Phar­ma-wett­lauf um Me­la­nomthe­ra­pi­en

IN­TER­NA­TIO­NAL Merck und Bris­tol-my­ers Squibb le­gen vor – Ro­che fällt zu­rück

Finanz und Wirtschaft - - GESUNDHEIT - CAR­LA PALM

DOn­ko­lo­gie als Kurstrei­ber as En­de der müh­sa­men Che­mo­the­ra­pi­en scheint zum Grei­fen nah. Neue Im­mun­be­hand­lun­gen, die we­ni­ger Ne­ben­wir­kun­gen ver­spre­chen, könn­ten bald zur füh­ren­den Krebs­the­ra­pie­klas­se auf­stei­gen und ge­mäss ei­ner Schät­zung von Ana­lys­ten von Ci­ti­group bis zu 35 Mrd.$ pro Jahr in die Kas­sen der Phar­ma­gesell­schaf­ten spü­len.

Die Vor­tei­le der neu­en Me­di­ka­men­te: sie sol­len das Im­mun­sys­tem so­weit sti­mu­lie­ren, dass es ei­gen­stän­dig bös­ar­ti­ge Tu­mo­re ver­nich­tet. Das scheint nun auch für Pa­ti­en­ten mit be­son­ders aus­sichts­lo­sen Krebs­er­kran­kun­gen mög­lich, wie am Kon­gress der Ame­ri­can So­cie­ty of Cli­ni­cal On­co­lo­gy (Asco), der die­se Wo­che in Chi­ca­go zu En­de geht, deut­lich wur­de. Ein Be­reich, in dem sich im­mer mehr Phar­ma- und Bio­techge­sell­schaf­ten po­si­tio­niert ha­ben, ist die Be­kämp­fung von schwar­zem Haut­krebs (Me­la­nom). Er gilt als die wohl bös­ar­tigs­te Haut­krebs­form. Welt­weit er­kran­ken jähr­lich ge­schätz­te 140 000 Per­so­nen dar­an, Ten­denz stei­gend. Bis 2019 soll sich ih­re Zahl ver­dop­pelt ha­ben.

BMS hat das ers­te Mit­tel

Lan­ge galt die Krank­heit als un­heil­bar, was an dem be­son­de­ren Fort­schrei­ten der Tu­mo­re liegt. Sind sie noch klein und wach­sen nur in der Ober­haut, kön­nen sie meis­tens pro­blem­los ent­fernt wer­den. Drin­gen sie je­doch un­ent­deckt in die zwei­te Haut­schicht vor, und be­kom­men Zu­gang zu Blut- und Lym­ph­sys­te­men, kön­nen sie sich im gan­zen Kör­per aus­brei­ten (z.B. in Lun­ge, Kno­chen, Le­ber, Lymph­kno­ten). Vor zwei Jah­ren brach­te Bris­tol-My­ers Squibb (BMS) mit Yer­voy das ers­te Im­mun­the­ra­peu­ti­kum ge­gen Me­la­no­me auf den Markt. Yer­voy er­wirt­schaf­te­te im Ge­schäfts­jahr 2012 be­reits 700 Mio. $ Um­satz, bis 2018 könn­ten 1,7 Mrd. $ re­sul­tie­ren (vgl. Ta­bel­le un­ten).

Als zwei­ter gros­ser Play­er gilt Ro­che mit Zel­bo­raf, das eben­falls 2011 zu­ge­las­sen wur­de und im ver­gan­ge­nen Jahr für 234 Mio. Fr. Um­satz sorg­te. Bei­de Me­di­ka­men­te wer­den den Be­trof­fe­nen bis­her nur in ei­nem fort­ge­schrit­te­nen Krank­heits­sta­di­um ver­ab­reicht und wir­ken auch dann nur bei ei­nem Teil der Pa­ti­en­ten.

Kon­kur­renz droht Ro­che und BMS nun von Merck, Gla­xoS­mit­hK­li­ne so­wie den bei­den Bio­tech-Spe­zia­lis­ten Am­gen und Scan­cell, die mit viel­ver­spre­chen­den Wirk­stof­fen und neu­en The­ra­pie­an­sät­zen für Auf­merk­sam­keit sor­gen. Merck stell­te an der Asco den Wirk­stoff Lam­bro­li­zu­m­ab vor, ei­nen the­ra­peu­ti­schen An­ti­kör­per, der den so­ge­nann­ten PD-1-Si­gnal­weg von Krebs­zel­len un­ter­bin­den soll.

