Wet­ter, Chi­na, Aus­land pla­gen Bell

SCHWEIZ Die ver­reg­ne­te Grill­sai­on be­las­tet den gröss­ten Schwei­zer Fleisch­ver­ar­bei­ter – Chi­ne­sen win­ken ab – Ak­ti­en fal­len

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - GRET HEER

Grill&Win steht auf dem Bel­lB­arbe­cue-Schweins­ko­te­lett in der Fleisch­vi­tri­ne des Co­op-Pron­toShops. Mit dem Gewinnspiel, bei dem als Haupt­preis ein Ford Ku­ga lockt, ver­sucht Bell Kun­den zum Kauf von Grill­fleisch zu ani­mie­ren. Ein schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen. Die Grill­sai­son ist bis­her ins Was­ser ge­fal­len. Der Ab­satz sinkt. Die Ak­ti­en sind seit Mai 5% ge­fal­len. Wei­te­res Un­ge­mach: Chi­ne­sen be­an­stan­de­ten man­geln­de Hy­gie­ne im Schlacht­be­trieb von Bell in der Schweiz. Und die Aus­sicht, die­ses Jahr im Aus­land end­lich schwar­ze Zah­len zu schrei­ben, ist noch un­klar.

Der Schwei­zer Markt ist für den Fleisch­ver­ar­bei­ter im­mer noch zen­tral (vgl. Gra­fik). Da­her trifft Bell ein Rück­schlag im Kern­ge­schäft arg, ins­be­son­de­re bei Pro­duk­ten mit ho­her Wert­schöp­fung wie ma­ri­nier­tem Fleisch. Ge­naue Zah­len zur lau­fen­den Grill­sai­son gibt der Fleisch­kon­zern nicht be­kannt. «Grill­pro­duk­te lau­fen schlech­ter. Es gibt ei­nen Rück­gang auf ein­zel­ne Teil­stü­cke wie Schweins­ni­er­stü­cke», sagt Bell-Mar­ke­ting­lei­ter Da­vid Elia. Er be­tont, erst nach den nächs­ten Mo­na­ten Ju­ni, Ju­li und Au­gust, die Grill­sai­son zu be­zif­fern sei. Co­op sit­ze auf kei­nem Fleisch­berg: «Wir kön­nen fle­xi­bel auf das Wet­ter re­agie­ren und kau­fen we­ni­ger Schlacht­tie­re.»

Auch De­tail­händ­ler Co­op, Haupt­kun­de von Bell, geizt mit Zah­len zum Fleisch­ver­kauf: «Wir stel­len ei­ne Ver­la­ge­rung vom Grill­fleisch hin zu an­de­ren Fleisch­pro­duk­ten fest. Beim Ra­clette und Fon­due-Kä­se ver­zeich­nen wir aber ein sehr star­kes Plus.» Drei Vier­tel des Bell-Um­sat­zes wird in der Schweiz über Co­op er­wirt­schaf­tet. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand er­klä­ren Markt­ken­ner der Fleisch­bran­che, dass in der Wet­ter- und Wurst­mi­se­re im Mai 10 bis 15% we­ni­ger ver­kauft wur­de.

Chin­aka­nal auf Eis ge­legt

Chi­ne­sen, die im letz­ten Jahr hel­ve­ti­sche Fleisch­pro­du­zen­ten in­spi­ziert ha­ben, ver­wei­gern der Schweiz bis auf wei­te­res die Ex­port­li­zenz. Die­se Mel­dung sorg­te letz­te Wo­che in der «NZZ am Sonn­tag» für Schlag­zei­len. Chi­ne­sen be­män­geln, dass ih­re hy­gie­ni­schen An­for­de­run­gen nicht er­füllt wur­den. Da­bei wä­re der Ver­kauf von In­ne­rei­en, Füss­chen, Schwänz­chen und Häl­schen nach Chi­na ein will­kom­me­nes Zu­satz­ge­schäft. Bei Schwei­zer Kun­den sind sol­che De­li­ka­tes­sen nicht mehr gross ge­fragt.

