Drei­kampf um Schmolz+bi­cken­bach

SCHWEIZ Auch Micha­el Pie­per und ein Kon­zern aus Ja­pan da­bei

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM/INDUSTRIE - ARNO SCHMO­CKER

Un­ter den po­ten­zi­el­len neu­en An­ker­in­ves­to­ren von Schmolz+Bi­cken­bach be­fin­det sich auch ein ja­pa­ni­sches Un­ter­neh­men. Ge­mäss In­for­ma­tio­nen von «Fi­nanz und Wirt­schaft» könn­te der bran­chen­na­he Kon­zern aus ei­nem Zu­sam­men­ge­hen mit dem Stahl­her­stel­ler «be­trächt­li­che in­dus­tri­el­le Sy­ner­gi­en» he­ben.

An der Te­le­fon­kon­fe­renz am Frei­tag war Hans-Pe­ter Zehn­der, Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent von Schmolz+Bi­cken­bach, noch wort­karg ge­blie­ben. Trotz Nach­fra­gen von Jour­na­lis­ten liess er sich nichts über die Her­kunft der zwei po­ten­zi­el­len In­ves­to­ren ent­lo­cken, die viel Geld für ei­ne Be­tei­li­gung in der Grös­sen­ord­nung von 20% am kri­seln­den Stahl­ko­cher in­ves­tie­ren wol­len. Ge­gen­über der «NZZ am Sonn­tag» wur­de er dann ge­sprä­chi­ger.

Ei­ne Schwei­zer Lö­sung

Das an­de­re An­ge­bot hat es ver­mut­lich eher in sich. Laut Zehn­der ist es ei­ne Schwei­zer In­dus­trie­hol­ding, die Be­tei­li­gun­gen an ver­schie­de­nen In­dus­trie­spar­ten hal­te. Ein Satz in der über zehn­sei­ti­gen Stel­lung­nah­me des Ver­wal­tungs­rats zur Ge­gen­of­fer­te der Ak­tio­närs­grup­pe – der deut­schen Be­sit­zer­fa­mi­li­en zu­sam­men mit der Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Re­no­va von Vic­tor Vek­sel­berg – lie­fert ei­nen kon­kre­ten Hin­weis, wer es mit an Si­cher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit ist.

S+B-Ver­wal­tungs­rat Be­noît Lud­wig ha­be «ei­ne Or­gan­funk­ti­on bei ei­ner Par­tei in­ne, die sich als In­ter­es­sent für ei­ne Be­tei­li­gung am In­ves­to­ren­such­pro­zess be­tei­li­ge». Das kann nur die Ar­te­mis Hol­ding bzw. ihr In­ha­ber Micha­el Pie­per sein, in

Schmolz+Bi­cken­bach N de­ren Ver­wal­tungs­rat Lud­wig sitzt. Am Sitz von Ar­te­mis heisst es auf An­fra­ge bloss, der In­dus­tri­el­le neh­me der­zeit da­zu kei­ne Stel­lung, zu­mal ei­ne Ge­heim­hal­tungs­pflicht be­steht. Am nächs­ten Frei­tag pu­bli­ziert der Ver­wal­tungs­rat von S+B zu­han­den der Ak­tio­nä­re die Trak­tan­den­lis­te für die ent­schei­den­de Ge­ne­ral­ver­samm­lung am 28. Ju­ni. Mitt­ler­wei­le spricht kaum mehr et­was da­ge­gen, die bei­den Na­men of­fen­zu­le­gen.

Je­de Ak­tio­närs­stim­me zählt

Pie­per, Jahr­gang 1946, ist Un­ter­neh­mer durch und durch. Er be­sitzt und führt die Ar­te­mis-Grup­pe, die 2012 ei­nen Um­satz von 2,5 Mrd. Fr. und ei­nen Ge­winn von 116 Mio. aus­wies. Kern­stück ist der Kü­chen­aus­rüs­ter Fran­ke mit 2 Mrd. Fr. Um­satz, in dem sich – nicht völ­lig un­pas­send zu S+B – vie­les um Edel­stahl dreht.

Die zwei an­dern Pfei­ler von Ar­te­mis sind Im­mo­bi­li­en mit En­ga­ge­ments von meh­re­ren hun­dert Mil­lio­nen Fran­ken und As­set Ma­nage­ment, in dem Be­tei­li­gun­gen im Wert von über 700 Mio. Fr. an ko­tier­ten Schwei­zer In­dus­trie­un­ter­neh­men an­ge­sie­delt sind. Da­zu zäh­len An­tei­le an Fein­tool (vor­der­hand noch 79%), For­bo (27%), Au­to­ne­um (20%), Ad­val Tech (21%), Rie­ter (11,5%) und Pre­cious Woods (8,4%). Pie­per dürf­te das En­ga­ge­ment im Stahl­kon­zern nicht al­lein schul­tern wol­len und wohl auch nicht kön­nen; Bei­spie­le von Part­ner­schaf­ten sind die mit Stad­lerRail-Be­sit­zer Pe­ter Sp­uh­ler in Rie­ter/ Au­to­ne­um und die mit Christoph Mül­ler von War­teck in der Bie­ler Im­mo­bi­li­en­fir­ma Es­pace Re­al Esta­te.

Klar ist: En­de Ju­ni kommt es an der GV zum span­nen­den Di­rekt­kampf um Ak­tio­närs­stim­men. Die Schmolz+Bi­cken­bach Gm­bH & Co. KG der deut­schen Be­sit­zer­fa­mi­li­en ist mit ei­nem An­teil von 40,5% grösste Ak­tio­nä­rin. Min­des­tens eben­so ent­schei­dend sind aber die et­wa 9000, mehr­heit­lich schwei­ze­ri­schen Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re. Sie ent­schei­den nicht nur über die Hö­he und die Aus­ge­stal­tung der Ka­pi­tal­er­hö­hung, son­dern vor al­lem auch, wer – das bis­he­ri­ge Gre­mi­um oder die deut­schrus­si­sche Sei­te – die Mehr­heit im Ver­wal­tungs­rat und da­mit die Kon­trol­le über den Stahl­kon­zern er­ringt.

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