Ban­ken könn­ten Da­ten­lie­fe­rung be­an­tra­gen

SCHWEIZ Da­ten­trans­fer in die USA ist im Straf­ge­setz­buch vor­ge­se­hen – Zen­tra­le Rol­le der Fin­ma

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - MH, TW

Die Dro­hun­gen des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums, ein Nicht­ein­tre­ten auf die Lex USA wür­de ei­ne gros­se Be­dro­hung für den Fi­nanz­platz im All­ge­mei­nen und die Ban­ken im Vi­sier der USA im Be­son­de­ren dar­stel­len, schei­nen den Par­la­men­ta­ri­ern in Bern we­nig Ein­druck zu ma­chen. Das ma­chen Ge­sprä­che mit Po­li­ti­kern un­ter­schied­li­cher Cou­leur deut­lich.

Druck kann auch kon­tra­pro­duk­tiv sein. Ein Par­la­men­ta­ri­er aus der West­schweiz er­zählt von 60 (sic!) Te­le­fon­an­ru­fen über das Wo­che­n­en­de. Mit der im­mer glei­chen Be­grün­dung wur­de ihm von Ban­kern und zu­ge­wand­ten Or­ten mit drin­gen­den Wor­ten er­klär­te, wes­halb er der Lex USA un­be­dingt zu­stim­men muss. Das wird kei­nen Stim­mungs­um­schwung her­bei­füh­ren – im Ge­gen­teil.

Das Par­la­ment lässt sich kein Denk­ver­bo­te auf­er­le­gen. Es wird laut dar­über nach­ge­dacht, ob die be­trof­fe­nen Ban­ken das Pro­blem nicht selbst und ganz oh­ne Mit­wir­ken des Bun­des lö­sen könn­ten, in­dem sie die ver­lang­ten Da­ten in ei­ge­ner Re­gie lie­fern, wo­bei sie al­len­falls ei­ne Be- wil­li­gung des EFD oder des Bun­des­rats be­an­tra­gen könn­ten.

An­ders als teil­wei­se kol­por­tiert, sind sol­che Be­wil­li­gun­gen kein Not­recht, son­dern im Straf­ge­setz­buch so vor­ge­se­hen und auch gän­gi­ge Pra­xis im Steu­er­be­reich aus­ser­halb der US-Pro­ble­ma­tik. Auch die Er­klä­rung zum UBS-Staats­ver­trag, in der sich die Schweiz zur Lie­fe­rung von Da­ten be­reit er­klär­te, könn­te wie­der zu ei­nem The­ma wer­den.

An Treu­hän­der den­ken

CVP-Fi­nanz­po­li­ti­ker Pir­min Bi­schof mach­te an ei­ner Ver­an­stal­tung der Ban­kier­ver­ei­ni­gung am Mon­tag in Bern deut­lich, dass er sich in die­ser Fra­ge noch kei­ne ab­schlies­sen­de Mei­nung ge­bil­det hat. Er sprach von ei­nem Ablass­han­del. Falls das Par­la­ment auf das Ge­schäft ein­tre­ten wird, ist für ihn ei­nes si­cher: Ver­mö­gens­ver­wal­ter, Treu­hän­der und An­wäl­te sol­len von ei­nem ähn­li­chen Schutz pro­fi­tie­ren wie nun die An­ge­stell­ten. «Das wird zu ei­nem Kern­ele­ment der par­la­men­ta­ri- schen Be­ra­tun­gen», pro­phe­zeit Bi­schof, der Prä­si­dent des schwei­ze­ri­schen Ver­ban­des frei­er Be­ru­fe ist.

Ob sich Stän­de­rat Pir­min Bi­schof mit die­ser For­de­rung durch­set­zen wird, muss sich al­ler­dings wei­sen. Es kann ar­gu­men­tiert wer­den, dass Ver­mö­gens­ver­wal­ter, Treu­hän­der und An­wäl­te ja ge­ra­de die trei­ben­de Kraft in die­sem kri­mi­nel­len Han­deln wa­ren, das nun von den Ame­ri­ka­nern an­ge­pran­gert wird.

An der glei­chen Ver­an­stal­tung be­stä­ti­ge Raiff­ei­sen-CEO Pie­rin Vin­cenz, dass die Fin­ma in der gan­zen Sa­che in­stru­men­tal sein wird. «Der Re­gu­la­tor wird al­le auf den Weg schi­cken.» Für ihn ist die gan­ze Af­fä­re im Üb­ri­gen «ty­pisch für den Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess», den die Fi­nanz­bran­che der­zeit durch­läuft. Er re­la­ti­vier­te die Be­deu­tung der nun vor­lie­gen­den Va­ri­an­te. «Für vie­le In­sti­tu­te ist die gan­ze Sa­che nicht sehr re­le­vant.» Recht ent­spannt klang auch Lu­kas Gäh­wi­ler, Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer von UBS Schweiz, ob­wohl er an­ders­wo Pro­ble­me sieht: «Für die UBS ist das al­les kein Pro­blem, aber wir müs­sen auf­pas­sen, dass wir uns mit der Ver­gan­gen­heit in Eu­ro­pa nicht ein Pro­blem auf­bau­en.»

Den Ap­pe­tit der EU we­cken

Ge­ra­de die­se Aus­sa­ge wirft je­doch die Fra­ge auf, ob mit ho­hen Bus­sen­zah­lun­gen nicht ein Prä­ze­denz­fall ge­schaf­fen wird. «Die EU-Staa­ten wer­den Ap­pe­tit er­hal­ten», ist Lu­kas Gäh­wi­ler über­zeugt. Für ihn ist je­doch klar, dass die USA ei­ne an­de­re Be­deu­tung als eu­ro­päi­sche Staa­ten ha­ben. «Die USA kön­nen an­ders Druck ma­chen als eu­ro­päi­sche Staa­ten.»

Pie­rin Vin­cenz plä­diert für ei­ne Vor­wärts­stra­te­gie. Die Schweiz soll­te die Rea­li­tä­ten er­ken­nen und sich im Aus­sen­ver­hält­nis auf Trans­pa­renz aus­rich­ten – oh­ne jetzt noch dar­auf zu spe­ku­lie­ren, dass mit wei­te­ren Zu­ge­ständ­nis­sen von­sei­ten der Schweiz et­was (bei­spiels­wei­se Markt­zu­gang) er­reicht wer­den kön­ne. Sinn­vol­ler ist es sei­ner Mei­nung nach, nun auf ak­zep­ta­ble Über­gangs­fris­ten zu set­zen.

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