In der Be­hand­lung von Pa­ti­en­ten mit fort­ge­schrit­te­nem schwar­zen Haut­krebs zeig­te Lam­bro­li­zu­m­ab «be­son­ders ho­he An­sprech­ra­ten» und liess den Tu­mor in 38% der be­han­del­ten Fäl­le «dra­ma­tisch schrump­fen», wie Merck an­hand der Da­ten aus ei­ner kli­ni­schen Pha­se-I-Stu­die zei­gen konn­te. Merck will den Wirk­stoff auch ge­gen Lun­gen-, Brust-, Bla­sen- und Hirn­krebs tes­ten. Eben­falls auf die Blo­cka­de des PD-1-Si­gnal­wegs setzt BMS mit Ni­vo­lu­m­ab. Der Wirk­stoff be­fin­det sich be­reits in der kli­ni­schen Pha­se III und wird zu­dem in der Kom­bi­na­ti­on mit Yer­voy ges­tes­tet. Ers­te Da­ten zeig­ten, dass Pa­ti­en­ten, de­nen die Kom­bi­na­ti­on ver­ab­reicht wur­de, deut­lich häu­fi­ger län­ger über­leb­ten als Pa­ti­en­ten, die nur mit Yer­voy be­han­delt wur­den. Der Tu­mor schrumpf­te in 40% der Fäl­le.

Die Kom­bi­na­ti­on der bei­den könn­te sich als «Stan­dard» in der Me­la­nomthe­ra­pie durch­set­zen, spe­ku­lie­ren die Ana­lys­ten von J. P. Mor­gan. Sie er­rech­nen da­für ein Markt­po­ten­zi­al von 10 Mrd. $. Der Vor­sprung von BMS ge­gen­über Ro­che sei nun recht gross.

Kom­bi-The­ra­pi­en wir­ken

Eben­falls in Be­dräng­nis ge­ra­ten könn­te Ro­che mit Zel­bo­raf durch Gla­xoS­mit­hK­li­ne (GSK). Be­reits kurz vor der Asco er­hielt GSK die Zu­las­sung für Ta­fin­lar und Me­ki­nist bei fort­ge­schrit­te­nem schwar­zen Haut­krebs. Wie Zel­bo­raf wir­ken bei­de nur bei Pa­ti­en­ten mit ei­ner BRAF-Genmu­ta­ti­on, die in 50% der Me­la­no­me auf­tritt. Ta­fin­lar blo­ckiert das BRAF-Gen, wäh­rend Me­ki­nist über ein MEK-Pro­te­in die BRAF­po­si­ti­ven Tu­mo­re ab­wehrt.

Ro­che forscht eben­falls an BRAF-MEKKom­bi­na­tio­nen. Der MEK-In­hi­bi­tor GDC0973 in Kom­bi­na­ti­on mit Zel­bo­raf be­fin­de sich in der kli­ni­schen Pha­se III. Ei­ne Kom­bi­na­ti­on von Zel­bo­raf und An­tiPDL-1 ist in der kli­ni­schen Pha­se I, wie Ro­che-Spre­che­rin Sil­via Do­bry auf An­fra­ge von FuW be­stä­tigt.

Als wei­te­re ernst­zu­neh­men­de Kon­kur­ren­tin ar­bei­tet Am­gen an ei­ner Me­la­nomthe­ra­pie, die ei­nen Vi­rus ( T-Vec) di­rekt in die er­krank­ten Krebs­zel­len brin­gen und sie dann zer­stö­ren soll. Die Re­sul­ta­te aus ei­ner Pha­se-III-Stu­die wa­ren er­mu­ti­gend. Die Über­le­bens­zeit der Pa­ti­en­ten ver­bes­ser­te sich, und die Tu­mor­zel­len schrumpf­ten. Wei­te­re Da­ten sol­len im Lau­fe des Jah­res prä­sen­tiert wer­den. Auch prüft Am­gen die Kom­bi­na­ti­on von T-Vec mit ei­nem PD-1-In­hi­bi­tor.

Für ei­ne Über­ra­schung in der The­ra­pie von schwar­zem Haut­krebs könn­te künf­tig die klei­nen Bio­tech-Ge­sell­schaft Scan­cell sor­gen. Die Mit­ar­bei­ter des Spin-offs der Uni­ver­si­tät Not­ting­ham for­schen an ei­nem Impf­stoff, der den Pa­ti­en­ten nach der Ent­de­ckung ei­nes Tu­mors ver­ab­reicht wer­den soll. Der auf Zel­len ba­sie­ren­de Wirk­stoff zeig­te in der Pha­se I gu­te Re­sul­ta­te, Da­ten aus der kli­ni­schen Pha­se II wer­den in et­wa ei­nem Jahr er­war­tet.

Kom­bi­na­ti­ons­wirk­stof­fe schei­nen im Kampf ge­gen den schwar­zen Haut­krebs die bes­ten Chan­cen zu ha­ben. BMS, Merck und GSK sind gut po­si­tio­niert. Die Vi­rusthe­ra­pie von Am­gen dürf­te eher ei­ne klei­ne­re Rol­le spie­len. Ro­che wird un­ter Druck kom­men, was sich be­reits in der schwa­chen Ent­wick­lung der Ge­nuss­schei­ne in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ge­zeigt hat.

Der Bon­di-Beach in Aus­tra­li­en lädt zum Son­nen­ba­den ein. Down Un­der wer­den welt­weit die meis­ten Me­la­no­mer­kran­kun­gen re­gis­triert.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.