Ma­nage­ments ver­ant­wort­lich wa­ren. Bei klei­ne­ren In­sti­tu­ten, zu de­nen Ver­mö­gens­ver­wal­ter mit ih­ren Kun­den­porte­feuilles gin­gen, ist wohl die ers­te Va­ri­an­te die Norm. Al­le Fi­nanz­da­ten zu den Un­ter­neh­men im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/BCVN, fuw.ch/BSKP, fuw.ch/SGKN, fuw.ch/CSGN

K wie Kan­to­nal­bank oder wie Köp­fe­rol­len? Der US-Steu­er­streit wird per­so­nel­le Kon­se­quen­zen ha­ben, aber nicht zwin­gend bei den KBs.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.