Bell-Mar­ke­ting­lei­ter Elia meint: Die kri­ti­sier­ten Punk­te sei­en völ­li­ge Nich­tig- kei­ten. So ha­be beim Be­such der Chi­ne­sen ein Pa­ket ge­bün­del­te In­ne­rei­en kurz die Wand be­rührt. Die­se ge­ka­chel­ten Wän­de wer­den aber täg­lich ste­ri­li­siert. Hin­ter die­ser Kri­tik steckt wohl auch ei­ne gu­te Por­ti­on po­li­ti­scher Hin­ter­grund im Zu­sam­men­hang mit dem Frei­han­dels­ab­kom­men. «Bei Au­dits gibt es im­mer wie- der kleins­te Be­an­stan­dun­gen, aber un­se­re Hy­gie­ne ist ein­wand­frei.»

Bell be­lie­fert Chi­na nicht di­rekt. Ein deut­scher Zwi­schen­händ­ler sorgt für den Ab­satz die­ser Stü­cke nach Asi­en. Der Schwei­zer Fleisch­ver­ar­bei­ter hat sich über­legt, al­len­falls ei­nen ei­ge­nen Ka­nal nach Chi­na auf­zu­bau­en. Die­se Plä­ne sind vor­erst ins Sto­cken ge­ra­ten.

Der Schwei­zer Fleisch­ver­ar­bei­ter hat seit län­ge­rem rea­li­siert, dass das Wachs­tum in der Schweiz be­grenzt ist. 2008 wag­te das Un­ter­neh­men end­lich den Schritt ins Aus­land ge­wagt. Der glo­ba­le Fleisch­markt gilt als Wachs­tums­markt. Bis­her schrieb Bell en­net der Gren­ze ro­te Zah­len. Der Preis­druck der De­tail­händ­ler, ins­be­son­de­re in Deutsch­land, ist hart. Letz­tes Jahr wa­ren die Er­geb­nis­se im Aus­land «hell­rot», wie Bell-Chef Lo­renz Wyss der FuW er­klär­te. 2013 will der Kon­zern im Aus­land den Tur­naround aber schaf­fen. Die Aus­sich­ten wa­ren An­fang Jahr noch in­takt.

Zu­kunft liegt im Aus­land

Wie sich das Ge­schäft die­ses Jahr im Aus­land ent­wi­ckelt, will Bell erst mit der Pu­bli­ka­ti­on der Halb­jah­res­zah­len Mit­te Au­gust be­kannt­ge­ben. Die Aus­sich­ten se­hen an­ge­sichts der an­ge­spann­ten Kon­junk­tur in den Ab­satz­län­dern nicht all­zu ro­sig aus. Im­mer wie­der ver­un­si­chern auch Skan­da­le wie jüngst das Pfer­de­fleisch­de­ba­kel die eu­ro­päi­sche Kund­schaft.

Bell hat noch ei­ni­ges vor. Im April hat­te der Kon­zern zwei An­lei­hen von ins­ge­samt 350 Mio. Fr. auf­ge­nom­men. Sie die­nen vor al­lem zur Re­fi­nan­zie­rung von Bank­ver­bind­lich­kei­ten, aber auch für künf­ti­ge Pro­jek­te. De­tails für die Plä­ne wer­den nicht of­fen ge­legt. Mit ei­ner Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te von 51% ist die Bi­lanz so­li­de.

Die Ti­tel wer­den we­nig ge­han­delt. Haupt­ak­tio­när Co­op hält 66,3% der Ak­ti­en. Ein Ein­stieg ist we­gen des ge­rin­gen Streu­be­sit­zes, aber auch an­ge­sichts der noch un­kla­ren Ent­wick­lung im Aus­land vor­erst nicht an­ge­bracht. Die Ak­ti­en sind mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 11 an­ge­mes­sen be­wer­tet.

Bell hofft auf schö­nes Wet­ter. Die Grill­sai­son soll end­lich star­ten.

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